Der virtuelle Währungswahnsinn: Amazon Coins, WebCoins, BitCoins und Co.
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Virtuelle Währungen sind seit einigen Jahren in aller Munde und globale Riesen, wie bis 2012 Facebook oder nun Amazon, mischen kräftig mit. Was sich die Unternehmen damit möglicherweise versprechen? – eine Vermutung:

Das WebCoin-Protocol wurde bereits 2004 an der Southern Cross Universität entwickelt und stellt ein gebührenbasiertes Modell eines Micropayment-Systems dar, das auf einer Pay-per-Click-Basis über das Internet genutzt werden kann. Diese Art „digitale Münze“ repräsentiert einen Geldwert in Echtzeit, entweder in Form einer konventionellen Währung oder aus einer Zahl von virtuellen Währungen. Das Konzept des anonymen digitalen Geldes ist bereits seit 1977 bekannt. Da das Protokoll von Natur aus anonym ist, werden keine Informationen über ihren Besitzer übertragen.

Aber sind diese virtuellen Währungen wirklich sicher?

Seit 2009 existiert außerdem das relativ erfolgreiche BitCoin-Konzept, das aufgrund asymmetrischer Verschlüsselungsverfahren und digitaler Signaturen als beinahe fälschungssicher gilt. Wie eine aktuelle Umfrage von Netzpolitik.org beweist, wird dem Bitcoin-Konzept nach wie vor weniger Vertrauen gegenüber gebracht als beispielsweise Paypal oder Flattr.

Woran liegt´s?

Die dezentrale Organisation des Netzwerkes und der Schutz der Privatsphäre, durch das BitCoin-System, fördern die Anonymität im Netz. Da ist es nicht verwunderlich, dass der deutsche Bundesverband für Digitale Wirtschaft (BVDW) in einer Pressemitteilung 2011 von der Verwendung von BitCoins abriet.

Zudem führte der Handel auf BitCoin-Tauschbörsen, sowohl im Jahr 2011 wie 2012, zum Teil zu Hacker-Angriffen und Verlusten von Guthaben, was auch Kurseinbrüche an der BitCoin-Börse zur Folge hatte. Auch Facebook war 2009 auf den Zug aufgesprungen und hatte Facebook Credits für das Bezahlen von In-App-Einkäufen verpflichtend eingeführt. Im 3. Quartal 2012 ist das Unternehmen dann zurückgerudert und sprach laut futurebiz von „einem fehlenden Bedarf an einer plattformübergreifenden Währung“.

Wie sieht die Zukunft der virtuellen Bezahlsysteme aus?

Um so verwunderlicher ist Amazons Ankündigung, zumindest in den USA ab Mai Amazon Coins für das Bezahlen von Kindle-Einkäufen einzuführen. Apps, Spiele und In-App-Käufe sollen mit der neuen Kindle-Währung bezahlt werden können.

Obwohl Amazon-Konkurrent Facebook mit der eigenen Währung gescheitert ist, startet der eCommerce-Riese einen Angriff auf seinen Nebenbuhler Google mit seinem Bezahldienst Checkout. Der Umrechnungskurs ist absichtlich einfach gehalten und entspricht für einen Amazon Coin 1 US-Cent. Amazon kündigt zudem an, dass die Coins in Zukunft auch als alternative Bezahlmethode für Android-Apps aus anderen Stores verwendet werden könnten. Die Coins werden lediglich als zusätzliche Bezahlmethode hochgehalten, die Schaffung eines eigenen Bezahlsystems soll nicht erklärtes Ziel sein.

Androidpolice bringt es ziemlich passend auf den Punkt: “We Do Not Need Amazon Coins (Or Any Other Virtual Currency)“ 

Worin genau liegt denn der Nutzen solcher virtuellen Währungen für den User? Ist es die One-Klick-Bezahlmöglichkeit also die Bequemlichkeit des Users, die die Schaffung weiterer Währungen rechtfertigt? Wollen Internetnutzer überhaupt eine Handvoll unterschiedlicher virtueller Gelder händeln müssen, wenn doch schon genug Problematiken mit den echten Währungen und Finanzsystemen existieren?

Aus meiner Warte aus, hat die Schaffung einer eigenen Währung nur ein erklärtes Ziel: Umsatzsteigerung. Das als „Innovation für den Nutzer“ zu verkaufen, erscheint mir schon relativ lahm. Wie sieht es bei Euch aus? Überzeugter Nutzer virtueller Bezahlsysteme oder Gegner? Wir freuen uns auf Eure Kommentare.

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