Der Moralhüter in der RedTube-Affäre
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Die RedTube-Affäre hat in den letzten Monaten hohe Wellen geschlagen. Das Medien-Echo schallt durch das ganze Land. Auch wir haben mehrmals über die neusten Entwicklungen berichtet. Noch steht das endgültige Urteil nicht fest, da sich die Frage nach der Legalität der Streaming-Angebote immer noch in der rechtlichen Grauzone bewegt.  

Nun meldet sich Daniel Sebastian, der Anwalt, der bei der Abmahnung mehrerer Tausend RedTube-Nutzer geholfen hatte, in einem Interview mit Zeit Online zu Wort: Er besteht darauf, dass Online-Streaming illegal sei. Daniel Sebastian hatte die Antragsschriften formuliert. 

Auf RedTube findet der Nutzer Informationen zum Copyright sowie ein Compliance Statement. Insofern erwecken die Inhalte zuerst nicht den Anschein, illegal zu sein. Hinzu kommt, dass die Videos entweder von Nutzern selbst hochgeladen oder von Pornofilm-Firmen als Teaser gekennzeichnet werden. In Anbetracht dieser Gegebenheiten, glaubt sich der Nutzer beim Anschauen der Videos in Sicherheit, so Zeit Online.

Der Anwalt beharrt auf seiner Meinung, er könne die Ansicht nicht teilen, dass Streaming nicht illegal sei. Mit seiner Meinung sei er nicht alleine. Laut Paragraf 16 Urhebergesetz wären auch vorübergehende Vervielfältigungshandlungen strafbar. So gelte auch das Zwischenspeichern auf dem Computer während des Streamings als rechtswidrig, so Daniel Sebastian. Schade nur, dass sich der Begriff „Streaming“ kein einziges Mal in den von ihm formulierten Antragsschriften wiederfindet. Wie denn auch, handelt es sich doch hierbei um kein absichtliches Downloaden. Sogar die Bundesregierung hatte sich schon zu dem Thema gemeldet und das Online-Streamen als „urheberrechtlich unbedenklich“ erklärt

Der Gerechtigkeitshüter, der hartnäckig auf seinen Aussagen besteht, versucht diese nochmals zu untermauern, indem er die unsichere Altersverifikation auf dem RedTube-Portal bemängelt. Die simple Alterseingabe, die bestätigt, dass der Nutzer volljährig ist, reicht aus, um die pornographischen Inhalte aufrufen zu können. Dies zu ermöglichen, so der Anwalt, sei in Deutschland eine Straftat. 

Daniel Sebastian zeigt sich in seinen Aussagen als Hüter der Moral. Gegen die Nutzung illegaler Online-Angebote müsse dringend vorgegangen werden. Der RedTube-Fall wäre ein Meilenstein in diesem Bereich und er sei froh, am Anfang dieser Entwicklung dabei zu sein. Ganz altruistisch will er sich dem Risiko stellen und sich gegen das „Erblühen der illegalen Nutzungen“ einsetzen, die schon viele Branchen zerstört hätten. Die Abmahnopfer versucht er als Täter darzustellen, die sich auf ein fragwürdiges Terrain begeben, um bei der Nutzung legaler Online-Angebote entstehende Kosten zu umgehen. 

Noch gibt es keine einschlägigen Urteile bei der Frage nach der Legalität der Streaming-Angebote und somit auch kein endgültiges Urteil im RedTube-Fall. Wir werden Euch weiterhin auf dem Laufenden halten. 

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