Catchr-App, Kontrollwahn und die NSA
Kommentare

Catchr-App, die Neuerscheinung von Nordlogic, verbirgt schon in ihrem Namen die Hauptfunktion. Die kontroverse Anwendung beschert der Welt seit 4 Tagen ein neues Spionage-Tool für privaten Gebraucht im Freundes- und Bekanntenkreis. Catchr gibt dem Smartphone-Besitzer Auskunft darüber, welche Apps in seiner Abwesenheit gestartet und beendet wurden und ob das iPhone bewegt wurde. Passend zum Zweck nutzen die Entwickler einen stilisierten Fingerabdruck als App-Icon. 

Leider oder vielleicht zum Glück kann die Spionage-App Catchr wegen Rechtebeschränkungen in iOS nicht registrieren, ob E-Mails und Nachrichten geöffnet worden sind. Außerdem muss die App immer im Hintergrund laufen, um Informationen sammeln zu können. Schaltet man diese aus, bleiben die unbefugten Aktivitäten Dritter für immer ein dunkles Geheimnis.

Stellen wir uns vor, der eifersüchtige Freund greift ohne Befugnis zum Handy seiner Freundin und checkt heimlich ihre Aktivitäten. Die smarte Freundin weiß schon von dem Laster ihres Boyfriends und hat vorsichtshalber die Catchr-App auf ihrem iPhone installiert. Als der Freund ihr Smartphone nach dem Grund seiner Eifersucht durchsucht, läuft die App im Hintergrund und speichert seine Aktivität ab. Er spioniert und wird gleichzeitig ausspioniert. Von Vertrauen kann hier also nicht die Rede sein. Eher von einer geeigneten App für Nutzer mit ausgeprägtem Verfolgungswahn.

Die Entwickler von Nordlogic versprechen durch den Gebrauch der neuen App mehr Seelenruhe: „Catchr gives you peace of mind by allowing you to find out if anybody used your phone when it was not in sight.“

Doch anstatt sich über das neue Spionage-Werkzeug zu freuen, landet man gedanklich wieder bei dem NSA-Spionageskandal und dem damit verbundenen allgegenwärtigen Verfolgungswahn.

Die Problematik an dem gegenseitigen Ausspionieren ist ja, dass die NSA sowie der eifersüchtige Freund ihre ganz plausiblen Gründe haben, um dem „Objekt der Begierde“ nachzuspionieren. Einerseits ist es der altruistische Kampf für die Sicherheit jedes Einzelnen, andererseits ist es der Verdacht auf Untreue. Doch so wirklich überzeugend klingen die Gründe nicht. 

Die Frage ist nämlich nicht die nach der allgemeinen Notwendigkeit gewisser Kontrollmechanismen, sondern viel mehr, nach den Grenzen der Überwachung. Wenn es so weitergeht, sollte man den Begriff „Privatsphäre“ ganz genügsam auf die eigenen vier Wände und den eigenen Schädel beschränken. 

Von der NSA ist mittlerweile schon jeder Nutzer gewarnt und von der Möglichkeit des unbefugten Zugriffes auf private Daten geht man fast schon aus. Doch die Zweckmäßigkeit einer Spionage-gegen-Spionage-App für 1,79 Euro für diejenigen mit dem Bedürfnis, seine Mitmenschen aufs Glatteis führen zu wollen, ist fragwürdig.

Andersrum wird die Catchr-App die Nutzer wohl kaum von den Übergriffen der Geheimdienste schützen können, wie das folgende Video von Nordlogic angibt. 

 

 

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -