Die Zukunft von Android: vom Kamera-OS zum OEM-Alptraum?
Kommentare

In einem Interview mit PC World bestätigt Android Co-Founder Andy Rubin die Gerüchte, das Android ursprünglich gar nicht als Mobile OS geplant war.

Android Inc. wurde 2003 von Andy Rubin, Rich Miner, Nick Sears und Chris White im Rahmen der Open Handset Alliance in Palo Alto gegründet. Android Inc. gab sich damals äußerste Mühe, Details zu der Entwicklung von Android geheim zu halten und äußerte lediglich, dass das Unternehmen an einem mobilen Betriebssystem arbeiten würde. So wurden Investoren gelockt und im August 2005 kaufte Google die Firma auf

Erst Ende September 2008 nach der Weiterentwicklung durch Google wurde die erste Android Development Version mit dem Namen Android 1.0 Angel Cake veröffentlicht. Im Jahr 2009 folgten weitere Versionen. Die Android Story Infografik von XCube Labs visualisiert kompakt sämtliche Milestones in der Android Historie:

The-Andriod-Story

Infographic by Android Developers at [x]cubelabs

Android für „smart cameras“ konzipiert

Vor kurzem, gute fünf Jahre später, ließ Andy Rubin, der im März seinem Android-Posten endgültig den Rücken kehrte, um sich bei Google einem neuen Kapitel zu widmen, die Katze aus dem Sack und gab zu, dass die Android-Gründer ursprünglich geplant hatten, ein OS für „smart cameras“ zu konzipieren. Durch den damaligen Handy-Boom änderte sich das Vorhaben allerdings in eine „open-source handset solution“, so Rubin gegenüber der PC World.  

The exact same platform, the exact same operating system we built for cameras, that became Android for cellphones[…],

formulierte Rubin auf der Japan New Economy Summit in Tokyo.

Schon seit einiger Zeit geisterte unter Developern das Gerücht herum, das innerhalb der Android-Architektur noch Spuren zu finden sind, die beweisen sollen, dass Android ursprünglich nicht als Mobile OS konzipiert wurde. Auch deswegen fragt sich so manch einer in der Community, was passiert wäre, hätte Google Android Inc. damals 2005 nicht gekauft

Bereits 2010 bestätigte Vice President of Corporate Development David Lawee gegenüber Venturebeat, dass der Kauf von Android einer der wichtigsten und besten Deals darstellt, die Google jemals abgewickelt hat. Selbstverständlich müssen an dieser Stelle auch der Erwerb von Motorola Mobility und AdMob als geschickter Schachzug genannt werden. 

Betrachtet man die aktuelle Entwicklung im Bereich Mobile, möchte man den Android-Einfluss bestimmt nicht missen. Allerdings ist das Mobile OS Design permanenten Änderungen unterworfen und hat mittlerweile eine Drei-Phasen-Evolution hinter sich: Vom PC-basierten OS hin zum integriertem OS und nun in Richtung Smartphone-orientiertem OS. 

Der mobile Evolutionsprozess ist dabei den technologischen Verbesserungen und Veränderungen der Hardware, der Software und des Internets unterworfen. Im Bereich der mobilen Betriebssysteme gibt es daher bei den aktuellen High-End-Geräten einen deutlichen trend zu beobachten: weg von der direkten Verbindung des Users mit dem Internet hin zu einer Verbindung über die Cloud.

Das sich Android im Laufe dieses Jahres Marktanteil und Download-technisch endlich an Apple vorbeidrängt, scheint laut ABI absehbar. Dass das wohl meist genutzte mobile Betriebssystem eigentlich dafür gedacht war, Bilder online zu speichern und mit dem PC zu synchronisieren, beeindruckt da wohl niemanden. 

Fragmentierung und OEMs

Allerdings gibt es trotz der erfolgreichen Weiterentwicklung und weltweiten Verbreitung von Android für echte Fans und Developer eine bittere Pille zu schlucken: die Vielzahl an OEMs. Kaum eine „gebrandete“ Android-Version entspricht dem urspünglichen Anspruch an User Experience und der Offenheit von Android. Hersteller wie Samsung und HTC kommen mit Ihren eigenen Systemprogrammen und UIs daher, die so tief in das OS eingreifen, dass man als Endnutzer den Eindruck bekommt, von Android ist nicht mehr viel übrig. Den Handyherstellern scheint das völlig schnuppe zu sein – Google allerdings anscheinend auch. Tech.pinion bewertet beispielsweise die Android-Experience auf dem neuen HTC One gen Null, was ich persönlich tragischerweise nur bestätigen kann. 

Entwickler gehen einen Schritt weiter und äußern Bedenken, dass Google durch sein Gebaren die Marke Android und damit die gesamte Idee zum Tode verurteilt, was sich beispielsweise auf Fabrizio Capobianco Website und auf Hacker News nachlesen lässt. Denn seit Januar 2012 zeigen Google Trends deutliche Verluste bei den Suchanfragen nach Android an und somit auch einen Verlust des öffentlichen Interesses an der Marke auf.

Die Leidtragenden sind zunächst einmal die Entwickler selbst sowie selbstverständlich die Technologie. Fällt es denn dem normalen Endkunden gar nicht auf? Und scheint es für Google, Handy-Hersteller und Co. tatsächlich keine Rolle zu spielen? Kontroverse Meinungen scheinen bei diesem Thema vorprogrammiert. Allerdings hat der Jobwechsel von Andy Rubin diese auch weiter angeheizt.

Quelle Aufmacherbild: Android Developers at [x]cubelabs

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -