Autos werden zu rollenden Computern

Connected Cars – Bundesminister Heiko Maas bezieht Stellung
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Connected Cars: Am Safer Internet Day betonen Bundesverbraucher-schutzminister Heiko Maas und BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf die Bedeutung des Datenschutzes beim vernetzten Autofahren.

Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik in Kraftfahrzeugen schreitet fort. Live-Staumeldungen und alternative Routenvorschläge machen das Fahren komfortabler. Die modernen Technologien sollen auch mehr Sicherheit auf die Straße bringen:  Ab Herbst 2018 müssen Neufahrzeuge mit dem E-Call-Notrufsystem ausgestattet sein. Mit diesem Call wird bei einem Unfall europaweit automatisch die nächste Notrufzentrale benachrichtigt.

Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas zum Safer Internet Day:

Aus Autos werden rollende Computer, die untereinander und mit anderen Einrichtungen vernetzt sind und zum Teil in Echtzeit Daten übertragen. Das bietet viele Möglichkeiten. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen allerdings die Hoheit über die Sammlung, Weitergabe und Verwertung ihrer Daten behalten. Es darf keinen „gläsernen Autofahrer“ geben. Wir brauchen technische Neuerungen. Wir brauchen dabei aber ein Angebot mit hohen Datenschutz- und Datensicherheitsstandards. Datenschutz im Auto kann sogar ein Wettbewerbsvorteil sein.“

Damit legt Heiko Maas den Finger in die Wunde: das Thema Datenschutz ist vor allem hierzulande ein empfindliches. Gleichzeitig befindet sich der weltweite Automobilmarkt im Wandel. Die Vernetzung der Fahrzeuge und die damit einhergehende steigende Nachfrage der Kunden nach Connectivity-Angeboten steigt. Für 13% der Käufer kommt ein Neufahrzeug ohne Internetzugang nicht in Betracht.

Connected Cars Studie

Zu diesem Ergebnis kommt eine  Branchenstudie von McKinsey & Company mit dem Titel “Connected Cars”. Grundlage für diese Erhebung ist eine Umfrage unter 2.000 Autokäufern in Deutschland, den USA, Brasilien und China. Darüber hinaus wurden mehr als 30 Interviews mit Automobilherstellern, Zulieferern, Telekommunikations- und Halbleiterunternehmen durchgeführt.

Der weltweite Markt für Connectivity-Komponenten und -Dienste wird sich bis zum Jahr 2020 von heute 30 Mrd. Euro auf dann 170 Mrd. Euro mehr als verfünffachen. Dann wird Connectivity sechs Prozent der Ausgaben ausmachen.

Beim Autokauf würden Angebote wie Echtzeit-Wartungsinformationen, ortsbasierte Empfehlungen, dynamische Stauprognosen oder Musik-Streaming eine zunehmend wichtige Rolle spielen, so Detlev Mohr, Leiter der europäischen Automobilberatung von McKinsey. 20 Prozent der Kunden würden die Automarke wechseln, wenn sie dadurch an bessere Connectivity-Angebote gelangen. Unter den Vielfahrern, die mehr als 20 Stunden pro Woche im Auto verbringen, beträgt der Anteil der Wechselwilligen sogar 40 Prozent.

Unternehmen aus dem Software- oder Telekomsektor drängen in den Markt der Car Connectivity und bieten ihre Dienstleistungen (wie Navigations-Software) oft günstiger und zum Teil kostenlos an. Viele Kunden sind nicht bereit, für zusätzliche Services einen Aufpreis zu bezahlen: Nur 34 Prozent der Autokäufer geben an, für knapp 80 Euro eine standardisierte Smartphone-Schnittstelle für das Auto zu kaufen, nur 20 Prozent würden für abonnementbasierte Dienste zahlen. Hier müssen die Autohersteller aufpassen, dass sie die leitende Position im Bereich der Car Connectivity nicht für immer den Internetunternehmen abtreten.

Connected Car BMWScreenshot: http://www.bmw.de/de/topics/faszination-bmw/connecteddrive/ubersicht.html

35 % würden Fahrzeugdaten an Dritte übermitteln

Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands BITKOM können sich 35 Prozent der Autofahrer in Deutschland grundsätzlich vorstellen, Fahrzeugdaten an Dritte zu übermitteln. Bei den 14- bis 29-Jährigen ist es mit 54 Prozent sogar die Mehrheit. Voraussetzung ist für die meisten Befragten allerdings, dass sie dafür einen Gegenwert erhalten, zum Beispiel Rabatte bei ihrer Kfz-Versicherung (25 Prozent) oder in Form nützlicher Informationen wie Routenvorschläge oder Stauinfos (21 Prozent).

9 Prozent würden Daten auch ganz ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen. BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf: „Im Straßenverkehr geht es um Freude am Fahren, es geht aber angesichts Tausender Unfallopfer auch um sicheres Fahren. Neue Technologien können helfen, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, Unfälle zu vermeiden und Menschenleben zu retten. Hierzu müssen vielfältige Daten aus den Autos kommuniziert und ausgewertet werden. Mit dem Prinzip der Datensparsamkeit kommen wir hier nicht weiter. Stattdessen müssen wir Datenvielfalt mit einem Höchstmaß an Datenschutz und Datensicherheit verbinden.“

E-Call Notrufe – Datenautonomie?

Die Umfrage zeigt, dass die Bürger neuen Diensten wie dem E-Call-Notruf offen gegenüber stehen, aber die Folgen für ihre Privatsphäre im Blick haben. So halten zwar 39 Prozent der befragten Autofahrer das E-Call-System für uneingeschränkt sinnvoll. 48 Prozent befürworten das System dagegen nur unter der Voraussetzung, dass die Weitergabe von Daten genau geregelt ist. 12 Prozent sehen das Projekt grundsätzlich kritisch.

Zudem sind fast drei Viertel (74 Prozent) der Befragten der Ansicht, dass jeder Autofahrer selbst entscheiden sollte, ob das automatische Notrufsystem im Fahrzeug aktiviert wird. Kempf: „Die meisten Autofahrer wollen die Hoheit über ihre Fahrzeugdaten behalten. Hier muss der Gesetzgeber abwägen, welches Gut höher einzuordnen ist: Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer oder Datenautonomie für Autofahrer.“

Menschen gehen – Daten bleiben

Die meisten von uns leben parallel zur „analogen“ Welt auch ein digitales Leben. Es findet ein in laufender Informationsaustausch auf Social-Media-Plattformen oder Instant Messaging-Diensten statt. Das Internet der Dinge hält langsam Einzug in unseren Alltag. Gegenstände wie zum Beispiel Autos sind mit diversen anderen digitalen Kanälen verknüpft. Und wie sieht es da mit dem Datenschutz aus?

Datenschutz in IoT-Zeitalter

Bereits im vergangenem Jahr hat Hewlett-Packard einen Report veröffentlicht, in dem die Risiken von IoT aufgezeigt werden. Demnach haben 70 Prozent der bereits verfügbaren IoT-Gegenstände Sicherheitsschwachstellen. Das Problem beginnt bereits damit, dass es keine einheitliche, sichere Verschlüsselung der eigenen User-Daten gibt – auch hier sind die Hersteller gefragt, sich auf einen Übertragungsstandard festzulegen.

Fehlende Passwortsicherung, anfällige Webinterfaces und Software-Updates gehören ebenfalls zu den Schwachstellen. Im Detail konnte bei der HP-Untersuchung bei neun von zehn untersuchten Geräten mindestens eine Anwenderinformation abgefangen werden. Nutzernamen, E-Mail- und Postadressen, Kreditkartendaten können bei Missbrauch der Vernetzung durch Unbefugte abgefangen werden.

Wie können sich Internetnutzer gegen Rechts- und Datenmissbräuche in der digitalen Welt wehren? Während wir immer mehr persönliche Informationen über unser Leben und unsere Gewohnheiten im Netz veröffentlichen, herrscht in vielen Aspekten des digitalen Lebens rechtliche Unklarheit. Grauzonen und offene Fragen bezüglich des geistigen Eigentums im Netz, Identitätsdiebstahls oder Cyber-Mobbings, verunsichern User.

„Surfer haben Rechte“

Im Netz finden sich diverse Anlaufstellen für Ratsuchende User, die schlechte Erfahrungen mit Datenklau und ähnlichen Delikten im Internet gemacht haben. Eine davon ist die Gruppe „Surfer haben Rechte“, die Nutzer über Verbraucherrechte in der digitalen Welt aufklärt.
Das Projekt wird vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz finanziell gefördert.

Surfer haben Rechte

Surfer haben Rechte

Screenshot: http://www.surfer-haben-rechte.de/ueber-uns

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