„Das neue Spiel“ – Buchprojekt über Kontrollverlust im Internet
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Facebook, Google, Twitter und Co. bestimmen das tägliche Leben in einer noch vor einem Jahrzehnt nicht vorstellbaren Weise. Mit dem Gefühl der Freiheit, das die neuen Medien bieten, verbindet sich allzu oft aber auch die Befürchtung, dass man der ungebremsten Datenflut nicht mehr Herr wird. Stichwort Kontrollverlust. Wer gibt mir die Sicherheit, dass skrupellose Individuen oder Organisationen ihre Macht nicht ausnutzen und mit den Datenfragmenten, die jeder von uns im Internet hinterlässt, nach Belieben verfahren?

Genau diese Frage nimmt der Blogger und Kulturwissenschaftler Michael Seemann zum Ausgangspunkt für sein neues Buchprojekt „Das Neue Spiel“, das derzeit auf der Crowdfunding-Plattform www.startnext.de nach Unterstützern sucht. 8.000 Euro wurden für Konzeption, Design, Druck und Werbung veranschlagt, das Projekt ist inzwischen (Stand 17. 12.) aber bereits finanziert.

Worum geht es in dem Buch genau? Der Untertitel „Nach dem Kontrollverlust“ deutet es schon an: um ein Spiel, in dem es nur wenig Gewinner gibt. Für Seemann ist die Lage, in der man sich heutzutage als Internetbenutzer befindet, klar: eine Kontrolle des stetig anwachsenden Datenstroms gibt es schon längst nicht mehr. „Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren und sagen Dinge aus, auf die wir nie gekommen wären.“ Resignation und Technikverweigerung seien aber auch keine Option, deswegen müsse man sich jetzt die Frage stellen: Was tun?

Seemann ist kein Neuling auf dem Gebiet. Bereits seit einigen Jahren betreibt er den Blog http://www.ctrl-verlust.net/ auf dem er zu Themen wie Datenschutz, Plattformneutralität und Privatsphäre im Internet schreibt. Daneben ist er in unregelmäßigen Abständen als Autor für Publikationen wie SPIEGEL Online, Rolling Stone oder SPEX tätig und hält von Zeit zu Zeit Vorträge an Universitäten und auf Konferenzen.

Passend zu der neuen Welt, die Seemann entwirft, hat er sich auch gleich das entsprechende Vertriebsmodell für sein Projekt ausgedacht: die „Do What the Fuck You Want to Public Digital License“ (WTFPDL). Die Grundidee ist einfach. Im digitalen Raum soll für geistige Erzeugnisse völlige Freiheit gelten, mit anderen Worten: jeder kann veröffentlichen, vervielfältigen und kopieren so viel er will. Für gedruckte Werke soll weiterhin das bisherige Urheberrecht gelten.

Für interessierte Leser heißt das: Wenn das Buch in ca. sechs Monaten fertig ist, kann man es völlig umsonst im Internet erwerben und damit machen was man will. Wer einen richtigen Text aus Papier in den Händen halten will, muss aber dafür zahlen. Verdienen will der Autor bei allem Idealismus nämlich schon.

 

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