CeBIT 2014 in Hannover: Unsere Highlights
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Die weltweit größte Computermesse CeBIT zeigt in Hannover die neuesten technischen Errungenschaften der IT-Branche. Das diesjährige Motto lautet vor allem Big Data und Datability. Alles dreht sich um die totale Vernetzung und Digitalisierung unseres Lebens und die damit verbundenen Datenmengen, die es zu analysieren und zu verarbeiten gilt.

Alles in allem erinnerte die CeBIT 2014 an einen riesigen Tante-Emma-Laden, wo jeglicher Plunder, der auch nur im Entferntesten an den Themenbereichen rund um IT kratzt, ausgestellt wurde. Wie immer war die Messe sehr unübersichtlich und man suchte zwischen Handy-Cases und einem Berg von Kopfhörern verbissen nach den wahren Innovationen. Das Leitmotiv hätte im Übrigen auch Big Brother statt Big Data heißen können. George Orwell würde bei einem Besuch der CeBIT zu der Erkenntnis gelangen, dass er in Teilen sehr Recht hatte, als er „1984“ schrieb und sich wundern wie zivil es dabei doch zugeht, wäre er noch am Leben. Dennoch scheint es, als würden die jüngsten Entwicklungen und Innovationen direkt in Kooperation mit den Geheimdiensten entstehen. Die Möglichkeit, der Datenkrake Internet zu entgehen ist aussichtslos, wenn man kein Einsiedler sein will. Alles wird vernetzt, und genau dieser Umstand macht die jüngsten Skandale, wie die NSA-Spähaffäre, überhaupt möglich.

Diese hat nicht nur in Politik und Medien für Aufregung gesorgt. Die Wirtschaft reagiert, und das nicht zu knapp. Dementsprechend wichtig war das Thema Sicherheit auf der CeBIT. Außerdem: Roboter, Connected Cars, Smart Homes und 3D-Drucker, 3D-Drucker und nochmals 3D-Drucker.  

 

Angela Merkel eröffnet die CeBIT 2014 

Die CeBIT wurde am Montag von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. Der Stargast dieses Abends war kein geringerer als der britische Premierminister David Cameron, Vertreter des diesjährigen CeBIT-Partnerlands Großbritannien und Leiter des britischen Geheimdiensts GCHQ. Welch Ironie, denn Großbritannien und der GCHQ machen keine allzu gute Figur, wenn es um den Schutz unserer Privatsphäre geht. Die Machenschaften des britischen Geheimdiensts sind mindestens so zwielichtig, wie die der amerikanischen NSA.

Eigentlich eine wunderbare Gelegenheit für die Kanzlerin, um Klartext zu reden und die Datenschutzdebatte auf eine neue Ebene zu hiefen. Fehlanzeige. Die Kanzlerin redete über die Ukraine und die Deutung und Bedeutung von Big Data und Datability. Anders als die Bundeskanzlerin nahmen die Aussteller die Datenschutzdebatte sehr ernst und präsentierten Lösungen, die unser digitales Dasein in Zukunft vor Attacken von außen schützen sollen.

 

DDoS-Schutz 

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Vor wenigen Jahren war es nur vereinzelten Gruppen möglich, DDoS-Attacken durchzuführen, Heute können ganze Botnets einfach gemietet oder entsprechende Programme fertig aus dem Netz geladen werden. 2007 wurden bei der stärksten DDoS-Attacke gerade mal 24 Gbit/s gemessen. Heute liegt der Höchstwert bei über 100 Gbit/s.

Webseitenbetreiber und Firmennetzwerke müssen sich dementsprechend wappnen. Die Firma Link11 stellte an ihrem Stand die sogenannte DDoS-Protection-Cloud vor. Sie wird zwischen Angreifer und Netzwerk geschalten und funktioniert dabei wie ein intelligenter Proxy-Server, der den Datentransfer nach individuellen Vorgaben analysiert, Angriffe blockt und den gereinigten Traffic dann ins jeweilige Netzwerk schleust. Dazu ist keinerlei Umstrukturiereung nötig, der Cloud-Filter benötigt keine gesonderte Hardware. 

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Email-Verschlüsselung für Hinz und Kunz

SEPPmail - Email-Verschlüsselung für jedermann

Screenshot: seppmail.ch

Der Messaging-Experte SEPPmail präsentierte eine Email-Verschlüsselungs-Lösung ohne großen technischen Aufwand und Softwareinstallationen bei Sender und Empfänger. Ein simples Plugin sorgt für eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung bei Nachrichten und Anhängen und funktioniert derzeit mit Outlook und Lotus Notes. Eine Apple Mail-Version befindet sich gerade in der Entwicklung.

 

Biometrische Gesichtserkennung und automatisierte Fingerabdruckidentifizierungssysteme

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Die Firma Dermalog stellte die neusten Entwicklungen im Feld der biometrischen Identifizierungssysteme vor. Darunter vollautomatische Fingerabdruckscanner für mobile Endgeräte, die keinerlei besondere Apps oder Hardware benötigen, sondern alleine aufgrund des Abdrucks biometrische Daten in Rekordgeschwindigkeit sammeln. Das kommt nicht nur Privatanwendern für die mobile Identifizierung zugute, sondern erleichtert auch die Arbeit für Strafverfolgungsbehörden. Außerdem demonstrierte Dermalog ein biometrisches Gesichtserkennungssystem, das beim Scannen gleichzeitig Alter und Geschlecht des Subjekts schätzt. Die Daten können selbstverständlich mit einer Datenbank abgeglichen werden. Big Brother lässt grüßen.

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Smart Business, Datenanalyse und künstliche Intelligenz

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IBM stellte seinen Messeauftritt auf der CeBIT unter das Motto „Build a smarter enterprise“. Big Data Analytics, Cloud, Mobile und Social Business – kaum ein anderes Unternehmen reagierte so zielgerichtet auf die Leitmotive der diesjährigen CeBIT. So stellte der Konzern beispielsweise einen neuen Anwendungsbereich für Big Data vor – „IBM Big Data for Wellness“. Ein Prototyp einer Wellness Big Data Plattform gibt Einblicke in unsere Schlafgewohnheiten. Sensoren messen unsere Herz- und Atemfrequenz während des Schlafs. Daraus lassen sich dann beispielsweise Schlussfolgerungen über den Stresslevel einer Person ziehen und Probleme wie Burnout frühzeitig erkennen, behauptet IBM.

Die Plattform wurde zusammen mit einem Sensor von Earlysense präsentiert, mithilfe dessen Besucher ihre Herz- und Atemfrequenz messen konnten. Anschließend wurden diese Daten miteinander verglichen. IBM zeigt damit, dass sie auch Daten großer anonymer Gruppen nutzen können, um deren Wohlbefinden zu analysieren. Neben dem Prototyp präsentierte IBM neuartige Cloud-Speicherlösungen, ein besonders leistungsfähiges Flash-Speichersystem und eine Sonde, die neue Möglichkeiten in der Krebsforschung eröffnen soll. Sie testet kleine Gewebeproben mikrometergenau und analysiert sie dann im Anschluss. Die Sonde soll beispielsweise die Krebsdiagnose erleichtern.

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Screenshot: IBM.com 

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Ein weiteres Highlight war eine künstliche Intelligenz namens Watson, die schon vor einiger Zeit ins Rampenlicht getreten war. Watson ist ein Computerprogramm, das mithilfe von Spracherkennung, schneller Musterabfrage und Wahrscheinlichkeitsrechnung bessere Antworten auf alle erdenklichen Fragen geben soll, eine Meta-Suchmaschine der nächsten Generation sozusagen. Das Programm unterhielt sich mit der Moderatorin und war zu keinem Zeitpunkt um eine Antwort verlegen. Das bewies Watson auch schon in der US-Quiz-Show Jeopardy, wo er seine menschlichen Kontrahenten ausstach.

 

Automobile Gegenwart und Zukunft

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Unter den Automobilherstellern war der Auftritt von VW wohl am stärksten, dicht gefolgt von Audi. Neben einigen äußerst sparsamen und dabei leistungsstarken Varianten der frisch entwickelten E-Fahrzeugserien stellte VW darüber hinaus sein neues Infotainmentsystem namens „Discover Pro“ vor, das eine höhere Performance bei der Routenberechnung verspricht, erweiterte Car-Net-Dienste enthält und die Möglichkeit bietet, zwei Telefone anzuschließen.

Gleichzeitig stellte der Wolfsburger Konzert sein neu entwickeltes Gestensteuerungssystem vor, das die Bedienung des Infotainmentsystems erleichtert und für weniger Ablenkung im Cockpit sorgt. Ebenfalls im Zuge der Ablenkungsminimierung zeigte VW die zweite Generation seines Modularen Infotainbaukastens, der es beispielsweise Polo-Kunden in Kürze erlauben wird, auf dem Smartphone angezeigte Inhalte auf das Display des Infotainmentsystems zu projizieren und das Smartphone per Touchscreen des Infotainmentsystems zu bedienen. Ebenfalls von VW gab es das Forschungsauto eT zu sehen, das sich teilweise fernsteuern lässt. 

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Audi zeigt mit dem Modell „James 2025“, wie das Fahren der Zukunft aussehen könnte und das hat mehr mit Zugfahrten als Freiheitsgefühlen zu tun. Ausgestellt war ein Simulationsmodell vom Fahrzeuginnenraum. Der Innenraum sieht auf den ersten Blick ein wenig futuristischer aus als bei einem gewöhnlichen Auto.

Ein Lenkrad ist immernoch vorhanden.  Ein elektrisch ausfahrbarer Monitor auf Augenhöhe des Fahrers liefert alle wichtigen Metainformationen zur Fahrt und ersetzt die analogen Messinstrumente. Mithilfe eines zweiten Monitors, der wie gewohnt in der Mitte sitzt, lässt sich das Infotainmentsystem bedienen. Sobald ein bestimmter Punkt erreicht ist, kann der Autopilot aktiviert werden. Das Lenkrad fährt nach vorne, der Innenraum vergrößert sich. Autopilot beutetet beim James 2025 völlig automatisches Fahren. Bevor das Zukunftsauto auf Autobahnen getestet werden kann, muss die GPS-Technologie weiter ausgefeilt werden. Außerdem besteht derzeit noch eine rechtliche Barriere, die ein vollständig automatisiertes Fahrerlebnis verhindert.

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Smart Homes 

Screenshot: intel.com

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Intel präsentierte mit der Puma 6 Plattform eine intelligente und effiziente Smart Home Lösung, die einen Router und Smart Meter vereint und Internet TV, Haussicherheit und Energiemanagement zusammenführt. Ebenfalls mit im System integriert sind zahlreiche Security Features, welche die multiplen Dienste absichern und vor Attacken von außen schützen sollen.

Dabei kann Intel ebenso auf seine McAfee-Dienste wie auch auf WindRivers Echtzeitbetriebssysteme zurückgreifen. Gerade im vernetzten Heim hat der Datenschutz einen besonderen Stellenwert. Intel präsentierte im Hinblick darauf auch seine Sicherheitsstrategie zum Schutz smarter Stromnetze. Derzeit testet die Mannheimer MVV Energie AG Puma 6 zum Einsatz für Endkunden, wie EMEA-Chef Christian Morales auf der CeBIT verlauten ließ.

 

3D-Druck, 3D-Druck, 3D-Druck

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Zahlreiche Firmen widmen ihren Messeaufenthalt neuesten 3D-Druck-Systemen. Darunter war unter anderem der Replicator-Nachfolger und eine Mini-Version davon von MakerBot zu sehen. Die Kunststoffdrucker der mittlerweile fünften Generation haben jetzt eine Webcam mit an Bord, die es erlaubt, den Druckvorgang vom PC aus zu beobachten. Außerdem lassen sich nun Druckaufträge direkt per WLAN tätigen. Der neue Replicator soll 3200 Euro kosten. Die Mini-Version gibt es bereits ab 1600 Euro. 

iGo3D stellte außerdem einen 3D-Drucker namens Big Builder vor, der sich vor allem für hohe Objekte eignet. Die verlängerte Version des Builders schafft Drucke im Format 220x210x665 Millimeter und wird rund 2500 Euro kosten.

 

Robotik 

Robotik ist ein hochspannendes Feld und deswegen auch lautstark auf der CeBIT vertreten. Roboter kommen als mechanische Assistenten des Menschen zum Einsatz – im Weltall, in den Ozeanen, im Krieg und bei Katastrophen. Jedoch können die intelligenten Blechkästen mittlerweile weit mehr als assistieren. 

Roboy

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Auf der CeBIT trieb sich der sympathische Roboter namens Roboy herum. Er ist ein Jahr alt, 35Kg schwer und 1,5 Meter groß. Er hat blaue Augen und ein aufgewecktes Wesen. Mit sanfter Stimme sprach er vorbeigehende Passanten an und gab sich locker und aufgeweckt. Die Bewegungen des «Menschenroboters» sollen denen des Menschen ähneln, und das möglichst exakt. Außerdem kann er fühlen und selbständig denken. So lassen ihn beispielsweise Komplimente erröten und die zig tausend Sensoren ermöglichen eine menschenähnliche Mimik und Gestik. Die Schweizer Entwickler entwickeln den Roboter als Open-Source-Projekt. Wer will, kann sich alle nötigen Dokumente schicken lassen und seinen eigenen Roboy bauen. Er könnte beispielsweise in der Pflege oder als Spielkamerad für Kinder zum Einsatz kommen. Achja, den Hut hatte Roboy auf, weil er im März seinen ersten Geburtstag feierte. Alles Gute!

Cocoro – Tauchende Roboterschwärme

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Studenten mehrerer europäischer Universitäten haben einen Schwarm faustgroßer Kugelroboter namens Cocoro entwickelt, die für den Unterwassereinsatz gedacht sind und die Verhaltensweisen von natürlichen Lebewesen imitieren. Sie kommunizieren miteinander, tauschen Informationen aus und erfüllen intelligent die Aufgabe, mit der sie beauftragt wurden.

Ähnlich wie Ameisen oder Fische, teilen sie die Aufgaben dabei intelligent auf und sprechen sich sozusagen ab. Wenn ein oder mehrere Tauchroboter ausfallen, ist der Rest des Schwarms noch intakt. Mithilfe verschiedener Algorithmen denken sich die Roboter selbstständig neue Arbeitstechniken und Lösungswege aus.

 

 

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