Crowdsourced Design Plattformen – effektive Jobbörse für Designer?
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Nicht erst seit 2008 wird die Kreativität der Crowd bei Wettbewerben genutzt. Die öffentliche Ausschreibung von (kreativen )Dienstleistungen hat eine lange Tradition.

CrowdSpring.com war im Mai 2008 eine der ersten digitalen Plattformen, die Design Contests für Firmenlogos, Website-Design oder beispielsweise T-Shirts im Internet ausgeschrieben haben. Für die Kunden auf der einen Seite war das revolutionär, bedeutet es den Zugang zu einer größeren Auswahl kreativer Ideen und das mit einem relativ geringen Kosteneinsatz. Auf der anderen Seite können aufstrebende Talente am Design-Himmel so ihr Können gegenüber etablierten Kreativ-Agenturen unter Beweis stellen.

Das Kreativ-Gewerbe ist ein hart umkämpftes Pflaster. Christopher Steiner vom Forbes Magazin lobte Anfang 2009 das CrowdSpring-Konzept „es solle zur Demokratisierung eines hochnäsigen Geschäftes führen“.  Über ein Jahr später, nachdem 99designs.com als weiterer Grafik-Design-Pool an den Start ging, schlug die Stimmung innerhalb der Branche um. „Warum Designer Crowdsourcing hassen“ titelte Forbes. 

Crowd Design Entwicklung

Unternehmen wie CrowdSpring oder 99designs rühmten sich als Mittelsmann und effizientes Business-to-Business-Konzept. Zum einen werde den Kunden erlaubt, ihre eigenen Spezifikationen direkt per Gebotsabgabe an eine Masse von Designern zu übermitteln und direktes Feedback in Form kreativen Outputs zu erhalten. Zum anderen sollten selbstverständlich die Gestalter und Designer als solches mehr Chancen auf große Aufträge zuteil werden, wenn sie mit anderen um eine Auftragsarbeit in Konkurrenz treten. Von einem Auftragsvolumen von über 600.000 US-Dollar monatlich war die Rede, bei 99designs.

Gegenüber Forbes sagte damals Dan Ibarra, Mitgründer von Aesthetic Apparatus „99designs ist so etwas wie ein Walmart. Es ist nicht unbedingt dafür da um gute Aufträge zu generieren, sondern bringt eher eine Menge Arbeit. Das ist nicht unbedingt besser.“ No-spec.com wurde gelaunched, eine Kampagne, die die Problematik der Crowd-Design-Plattformen thematisiert. Denn Zeit und Ressourcen zu investieren, um gegenüber Tausenden Designern zu konkurrieren und das ganz ohne Zahlungsgarantie, ist in einem umhin schwer umkämpften Markt pures Glückspiel.

Das Problem ist nicht neu. Als Selbstständiger oder KMU mit etablierten, großen Firmen um Aufträge in Wettstreit zu treten, ist mit einem Kampf David gegen Goliath zu vergleichen. Rein Ressourcen-technisch hat der größere doch meist den längeren Atem.

Crowdsourced Design ist heute, gute vier Jahre später aus dem Kreativ-Gewerbe kaum noch wegzudenken. Allerdings sind die Meinungen nach wie vor gespalten. Ein relativ aktueller Artikel auf Spyrestudios von Anfang 2012 zeigt auch in den Kommentaren die geteilten Ansichten auf die Thematik auf.

Crowdsourced Design: Pro und Contra

Als mögliche Negativ-Aspekte für Crowdsourcing-Kunden werden besonders der zeitliche Ressourcenaufwand für die Kommunikation mit den Designern, das kurzfristige Potential der gelieferten Design-Arbeit und die damit einhergehenden wenigen Revisionen bei Anfragen zur Design-Veränderung genannt. Aus Designer-Perspektive werden der Verlust von Kreativität und die Gefahr einer Reputationsschädigung sowie die bereits erwähnte Abnahme der Design-Qualität als Regelfall angesehen.

Allerdings existieren ebenfalls genug kreative Stimmen, die Crowdsourced Design befürworten. Die Vielfalt an Möglichkeiten, die Flexibilität einen Job zu machen, wann man möchte sowie die Aufhebung von lokalen Marktbarrieren, durch die Internationalisierung der Angebote, wird auf der anderen Seite als überaus positiv empfunden. Rob Stokes von Quirk führt ebenfalls detailliert Vor- und Nachteile des Crowdsourcing-Konzeptes auf. 

Der Markt wird es niemals jedem Recht machen. Und wer als Designer bereits gute Erfahrungen auf einer Crowd-Design-Plattform gesammelt hat, wird wohl nicht mit einer schlechten Meinung über solche Services hausieren gehen. Die No!Spec-Initiative kämpft weiter für die Thematisierung der Missstände und fordert die amerikanische Regierung dazu auf, keine Aufträge auf Crowd-Design-Plattformen einzustellen. Die Plattform SPECWATCH zeigt Fälle auf, bei denen Crowdsourcing zu einer rein spekulativen Arbeit geführt hat.  

Auch Wired UK greift die Risiken des Crowd-Design-Businesses auf und definiert es als „Risikobehaftet für die Kunden“. Nach AIGAs Auffassung, die größte amerikanische Organisation für Grafik Designer, (ein Acronym für „American Institute of Graphic Arts“), bestehen für beide Seiten, Auftraggeber und Designer, sowohl potentielle Risiken als auch Chancen: 

Aus Kundensicht muss aufgrund der geringen Zeit auch mit einer Beeinträchtigung der Design-Qualität gerechnet werden. Gerade das Erörtern von Alternativen und die Erstellung und Weiterentwicklung von Prototypen, gilt als wichtigstes Instrument im Design-Prozess.

Für Designer stellen die Plattformen zwar einen Weg dar, um an Aufträge zu kommen, allerdings verringert sich der wirtschaftliche Wert des Design-Beitrags für den Kunden, durch den geringeren Bezug zu den langfristigen Kunden-Zielen, was auch idsgn.org thematisiert. Außerdem bestehen sowohl für Kunden als auch für die Designer rechtliche Risiken in Bezug auf Verstöße bei geistigen Eigentum, Warenzeichen und Markenschutz.

Crowdsourcing oder Crowdstorming

Heute wird nicht mehr nur vom Crowdsourcing sondern vom Crowdstorming gesprochen. Unter anderem prägte Shaun Abrahamson den Begriff für die Weiterentwicklung des Konzeptes weg vom gängigen Contest-Modell hin zum kollektiven Filtersystem, bei denen Personen oder ganze Teams Ideen pitchen. Sozusagen ein kollektives Brainstorming, bei denen die Community für innovative Ideen zur Problemlösung zum Teil auch komplexer Fragestellungen hinzugezogen wird.

Glaubt man den aktuellen Zahlen von Crowdsourced-Design-Plattformen wie beispielsweise DesignCrowd, haben sich die Nutzerzahlen letztes Jahr auf über 100.000 Designer verdoppelt. Clint Boulton vom Wall Street Journal titelte kürzlich „Crowdsourcing steht im Mittelpunkt von Unternehmen“ und wird immer beliebter, da aus Unternehmensperspektive der breit angelegte Input stets zu besseren Ergebnissen führt. Gartner Analyst Carol Rozwell betont gegenüber dem Wall Street Journal, dass „die Praxis die letzten Jahre immer mehr zum Mainstream geworden ist“.

Selbst im Rahmen der New Yorker Fashion Week, kam kürzlich Crowdsourced Design zum Einsatz. Wie Mashable berichtete, lud Designer Alexander Wang, der für Samsung eine limitierte Auflage des Galaxy Note II entwickelt, seine Freunde, Familie und Bekannten ein, eigene digitale Druckentwürfe über Doodle vorzuschlagen, aus denen Wang entsprechende limitierte Designs generierte.

Die Branche ist sich einig: Erfolgreiches Crowdsourcing ist wesentlich abhängig von der Verfügbarkeit, der Akzeptanz durch die Community sowie der Nutzung von Crowdsourcing-Technologien. Wie The Guardian berichtet, analysiert ein aktuelles Forschungspapier von Maja Bott und Gregor Young die Rolle des Crowdsourcing für bessere Governance im International Development. Auch hier gilt die Crowd als wichtiger Ideengeber und Katalysator. 

In der Grafiker-Szene ist man nach wie vor skeptisch. Trotz allem möchten wir Euch eine Reihe von Plattformen vorstellen, die Ihr möglicherweise für die Auftragsgenerierung und das Networking nutzen könnt.

Top 5 Crowd-Design-Plattformen

Die amerikanische Plattform Kickstarter ist aktuell besonders in der Gaming-Industrie beliebt. Zwar handelt es sich bei Kickstarter um eine Crowdfunding-Plattform für kreative Projekte im Allgemeinen, allerdings eignet sie sich ebenfalls für das Networking und somit auch für die Auftragsgenerierung. Zumindest muss Kickstarter hier der Vollständigkeit halber genannt werden, da es mit über 27.000 erfolgreich realisierten Projekten eine etablierte Größe im Bereich des Crowdsourcing darstellt.

CrowdSpring wurde 2007 gegründet und ist eine der größten amerikanischen Marktplätze für kreative Services. Neben der Möglichkeit grafische Aufträge out zu sourcen, werden auch Industrie-Design-Projekte sowie beispielsweise Namensfindungen als Aufträge angeboten. 

99designs wurde 2008 in Australien gegründet. Mittlerweile existieren Büros in USA und Deutschland sowie eine eigene Marktplatz-Plattform für den deutschen Markt. Der SitePoint-Ableger hat sich zu einer der größten Design-Marktplätze international entwickelt.

DesignCrowd ist ebenfalls ein australisches Unternehmen und ist zeitgleich mit 99designs entstanden. Die Plattform ist als typischer Marktplatz für Custom Design konzipiert. Ursprünglich unter DesignBay.com erreichbar, bietet DesignCrowd mittlerweile über 40 verschiedene Design-Kategorien an und hat 2011 zusätzlich BrandCrowd.com für Premium-Logos gelaunched. Es wird nach wie vor darüber diskutiert, welche der beiden australischen Unternehmen besser den Bedürfnissen der Community entsprechen. Nach ZDNets Perspektive stehen beide ungefähr gleich auf. 

Mobile Works ist eine junge Crowdsourcing-Plattform, die nicht das ursprünglich typische Marktplatz-Modell anbietet. Gegründet Mitte 2011 richtet sich die Plattform sowohl an Designer, als auch an Developer und Business Manager. Mittels Implementierung von Workflows zur Qualitätssicherung und einer optimierten Steuerung von Kommunikationsprozessen, werden Redundanzen und der Aufwand für die Überprüfung von Revisionen wesentlich verringert. Zudem werden nicht nur Design-Projekte sondern sämtliche Services aus dem Bereich Crowdsourcing und dem Open-Innovation-Konzept angeboten (Crowdfunding ausgenommen). 

Ein Fazit

Spec-Work ist zwar nichts, mit dem man tatsächlich Geld verdienen kann, lernen tut man dadurch aber eine Menge. Und ganz nebenbei eignen sich solche Plattformen sehr gut für das Networking. Eine totale Verteufelung ist zumindest aus meiner Sicht unangebracht. Besonders da durch die identifizierten Problematiken neue Prozesse und Methoden integriert werden, und der Trend somit deutlich vom puren Marktplatz-Modell weg, hin in Richtung effizientes Kollaborationstool für Designer geht.

Welche Anbieter sind Eurer Meinung nach für die Auftragsgenerierung geeignet. Und teilt Ihr die ablehnende Haltung gegenüber den puren Marktplatz-basierten Crowd-Design-Plattformen oder habt Ihr gute Erfahrungen gemacht. Über Kommentare würden wir uns freuen.

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