Der eReader Check: Kindle Paperwhite vs. Tolino Shine
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Im Moment kann man den eindringlichen TV-Werbungen der beiden eReader-Konkurrenten kaum noch entfliehen. Zwar gibt es die Tablet-förmigen Lesestars mit dem sparsamen E-Ink Display schon länger, der Durchbruch gelang aber erst kürzlich den Modellen mit Hintergrundbeleuchtung.

So war Amazons Kindle Paperwhite über Weihnachten und Silvester wochenlang ausverkauft und konnte anfangs nur mit großer Verspätung bestellt werden. Die Fire-Reihe, Amazons 7-Zoll-Tablets, hatten derweil nicht mit Lieferengpässen zu kämpfen.

Nun, kurz vor dem Ostergeschäft, zeigt sich erstmals die Konkurrenz mit einem würdigen Gegner für den unantastbaren Paperwhite. Es ist der Tolino Shine, ein eReader der großen Buchhändler Thalia, Der Club Bertelsmann, Hugendubel und Weltbild sowie der Deutschen Telekom. Als weitere Händler werden buecher.de, buch.de und Otto genannt. Eine Buchwissenschaftlerin der Uni Mainz teilte uns mit, dass die Buchhändler schon seit jeher unglaubliche Angst vor dem übermächtigen Amazon haben und nun zum Gegenschlag ausholen. Denn auch wenn man sich unterlegen sieht, will man zumindest gegensteuern. Ob der Tolino das Zeug hat, sich gegen den Kindle aufzustellen, lest Ihr in unserem eReader Check:

Specs und Haptik im Schnelldurchlauf:

Beide eReader liegen gut in der Hand, der Kindle Paperwhite wirkt jedoch optisch durch die mattiert schwarze Oberfläche etwas edler als der lächelnde Tolino. Beide Geräte haben rund 2 GB per SD Card erweiterbaren Onboard-Speicher (der Tolino 2,15 GB) und verfügen über ein 6-Zoll E-Ink Display mit einer Auflösung von 1024 x 758 Pixel.

An die E-Books kommt man am einfachsten drahtlos mittels W-LAN, der Kindle Paperwhite 3G kann darüber hinaus das mobile Datennetz verwenden, kostet dafür aber auch 60 Euro mehr. Dabei bleibt es aber auch, da die anfallenden Gebühren fürs mobile Netz vollständig von Amazon übernommen werden, ein Datenvertrag mit Sim-Karte über einen Provider ist somit nicht nötig.       

Hier punktet der Kindle:

Der Kindle punktet schon allein dadurch, dass er an das viel größere Ökosystem von Amazon gebunden ist. Schließlich gibt es kaum Lesestoff, den man bei Amazon nicht finden kann. Der höhere Anschaffungspreis von 30 Euro (im Moment sind es aufgrund einer Sonderaktion nur 15 Euro) wird die meisten Kunden deshalb nur wenig stören. Mit dem 3G-Modell für 189 Euro hat Amazon darüber hinaus ein absolutes Killer Feature geschaffen: Egal ob im Ausland oder zuhause, man kann jederzeit via 3G-Netz kostenlos Bücher herunterladen.

Hier floppt der Kindle:    

Der Kindle ist leider viel zu stark an Amazons Ökosystem gebunden. Zwar können auch PDF- und Textdateien angezeigt werden, das bekannte ePub-Format jedoch nicht. Wer also einen klassischen ePub-Reader braucht, kann mit dem Kindle rein gar nichts anfangen.

Hier punktet der Tolino:

Der Tolino ist in gewisser Weise ein Freigeist mit offenem System. Man kann also seine E-Books bei allen Buchhändlern bekommen – außer natürlich bei Amazon. Das bekannte ePub-Format, das der Kindle nicht unterstützt, bietet all denen Vorteile, die bereits E-Books in diesem Format gekauft und auf der Festplatte parat haben. Diese können problemlos per Kabel auf den Tolino übertragen werden. Darüber hinaus ist der freie Reader mit 99 Euro ganze 30 Euro billiger in der Anschaffung. Ein nettes Extra für unterwegs ist auch die kostenlose Hotspot Flat von T-Mobile, die es für jeden Tolino gratis dazu gibt. Vor allem Bahnreisende, die ihre Bücher dann von unterwegs laden können, freuen sich darüber.   

Hier floppt der Tolino:

Der Tolino wird beim Kauf mit dem Händler verknüpft, bei dem man ihn auch erworben hat. Kabelloses Herunterladen ist dann auch nur im Shop des Anbieters möglich. Möchte man beispielsweise mit einem Hugendubel-Tolino bei Thalia einkaufen, muss der PC als Brücke her. Die gekauften E-Books können dann nur per Kabel übertragen werden. Man hat also schon größere Freiheiten als bei Amazon, allerdings wird das Einkaufen außerhalb des verknüpften Händlers umständlich.

Unsere Kaufempfehlung:

Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, weshalb wir den neuen Tolino Shine natürlich mehr als begrüßen. Zudem holt man sich mit diesem “Alternativ-Gerät” keinen Schrott ins Haus. Die Beleuchtung sowie Darstellung der E-Books ist ebenso gut wie beim Modell des übermächtigen Konkurrenten Amazon. Wer also nicht unbedingt auf Amazons Marktplatz angewiesen ist und vielleicht auch bereits ePubs auf der heimischen Festplatte lagert, ist mit dem Tolino besser bedient und spart darüber hinaus regulär 30 Euro bei der Anschaffung.

Nichtsdestotrotz hat Amazons Kindle Paperwhite die Nase vorn. Die Software ist ausgereifter, weshalb die Bedienung leichter von der Hand geht. Noch dazu ist Amazons Marktplatz einfach riesig, weshalb die Freiheiten, die der Tolino bietet, nicht unbedingt notwendig sind. Sparen kann man dank der Buchpreisbindung in Deutschland soundso nicht. Auf Geschäftsreisen bietet Amazon mit der 3G-Variante des Paperwhite im Übrigen ein absolutes Killer Feature. Denn egal ob zuhause oder unterwegs, alle Inhalte können kostenlos via 3G heruntergeladen werden. Das gilt auch für mehr als 100 Länder außerhalb der Bundesrepublik.       

Aufmacherbild via YouTube

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