Crowdsourced Testing oder: Die Community wird’s schon richten
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Im Zeitalter der Social Media wurde in der IT-Branche Crowdsourced Testing als Trend geboren. Gerade wenn es sich um nutzer-orientierte Produkte handelt, gilt das Verfahren als kostengünstig.

Wer oder was ist die Crowd?

Im Rahmen der Entwicklung des Cloud Computings und den damit bekannten Buzzwords Cloud, SaaS (Software as a Service) oder PaaS (Products as a Service) sind in den vergangen Jahren immer mehr Dienstleister entstanden, die die Bereitstellung und Betreuung komplexer Infrastrukturen anbieten. Je nach Komplexität und Anforderungen existieren mittlerweile die unterschiedlichsten Angebote zur Auslagerung von bestimmten IT-Services aber auch für das Outsourcing von Anwendungen sowie von Speicher- und Rechenkapazitäten.

Entstehung von Crowdsourcing 

Crowdsourcing ist vom Begriff Outsourcing abgeleitet und bezeichnet das Auslagern von Arbeitskraft in der IT in eine Online-Community – die Crowd eben. Diese Idee beziehungsweise der Begriff wurde laut Wikipedia von Wired Journalist Jeff Howe geprägt, der 2006 eine Artikelreihe „The Rise of Crowdsourcing“ publizierte. Eine aktuelle Definition von Martin, Lessmann und Voß von der Universität Hamburg aus dem Jahr 2008 bezeichnet Crowdsourcing als „[…] eine interaktive Form der Leistungserbringung, die kollaborativ oder wettbewerbsorientiert organisiert ist und eine große Anzahl extrinsisch oder intrinsisch motivierter Akteure unterschiedlichen Wissensstands unter Verwendung moderner IuK-Systeme auf Basis des Web 2.0 einbezieht. Leistungsobjekt sind Produkte oder Dienstleistungen unterschiedlichen Innovationsgrades, welche durch das Netzwerk der Partizipierenden reaktiv aufgrund externer Anstöße oder proaktiv durch selbsttätiges Identifizieren von Bedarfslücken bzw. Opportunitäten entwickelt werden“. 

Welche Vorteile bietet das Outsourcing in die Crowd?

Gerade bei IT-Produkten haben Unternehmen oft mit hohen Kosten für das Testen und die Qualitätssicherung zu rechnen. Da bei Software-Anwendungen häufig vielfältige Abhängigkeiten zu technischen Rahmenbedingungen bestehen (z.B. Hardware, Betriebssysteme, Bildschirmauflösungen, Usability oder ähnliches), würde der Aufbau eines Testlabors, das sämtliche Kombinationsmöglichkeiten abfängt, eine immense Investition darstellen. Zudem wäre die Vielfalt an Konfigurationen, Kombinationsmöglichkeiten oder Ausstattungen extrem schwer zu handhaben.

Die Idee des Crowdsourcings nutzt somit die Schwarmintelligenz oder auch das Wissen einer großen Anzahl von Menschen für die Optimierung eines Produktes. Meinungen der Crowd spiegeln Wünsche und Bedürfnisse von Kunden wider und stehen damit in einem direkten dialektischen Verhältnis zu den Anforderungen der (potenziellen) Kunden. Mit Hilfe der Integration von Kundenbedürfnissen in unternehmerische Entscheidungen und operative Maßnahmen wird ein Pool von Lösungsvorschlägen generiert, der dem Unternehmen in Form von neuem Wissen zu Gute kommt.

Crowdsourcing stellt dadurch eine relativ kostengünstige Alternative dar, um Innovationsentwicklung und Wissensbeschaffung innerhalb einer Unternehmung effektiv voranzutreiben. Außerdem stärkt das Outsourcing in die Crowd das Vertrauen der Nutzer und somit die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden. Eigene Mitarbeiter werden entlastet, was die Gesamt-Produktivität steigert. Zwar wird häufig das Vorstellen eines unfertigen Produktes als Nachteil gegenüber den Kunden empfunden, allerdings legitimieren sich die Produktmerkmale bereits vor Finalisierung durch das Feedback der Community.

Wann ist Crowdsourcing die richtige Lösung?

Crowdsourcing ist das Konzept der Zukunft. Allerdings kann nicht jedes Produkt mit Hilfe der Schwarmintelligenz (weiter)entwickelt werden. Der Einsatz von Crowdsourcing ist somit wesentlich von der Komplexität des Produktes oder der Fragestellung abhängig. Denn ist das Ziel unklar, kann auch die Community nicht helfen. Allerdings existieren bestimmte Einsatzgebiete für das sich Crowdsourcing besonders eignet. Nachfolgend einige Beispiele:

Wissensgenerierung & Ideensammlung im Allgemeinen: Der Kunde weiß am besten, was er braucht und Crowdsourcing hilft dabei, die Wünsche und Anforderungen zu sammeln und so neue Konzept-/Produktideen zu generieren.

Werbematerialien: Egal ob für Büro- oder Marketingmaterialien – die Community kann der richtige Anlaufpunkt für die Sammlung kreativer Ideen und die Umsetzung innovativer Grafik- und Printprodukte sein.

Produktentwicklung: Will man den Kunden zufrieden stellen und kundennahe Produkte entwickeln, ist die Schwarmintelligenz ein effizienter Weg mehr über Bedürfnisse herauszufinden, um so ein Produkt auf den Markt zu bringen, das besser die Nachfrage der Kunden bedient.

Produktdesign: Auch hier gilt es, den Kunden vor der eigentlichen Produktion nach gewünschten Stilrichtungen und Geschmack zu fragen. Somit wird sichergestellt, dass das Produkt genau so ist, wie der Kunde es haben will.

Verpackungsdesign: Fällt zum Teil auch unter den Bereich der Werbematerialien, kann allerdings wie beispielsweise bei Apple als USP (Unique Selling Proposition) definiert sein und damit wesentlich zum Erfolg der Vermarktungsstrategie beitragen.

Welche CrowdSourcing Services gibt es?

Selbstverständlich sind uns die Amerikaner wie so häufig in der IT ein gutes Stück voraus. In den USA diskutiert man nämlich nicht mehr die Pros oder Contras, sondern man nutzt einen der vielen Crowd Testing Services und damit das Wissen der Community bei einer Vielzahl von Produktentwicklungen. Auch Crowd Funding ist eine daraus entstandene – nennen wir es mal – Management-Philosophie, die auch hier einen immer größeren Anklang findet. In Deutschland braucht man ja stets ein wenig länger, allerdings haben sich auch hier zu Lande wenigstens schon eine Handvoll Anbieter teilweise etabliert.

testhub.com – bis vor kurzem hieß das Berliner Unternehmen noch UI-Check, seit dem 4. März firmiert es unter dem Namen TestHub. Die Firma hat sich auf das Usability-Testing von Webprodukten spezialisiert. Nach der Gründung 2011 wurden Schwerpunkte besonders auf das Testen von Websites, Shops und Browser Games gelegt. Seit Anfang 2012 wurde das Angebot außerdem um das Testing von mobile Apps erweitert, um Kunden einen flexiblen und umfassenden Testing-Service aus einer Hand zu bieten. 

Testcloud.de – das Crowd-Testing-Startup, ebenfalls in Berlin ansässig, bietet Unternehmen Software-Testing als Service an. Nach der Gründung 2011 wurden unter anderem die Usability von Shopsystemen und Web-Applikationen als Schwerpunkte definiert. Getestet wird unter den Betriebssystemen Windows, Mac und Chrome. Das junge Team konnte außerdem 2012 den Detecon ICT Award, von Detecon International in Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, in der Kategorie Innovation absahnen. 

Testbirds.de ist ein Crowd-Testing Anbieter aus München, der seit Dezember 2011 mobile Apps und Webanwendung für seine Kunden testet. Schwerpunkte des Testings sind User Experience und Usability sowie die Qualitätssicherung im Sinne des Bug Findings. Die Erfolgsstory des Münchner Start-ups kann unter idee.vc nachgelesen werden. 

Passbrains.com ist ein Testing-Dienstleister der Schweizer PASS Group. Der IT-Spezialist aus Zürich bietet seit Ende 2011 auch eine Crowdsourcing-Plattform und damit einen Software-Testing-on-Demand-Service an. Die Tester kommen vornehmlich aus Asien, Indien, Lateinamerika und Neuseeland, allerdings auch aus Europa und der Schweiz. PASS hat sich ebenfalls auf das Testen von Web-Shops und mobilen Anwendungen spezialisiert, testet und entwickelt allerdings auch Software für den Einsatz in Unternehmen, wie Computerworld.ch berichtete.  

utest.com – ein etablierter Anbieter aus den USA, bietet die gesamte Palette an Test-Typen an: Functional Testing, Security Testing, Load Testing, Localization Testing und Usability Testing. Das Unternehmen offeriert zudem spezielle Beratung für bestimmte Branchen und testet sowohl Mobile Apps, Web Apps und Desktop Anwendungen. Die utest-Community zählt mittlerweile über 70.000 Tester weltweit. Trotz Professionalität und Größe der utest-Community kann durch die umfassende Beratung eine Skalierung des Testings auch für KMU kostengünstig sein.

Bugpub.com bietet seit Juni 2011 Crowd- und Beta-Testing für Mobile- und Web-Apps zu relativ erschwinglichen Preisen an. Je nach Komplexität des Projektes und Preismodell werden neben Bugs auch Testfälle erstellt. Es werden sämtliche Testtypen abgedeckt: Functional, Security & Privacy, Localization, Reliability, Usability, Kompatibilität sowie 24/7 Tests vollzogen. Laut CrunchBase ist mit durchschnittlich 15 Dollar pro Bug zu rechnen, außerdem erhält man viele Automation Tools an die Hand. Für kleinere Unternehmen und überschaubare Projekte sollte möglicherweise ein besser skalierbarer Testpartner evaluiert werden. 

Feedbackarmy.com hat sich auf das Usability-Testing von Websites spezialisiert. Die Tester kommen zu 70 Prozent aus den USA mit einem Frauenanteil von über 50 Prozent. Schon mit einem relativ geringen Kosteneinsatz erhält man Feedback von unterschiedlichen Testern. Direkt nach der Zahlung des Request-Betrags erhält man die Ergebnisse. Eine recht kostengünstige Methode die Usability der eigenen Website zu überprüfen. 

Quelle Aufmacherbild: CC-BY-2.0 TANAKA Juuyoh

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