Design und Punk
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Die Punkbewegung, die in den 1970er Jahren in England und in den USA entstand und schon bald nur noch wenige Grenzen kannte, hat nicht nur die Musikwelt beeinflusst. Ebenso hinterließ der Punk in vielen anderen Kultur- und Lebensbereichen deutliche Spuren und er wurde und wird immer wieder gerne von Kreativen aller Art zitiert – in der Mode, in der Werbung, in der bildenden Kunst oder im Film. Punk ist nicht nur Musik, Punk ist auch Design. Und genau darum geht es in dem vorliegenden Buch.

„Design und Punk“ von Russ Bestley und Alex Ogg, 2012 im Hannibal Verlag erschienen, lässt die optische Geschichte der Punkbewegung Revue passieren, schildert deren Entstehung und Entwicklung, die Eigenheiten jeder Ära und die Besonderheiten in den unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Dazu ist das Buch neben einer Einleitung in sieben Kapitel gegliedert. Es informiert übersichtlich über den Punk und sein jeweiliges Design, sei es in den Anfangsjahren, zu Zeiten des New Wave und des Post-Punks oder seine Verbindung und seinen Anteil zur Do-it-yourself-Bewegung.

Die umfangreiche Bebilderung, die Poster, Flugblätter, Fanzines und Cover zeigt, veranschaulicht auf beeindruckende Weise das Design des Punks. Sichtbar werden die brachiale Typografie, die starke Symbolik, humorvolle Interpretationen sowie Zitate und Verbindungen zur Kunst oder zu Comics.

Die Lektüre von „Design und Punk“ weckt Erinnerungen und fördert fast vergessene Schätze zutage. (Foto: Bastian Krampen)Die Lektüre von „Design und Punk“ weckt Erinnerungen und fördert fast vergessene Schätze zutage (Foto: Bastian Krampen).

Wer nun aber vermutet, dass es sich bei dem Buch um einen reinen Bildband handelt, irrt gewaltig. Es bietet ausreichend Raum für erklärende Texte, die man nur mit einem Wort beschreiben kann: exzellent. Die Autoren, absolute Experten in Sachen Grafikdesign und Independent-Musik, informieren gründlich, aber nicht langatmig. Die Texte haben auch für Kenner des Punks und für Designprofis viel Neues in petto. Vorgestellt werden selbstverständlich Größen des Punkdesigns wie Arturo Vega, der sogenannte fünfte Ramone, oder Jamie Reid. Aber eben nicht nur die. Auch viele unbekanntere Protagonisten, deren Einflüsse und Schaffen werden thematisiert. Die Auseinandersetzung mit der Kopier-Kultur und der Do-it-yourself-Bewegung ist spannend und der eine oder andere Leser wird sich unweigerlich an die eigenen Kreativ- und Herstellungsprozesse in den Copy-Shops seiner Heimatstadt erinnern.

Fazit

„Design und Punk“ ist ein sehr gelungenes Buch mit der richtigen Mischung aus Bildmaterial und informierendem Text. Es beschreibt das Design des Punks, wie es entstand, sich änderte und welchen Einfluss es auf andere, darauf folgende Moden und Bewegungen hatte. Ein Sonderlob gilt dem Verlag, der bei der Ausstattung des Buches keine Kosten und Mühen scheute und das Layout sowie die Typografie dem Thema des Titels perfekt anpasste.

Das Buch ist nicht nur für Musikinteressierte empfehlenswert, sondern auch für Designer und andere Kreative, da es seinen Schwerpunkt klar auf Design legt und nicht abdriftet. Ist beim Leser ein Faible für Punk vorhanden bzw. ist er ein Liebhaber oder ehemaliger Angehöriger dieser Szene, dann führt die Lektüre dazu, dass er vieles erkennt, alte Schränke und Kisten aufreißt, Schätze wiederfindet und mindestens einen Sonntag lang auf Zeitreise geht. „Gabba Gabba Hey!“

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