Die Schwarmintelligenz des Internets nutzen

Crowdtesting: Apps auf Usability prüfen
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Wird meine App ein Erfolg? Einfach mal die Crowd fragen! Mit Hilfe von Crowdtesting können Developer herausfinden, wie es um die Usability ihrer Anwendungen steht und wo noch Optimierungsbedarf ist.

Usability – sich gegen die Konkurrenz durchsetzen

Wie wird das Wetter am Wochenende? Wann fährt die nächste U-Bahn? Welcher Film kommt heute Abend im Fernsehen? Egal ob Service- oder Nachrichten-App, Messenger oder Online-Shop – mobile Anwendungen sind aus unserem Alltag längst nicht mehr wegzudenken und es gibt kaum einen Lebensbereich, in dem die digitalen Helfer noch nicht Einzug gehalten haben. Das Angebot an mobilen Anwendungen ist kaum noch zu überblicken und so buhlen alleine in den Stores von Google und Apple jeweils über eine Million Apps um die Gunst der Nutzer.

Aber selbst wenn ein Unternehmen es erst einmal geschafft hat, sich mit seiner App gegen die Konkurrenz zu behaupten, so ist dies doch nur die halbe Miete. Enttäuscht die mobile Anwendung den Nutzer jedoch hinsichtlich Funktionalität oder Bedienbarkeit, dann wird sie im Zweifelsfall entweder direkt gelöscht oder nie wieder geöffnet. Ein Schicksal, das statistisch gesehen knapp jede vierte App ereilt. [1]

Wer ist die Zielgruppe?

Damit eine App von den Usern gerne und auch häufig genutzt wird, ist es entscheidend, dass sie sehr genau auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten ist und in puncto Usability bzw. intuitiver Nutzbarkeit sowie Funktionalität zu überzeugen weiß. Dem hierfür notwendigen Testing wird allerdings häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt – sei es nun aufgrund von Ressourcenknappheit oder Zeitdruck. Auch der Zugang zur eigenen Zielgruppe stellt oftmals ein Problem dar und ist zumeist mit hohen Kosten und Aufwand verbunden.

Mit Crowdtesting die Usability prüfen

Eine noch recht junge, aber in der Software-Entwicklung bereits etablierte Methode, kann hier Hilfestellung leisten: das sogenannte Crowdtesting. Dabei wird die Schwarmintelligenz der weltweiten Internetgemeinde genutzt, um Apps, Webseiten und sonstige Software hinsichtlich ihrer Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität zu optimieren. Hierfür können aus einem riesigen Pool an Testern exakt die Personen ausgewählt werden, die den Merkmalen der eigenen Zielgruppe entsprechen. Denn wer könnte beispielsweise die Benutzerfreundlichkeit einer Nachrichten-App besser beurteilen als potentielle Leser? Oder wer die Usability eines Online-Shops für Sportartikel als aktive Läufer, Fahrradfahrer oder Schwimmer?

Mit Crowdtesting erhalten Unternehmen die Möglichkeit, noch vor Release herauszufinden, was ihre Zielgruppe über die digitalen Angebote denkt und an welchen Stellen noch Handlungsbedarf besteht. Die Tester prüfen die Software dabei auf eigenen Geräten, unter realen Bedingungen und somit ohne den Einfluss einer künstlichen Laborsituation. Über das Internet ist die Crowd jederzeit einsatzbereit, sodass selbst kurzfristige personelle Engpässe innerhalb der unternehmenseigenen Testabteilung ausgeglichen werden können.

Usability Testing mit der Crowd

Mithilfe der Crowd der weltweiten Internetgemeinde lassen sich im Bereich des Usability-Testings verschiedene Prüfszenarien durchführen – von Konkurrenzanalysen über Prototypenevaluierung hin zu Beta-Test-Studien. Ziel ist es auf diesem Wege herauszufinden, wie es um die Gebrauchstauglichkeit der Software bestellt ist.

Insbesondere bei Smartphone und Tablets sind dabei einige Besonderheiten zu beachten. So sind etwa die Bildschirme deutlich kleiner und die Auflösung fällt niedriger aus, als es bei normalen Monitoren der Fall ist. Inhalte und Funktionen müssen somit auf deutlich weniger Fläche platziert werden und die Schrift ausreichend groß und leserlich sein, um ständiges Hinein- und Herauszoomen zu vermeiden. Hinzu kommt noch die Bedienung mittels Touchscreen. Hier ist mit einer geringeren „Treffsicherheit“ zu rechnen als beim Mausklick. Außerdem sind die Nutzer an Besonderheiten wie z.B. das „Swipen“ gewöhnt – dem horizontalen Wischen zum schnellen Wechseln zwischen Elementen.

Crowdtesting mit verschiedenen Szenarien

Um die Gebrauchstauglichkeit einer Webseite oder App zu prüfen, durchforsten die Probanden die Software mithilfe verschiedener Anwendungsfälle bzw. anhand typischer Szenarien. Beim Testen eines Online-Shops würden sie beispielsweise nach bestimmten Produkten suchen und diese in den Warenkorb legen, in verschiedenen Kategorien stöbern, Bilder vergrößern oder Filter setzen. Dabei geben die Tester sowohl Feedback zu Design, Aufbau und Navigation als auch zur generellen Performance der Software oder hilfreichen Features. Die einzelnen Schritte werden dann mittels Screenshot oder Screencast dokumentiert. Anschließend werden die Ergebnisse von einem unabhängigen Projektmanager ausgewertet und konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Crowdtesting: Ergänzung zur internen QA – nicht Ersatz

Auch wenn Crowdtesting durch den Einsatz von externen Testern, die nicht an der Entwicklung der Software beteiligt waren, Betriebsblindheit vorbeugt und gleichzeitig die unternehmenseigenen Ressourcen schont, so ist die Methode jedoch keine Alternative zu automatisierten Tests oder der internen Qualitätssicherung. Vielmehr ist Crowdtesting als eine Ergänzung traditioneller Softwaretestingmethoden anzusehen, welche die Sichtweise der Nutzer nochmals stärker in den Fokus rückt.

 

[1] Quelle: Localytics, zuletzt aufgerufen am 28.11.2014, http://info.localytics.com/blog/localytics-app-user-retention-data

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