Continuity – Apples neue Offenheit [WWDC14]
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Apples Entwicklerkonferenz WWDC14 ging dieses Jahr ohne bahnbrechende Hardware-Innovationen zu Ende. Die Quintessenz war die Zusammenführung von iOS 8 und OS X Yosemite, Stichwort Continuity.

Ein Tag nach der Keynote paraphrasieren zig Medien und Blogs die Apple-Homepage und sprechen von Continuity, als wäre es nichts Besonderes. Einige Autoren wirken dabei fast gelangweilt, weil es keine Neuerungen zum Anfassen gab, outen sich jedoch gleichzeitig als kurzsichtig.

Für diejenigen, die sich eindringlicher mit dem Apple-Ökosystem befassen, war die WWDC14 der Befreiungsschlag, den Apple brauchte, um endlich aus der Starre zu erwachen, die nach Jobs Tod eingetreten ist. Der Graben zwischen OS X und iOS wird endlich geschlossen; die Neuerungen reichen weiter, als auf den ersten Blick ersichtlich wird. Wer nämlich Continuity erwähnt, muss im gleichen Atemzug auch Handoff und Extensions sagen, und am besten noch auf die neue Programmiersprache Swift verweisen. Im Vorfeld der diesjährigen WWDC wurden mitunter absurde Gerüchte laut, nebensächliche Features sind geleakt und wir sind heilfroh und positiv überrascht, dass Tim Cook und Craig Fiderighi sie in erstaunlich lockerer Manier zunichte gemacht haben.

Handoff

Man könnte sagen, Apple ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Anno dazumal war es nämlich möglich, mit dem Mac SMS zu verschicken und man konnte Anrufe vom Mac aus zumindest annehmen. Damals gab es noch kein iPhone – eine Innovation, die, wenn man es recht bedenkt, Apple durchaus in eine Art Bringschuld (in Form von Hardware und Innovation) vor dem Konsumenten drängte. Diesen Druck konnte Apple mit der diesjährigen Keynote abschütteln.

Mit Yosemite und iOS 8 ist es nun möglich, eingehende Anrufe auf dem Mac oder dem iPad entgegen zu nehmen und zu tätigen, SMS zu schreiben und zu empfangen, und auch ansonsten nahtlos von einem auf das andere Betriebssystem zu wechseln. Hier heißt das Zauberwort Handoff: Emails, Spreadsheets, Texte und alle anderen Programme und Aktionen, die man auf dem iPhone anfängt und ausführt, können nahtlos auf dem Mac oder dem iPad und umgekehrt weitergeführt werden, sofern die Devices über ein iCloud-Account miteinander verbunden sind.

Darüber hinaus erlaubt Continuity, das iPhone über die Wlan-Verbindung als Hotspot zu verwenden und das Wifi so zu erweitern. Dass AirDrop jetzt auch device-übergreifend genutzt werden kann, scheint dabei fast nebensächlich. Apple beschränkt Handoff aber nicht nur auf seine nativen Apps. Auch Drittanbieter dürfen das Feature in ihren Apps verbauen.

API-Extensions

Die neue Offenheit überträgt sich dank API Extensions auch auf iOS 8, und zwar bis in die grundlegende Architektur des Systems. Vorher war eine App eine App und eine andere App eben eine andere App. Eine Kommunikation zwischen den Apps war nur möglich, wenn Apple dies beabsichtigt hatte. Lediglich einige Audio-Apps nutzten ihre Schnittstellen, um mit Hardware oder anderen Apps zu kommunizieren und konnten stellenweise auch Funktionen übertragen. Jetzt kann jede beliebige App dank geöffneten APIs Daten mit einer anderen austauschen und ihre Funktionen zur Verfügung stellen. So ergeben sich tausende und abertausende Konfigurations- und eine Fülle an Einsatzmöglichkeiten, die vorher undenkbar gewesen wären.

Apple demonstrierte dies eindrucksvoll mithilfe des Bing-Übersetzungsprogramms, das in Safari integriert wurde und integriert in Apples Browser seine Funktion erfüllte. Die Extension-APIs sind ebenfalls nicht nur auf Apple-Produkte beschränkt. Auch Drittanbieter können die Schnittstellen nun nutzen. So könnten in Zukunft zum Beispiel auch fremde Tastaturen Einzug in iOS erhalten – Android lässt grüßen. 

HealthKit und HomeKit-Funktionen sind Sprösslinge der Extension-APIs und geben einen guten Vorgeschmack darauf, was man mit dieser neuen Offenheit des Apfel-Ökosystems anfangen kann. Bleibt zu hoffen, dass sich die neuen Möglichkeiten nicht ausschließlich an Handoffs erschöpfen, sondern dank Extension-APIs tiefer in die Verzweigungen und Funktionen von OS X, iOS und dazwischen eingedrungen werden kann. Angesichts der neuen Programmiersprache Swift, die sehr anschmiegsam und modern daherkommt und alle möglichen Devices anspricht, sind wir guter Dinge.

 

 

 

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