Veränderungen können Startups retten

Lean Management: Die Kunst des Pivots
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Nicht jede tolle Idee für ein Startup übersteht den Kontakt mit der harten Realität. Manchmal ist einfach ein Richtungswechsel oder eine Veränderung an der Arbeitsweise, im Lean Management Pivot genannt, nötig. Aber wann ist das wirklich der Fall und wann nicht? Wie findet man eine neue, bessere Ausrichtung für das eigene Unternehmen?

Ein lean arbeitendes Startup arbeitet mit Hypothesen über sein Produkt und den Markt – das Geschäftsmodell beruht auf der Annahme, dass jede dieser Hypothesen jederzeit verändert werden kann. Diese Veränderungen am Geschäftsmodell und der Strategie sind die sogenannten Pivots. Manche Unternehmen neigen dazu, ständig solche Veränderungen vorzunehmen, andere scheuen sich davor. Was richtig ist, hängt am Ende aber immer von der jeweiligen Situation ab.

Nicht zu viele Veränderungen

Wer selbst etwas aufbauen möchte, braucht Durchhaltevermögen. Nicht jede Durststrecke eines jungen Unternehmens bedeutet, dass die Idee zum Scheitern verurteilt ist. Insofern sollte ein Richtungswechsel gut überlegt sein, immerhin bringen große Veränderungen regelmäßig auch viel Unruhe mit sich. Vorhandene Kunden könnten durch häufige Veränderungen abgeschreckt werden, selbst dann, wenn auch die neue Ausrichtung zu ihrem Bedarf passt. Also sollte die Entscheidung für oder gegen den Pivot nicht überstürzt getroffen werden.

Wichtig ist zuerst einmal die Frage, welcher Teil der Unternehmesstrategie denn funktioniert. Nur wer die Stärken seines Unternehmens kennt, kann sinnvolle Entscheidungen treffen. Im Rahmen dieser Betrachtung sollten auch die internen Strukturen unter die Lupe genommen werde. Kann man hier ein Problem in der Arbeitsweise identifizieren, braucht es vielleicht keinen Pivot.

Trotzdem ist es nicht immer falsch, eine neue Richtung einzuschlagen. Kommt das Unternehmen einfach nicht in Fahrt, kann das Pivoting die letzte Rettung darstellen. Hier lohnt es sich, die Kundschaft zu befragen: Was schätzen sie am Unternehmen, worauf könnten sie eher verzichten? Eine genaue Analyse ist wichtig, um ein neues Profil zu entwickeln. Auch die Meinung der Mitarbeiter sollte eingeholt werden. Sie müssen nämlich am Ende hinter der neuen Idee stehen. Und haben vielleicht aus dem Kontakt zur Kundschaft einiges zu berichten, was bei der Entwicklung neuer Ideen hilft.

Die richtige Richtung einschlagen

In vielen Fällen geht es dann auch gar nicht darum, eine gänzlich neue Geschäftsidee zu entwickeln. Meistens gibt es Geschäftsfelder, die wirklich gut funktionieren können, wenn sie gestärkt werden. Vielleicht wird das Tätigkeitsfeld dadurch kleiner – dadurch kann aber die Qualität auf diesem Sektor erhöht werden, sodass hier ein Alleinstellungsmerkmal entsteht, mit dem das Unternehmen besser am Markt platziert werden kann.

Auf diese Weise kann außerdem auch auf schon vorhandenen Kontakten aufgebaut werden. Auch ein bereits aufgebauter guter Ruf auf einem Sektor bleibt erhalten. Trotzdem ist es wichtig, diesen Schritt ebenfalls mit Bedacht zu gehen. Die zentrale Frage lautet, wofür die potenzielle Kundschaft bereit ist, Geld auszugeben – und warum sie das bisher nicht getan hat? Nur wer darauf eine Antwort hat, kann die zukünftige Richtung seines Unternehmens bestimmen.

Verschiedene Probleme, verschiedene Pivots

Die Eingrenzung auf eine Aufgabe ist allerdings nicht die einzige Art des Pivots, die Startups vornehmen können. Das Problem könnte auch darin liegen, dass das Produkt zu eng gefasst wurde, sodass eine Ausweitung des Tätigkeitsfelds nötig ist. Oder es geht nicht so sehr um das Produkt selbst, sondern um die Zielgruppe. Kaufen das Produkt zumeist Kunden über 50, ist eine zielgruppenorientierte Werbung für Jugendliche wohl der falsche Ansatz.

Ein weiterer möglicher Pivot ist eine Veränderung am Geschäftsmodell statt am Produkt. Gerade im App-Sektor ist das Freemium-Geschäftsmodell verbreitet. Kaufen die Kunden die Vollversion dann aber nicht, weil die kostenlose Variante bereits über ausreichend Funktionalität verfügt, stehen mehrere Wege offen. Entweder kann versucht werden, mehr Einnahmen über Werbung zu generieren, oder die kostenlose Version nur noch zeitlich begrenzt zur Verfügung zu stellen. Schlussendlich können Pivots in 9 verschiedenen Teilen des Geschäftsmodells erfolgen – wo das notwendig ist, ist immer von der individuellen Situation abhängig.

Wichtig ist aber immer, dass das Team hinter den Veränderungen steht. Ist das nicht der Fall, sollte noch einmal über den eingeschlagenen Weg nachgedacht werden. Wenn der Pivot aber mit Bedacht durchgeführt wird, kann er sehr dabei helfen, Startups auf den richtigen Weg zu bringen.

Aufmacherbild: change word concept via Shutterstock / Urheberrecht: schatzy

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