Cyberbunker vs Spamhaus – die „größte DDoS Attacke“ aller Zeiten
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Mit 300 Gigabit Traffic pro Sekunde beschoss der umstrittene Webhoster „Cyberbunker“ am 19. März das ganze Internet, weil zuvor der Online-Interessenverband „Spamhaus“ Cyberbunker auf die schwarze Liste gesetzt hatte. Da Cyberbunker jedem anonym einen Webserver vermietet, der keine Kinderpornos verbreiten oder Terror-Akte durchplanen will, ist der Hoster für Online-Betrüger sehr attraktiv.

Und da die Konfliktparteien offenbar nicht friedlich zu einer Einigung kamen, eskalierte die Situation zum Leidwesen des gesamten Internets, wie die Beteiligten jetzt in der New York Times bekanntgaben. Um sich an Spamhaus zu rächen, wurde eine Distributed Denial of Service (DDoS)-Attacke auf das Domain Name System gestartet. Cyberbunker sendete Daten im Namen von Spamhaus an Millionen von DNS-Server, die auf die Server der Organisation zurückverwiesen wurden.

Auf diese Art wurde allerdings mehr als nur Spamhaus Opfer der Attacke. Da das Netz aus DNS-Servern ein integraler Bestandteil des WWW ist, führt eine Überlastung desselben unweigerlich zu Verzögerungen im gesamten System. In DNS-Servern wird abgespeichert, welche Domain zu welcher IP-Adresse gehört, weshalb sie de facto nicht (alle gleichzeitig) abgeschaltet werden dürfen. Eine unmittelbare Konsequenz lässt sich also nicht aus dem Rachefeldzug ziehen. Allerdings ist es schmerzhaft zu beobachten, wie die immer komplexere und leistungsfähigere Infrastruktur des Internets mehr und mehr auch zur größten Gefahr für das Netz selbst wird.

Inwieweit Cyberbunker mit der Aktion das Vertrauen künftiger Kunden für sich gewinnen will, steht auf einem anderen Blatt. Unternehmenschef Sven Olaf Kamphuis bezeichnete die Attacke gegenüber der New York Times als einen der größten DDoS-Angriffe, der der Welt öffentlich bekanntgemacht wurde. Zusätzlich ist er überzeugt, dass Spamhaus seine Autorität nur ausnutze:

“Nobody ever deputized Spamhaus to determine what goes and does not go on the Internet,” Mr. Kamphuis said. “They worked themselves into that position by pretending to fight spam.” Sven Olaf Kamphuis, NYT

Auf der exzellenten Cyberbunker-Homepage behauptet man indes, dass aktuell alle Hosting-Angebote ausverkauft sind.

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