Das "Zuhause" für Fotos

Die App zum Freitag: Google Photos
Kommentare

Google wird bekanntermaßen immer schlauer und kann jetzt sogar schon selbstständig Fotoinhalte erkennen und sortieren – das beweist der Internetkonzern mit seinem neuen Produkt Google Photos. Die Standalone-App soll das traute Heim für eine gebündelte Foto- und Videosammlung werden.

„A home for all your photos and videos“ – so schallt es beruhigend von Googles offiziellem Blog. Beruhigend für all diejenigen, die angesichts des digitalen Zeitalters Angst davor haben, später ihren Enkeln dank nicht-vorhandenem Fotoalbum keine Bilder aus dem Italienurlaub zeigen zu können? Oder doch eher beruhigend für Google selber, das mit dem Service immer mehr über das Leben seiner Nutzer lernt? Mit dem neuen Dienst Google Photos sollen sämtliche Urlaubsfotos, Selfies und Schnappschüsse – und zwar gebündelt von sämtlichen Geräten – im Ökosystem des Unternehmens gespeichert werden. Google versichert: „a lifetime of memories“ und lässt den Speicherplatz zu diesem Zweck unbegrenzt.

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O, die momentan in San Francisco stattfindet, stellte das Unternehmen gestern den neuen Dienst vor. Noch über Nacht wurde er freigeschaltet und die entsprechende App für Android und iOS bereitgestellt. Praktisch ist das Ganze: sämtliche Bilder von allen Geräten werden automatisch synchronisiert und in der Cloud abgespeichert. Der unbegrenzte Speicher ist kostenlos, solange man bei Fotos bis zu einer Größe von 16 Megapixeln und Videos in Full-HD-Auflösung (1080p) bleibt.

Google kennt dein Gesicht

Der Clou liegt allerdings woanders: mithilfe von intelligenten Algorithmen will Google die Bilder selbstständig erkennen und nach Inhalten sortieren. So werden etwa virtuelle Ordner für Personen angelegt, die mehrmals auf Fotos vorkommen, auch Orte und Anlässe sollen erkannt werden. Die vollautomatische Kategorisierung erfordert kein Anlegen von Schlagworten oder Alben. Vielmehr kann durch Sucheingaben nach bestimmten Bildern geforstet werden, „sei es der Hund, die Geburtstagsparty der Tochter oder der Lieblingsstrand in Santa Barbara“, so Google Photos Manager Anil Sabharwal. All dies sei privat, nur für die eigenen Augen.

Und die von Google, möchte man unwillkürlich hinzufügen. Durch die Bildauswertung verdient der Konzern natürlich indirekt Geld. Sowohl die Metadaten, die etwa Standorte verraten, als auch die Ergebnisse der Algorithmen-Analyse dienen dem immer näheren Kennenlernen der Nutzer. Personalisierte Werbung und Datenverkauf winken bereits am Horizont.

Übrigens will die künstliche Intelligenz auch einen „Snowstorm in Toronto“ erkennen und bei Nachfrage passende Bilder ausspielen. Vielleicht kann Google also künftig nicht mehr nur Modetrends voraussagen, sondern durch die dichte Analyse des Lebens seiner Nutzer auch deren Zukunft – oder dann wenigstens zum hilfreichen Lebensberater werden?

Aufmacherbild: Data via Shutterstock / Urheberrecht: alexskopje

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -