Digital Disruption und Second Screen: eine große Chance für Entwickler und Marketeers
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Oft, zu oft beobachten wir, dass digitale Produkte heutzutage nur halbherzig statt zu hundert Prozent digital sind; regelmäßig beschleicht den Nutzer das Gefühl, dass hier eine an sich coole Idee nicht konsequent zu Ende gedacht wurde. Jemand, der es sich zur Mission gemacht hat, großen Unternehmen zu erklären, wie man digital richtig macht und welche Auswirkungen die digital disruption heute schon hat, ist Andrew Grill. Der Australier ist CEO von Kred, passionierter Mobile-Nutzer und Keynote-Speaker auf der MobileTech Conference 2013 in München. Er schreibt den beliebten Blog LondonCalling und tweeted unter @AndrewGrill.

Wir haben uns mit Andrew über digital disruption unterhalten. Wo besteht bei den Unternehmen Nachholbedarf? Was bedeutet es aus seiner Sicht, „richtig“ digital zu sein?
Ein weiteres Thema des Gesprächs ist der Second Screen. Andrew sieht im Second Screen eine große Chance – nicht nur als nützliche Ergänzung für den Konsumenten, sondern vor allem für mobile Entwickler und Marketeers. Welche das sind, lest Ihr im folgenden Interview.

WebMagazin: Andrew, in deinem Beruf machst du große Unternehmen tagtäglich darauf aufmerksam, welche Auswirkung die digital disruption, also das Aufbrechen von traditionellen Verfahren, Arbeitsweisen und Abläufen in unserem (Arbeits-) Alltag, auf sie haben kann. Was sind die drei wichtigsten Aspekte dieser digital disruption von denen Unternehmen nicht den blassesten Schimmer haben?

Andrew GrillAndrew Grill: Digital disruption ist überall. Gerade kürzlich hat American Express angekündigt, dass sie 5.400 Stellen kürzen. Die Kreditkartenfirma teilte mit, dass man Teile seiner Geschäftsstrukturen anpassen müsse, das „immer mehr Kunden Bezahlungen online und mobile tätigen“. Das unterstreicht, dass wir uns mitten in einem fundamentalen Wandel befinden. Und während etablierte Firmen wie American Express sich anpassen müssen, können clevere und flinke Startups wie Square (Mobile Payments) florieren.
Die drei Bereiche, in denen die digital disruption am heftigsten zuschlägt: 

1. Mobile: Konsumenten können heutzutage alles, überall und jederzeit machen – dank mobile Geräte. Unternehmen müssen sich eine „mobile first“ Einstellung und Herangehensweise aneignen, um diese Menschen als Kunden halten zu können. Ich bin immer noch überrascht, wenn ich auf die Website einer großen Firma surfe und mir auf dem mobilen Device die PC-Version ausgeliefert wird.

2. Social: Die Konsumenten haben mittlerweile die Möglichkeit, sich mit Marken zu unterhalten, ihnen ihre Meinung zu sagen. Niemals zuvor waren Kunden in der Lage, einer Marke in Echtzeit zu antworten. Einige Firmen wurden davon mehr als überrascht, fast schon übertölpelt – auch weil diese Art der Kommunikation Mängel in unternehmensinternen Prozessen schonungslos offenlegt. Allerdings kann die Kommunikation via Social Media auch eine Möglichkeit sein, Angelegenheiten und Probleme schnell zu beseitigen und besser berstehen zu lernen, was die Konsumenten wollen. Vielfach ist Social Media deshalb „das beste Marketing-Analysetool“ – und eins, das man nicht mal in Auftrag gegeben hat.

3. Schnelle Innovation: Genauso wie das Internet der Neunziger dazu beitrug, dass kleine Firmen rüberkamen wie große Konzerne, bedeutet die Mobile- und Social-Revolution, dass innovative Unternehmen schneller in den Markt einsteigen und flinker auf Änderungen des Marktes reagieren können. Der Niedergang von Kodak wurde durch die schnelle Verbreitung von digitalen Kameras ausgelöst und in jüngster Vergangenheit haben die hochauflösenden Kameras in Smartphones Film faktisch zum Aussterben verdammt. Wäre Kodak in der Lage gewesen, schnell digitale Kameras zu entwickeln, die auf dem Markt gefragt gewesen wären, hätte die Firma vielleicht überlebt.

WebMagazin: Du bist fest davon überzeugt, dass man, um digital zu werden, digital sein muss. Aber was genau bedeutet das: „digital sein“?

Andrew Grill: Ich persönlich bin seit dem Kauf meines ersten Computers 1980 mit fast jedem Aspekt des Digitalen in Berührung gekommen, beziehungsweise habe selbst seitdem kontinuierlich digitale Produkte genutzt. Als 1994 meine Universität in Australien uns Studenten Internetzugang und einen Server gab, um damit zu experimentieren, habe ich meine erste Website gebaut, um zu schauen, was man mit dem Internet so alles anstellen kann.
All meine „digital skills“ sind das Ergebnis von systematischem Ausprobieren – dem Experimentieren mit Tools, Plattformen und Websites, die mir interessant erscheinen. So sehr ich nur kann, versuche ich anderen vier bis fünf Jahre voraus zu sein, damit ich einen neuen Dienst ausprobieren und Unternehmen kompetent erklären kann, warum sie ihn nutzen sollten.
LinkedIn benutze ich seit 2004, Twitter seit 2007 und Foursquare seit 2009 – also zu Zeiten, als viele noch nicht von diesen Netzwerken gehört hatten. In meinem Alltag bin ich digital, um mein Leben zu vereinfachen. Und ich impfe meiner sechs Jahre alten Tochter Madeleine ebenfalls die Liebe fürs Digitale ein – denn sie ist die Zukunft des Digitalen. Darüber hinaus mag ich es, Dinge zu bauen, die mir dabei helfen, die Kontrolle über meine Daten zu behalten. Anstatt Instagram zu benutzen, habe ich meine eigene Foto-Sharing-Seite http://pic.gs/ gebaut. Für Twitter nutze ich den Open-Source-Client Dabr, und statt URLs mit Bit.ly zu kürzen, nutze ich meinen eigenen URL-Kürzer auf Basis von Open-Source-Code.
So muss ich stets die Ärmel hochkrempeln, um erkennen zu können, wie diese Dienste funktionieren – und selbst nach all diesen Jahren des „digital seins“ bin ich davon immer noch fasziniert.

WebMagazin: Sich mit dem sogenannten Second Screen zu befassen und ihn zu benutzen ist ganz klar ein Bestandteil von echten digital sein. Aber das ist die Kundenseite. Was ist mit den mobilen Entwicklern? Wie können sie vom ‚Zeitalter‘ des Second Screens profitieren?

Andrew Grill: Für mobile Entwickler bedeutet der Aufstieg des Second Screens, dass jetzt die beste Zeit ist, um interessante und nützliche Apps zu entwickeln. Das nächste Mal, wenn ihr euch zum Fernsehen hinsetzt, analysiert die Art und Weise wie ihr TV konsumiert. Geht es euch so wie mir, habt ihr ein iPad in den Händen während ihr fernseht. Die Möglichkeit virtuelle und Echtzeit-Communities von Menschen aufzubauen, die alle gleichzeitig dasselbe Programm anschauen, eröffnet mobilen Entwicklern eine riesige Bandbreite, um neue Apps zu erdenken und neu Umsätze zu generieren.
Das Fernsehen wird niemals verschwinden, deshalb sollten Entwickler mit mobilen Apps auf bestehende Services aufsatteln und so Einnahmen erzielen.

WebMagazin: Wie ist es um die Zukunft der mobilen Marketeers bestellt? Wie wichtig kann der Second Screen für sie werden?

Andrew Grill: Die Herausforderung im mobile Marketing und der mobilen Werbung ist seit jeher, sicherzustellen, dass sie relevant und möglichst unaufdringlich ist. Fühlt man sich beispielsweise durch eine bestimmte Second-Screen-Erfahrung gut unterhalten und eine Werbeanzeige poppt auf dem Bildschirm auf, die nicht relevant ist, kann das handfeste Folgen haben, denn man hat ja schließlich ein Gerät in der Hand mit dem man umgehend seinen Unmut und seine Beschwerde äußern kann.
Marketeers haben die tolle Möglichkeit, nützliche Apps zu entwickeln, die geschickt ein Produkt oder eine Dienstleistung promoten und den Nutzer gleichzeitig zur Interaktivität und Beschäftigung mit dem Second Screen ermuntern. Kann man also seine Marke via Second Screen quasi in die Hände seines Zielpublikums legen, und zwar mit einer App, die nützlich ist und regelmäßig benutzt wird, avanciert der Second Screen zu einem sehr mächtigen Instrument.

WebMagazin: Vielen Dank für das Gespräch Andrew!

Mit dem Second Screen ist es also wie mit anderen aufsteigenden Geschäftsfeldern: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wer mehr von Andrew Grill – insbesondere zum Thema Second Screen – hören möchte: Der Australier ist wie bereits erwähnt Speaker auf der MobileTech Conference 2013 in MünchenMobileTech Conference Very Early Bird. Seine Keynote mit dem Titel „About TV, Social and Mobile: Going from the big Screen to the second Screen“ hält er am 12. März um 14 Uhr.

Und wer sich bereits jetzt Tickets sichert, kann dank des frühen Vogels jede Menge Geld sparen. Meldet Euch im Rahmen des Very Early Bird bis 17. Januar 2013 für drei oder mehr Tage an und erhaltet das neue Intellibook-Notebook gratis. So spart Ihr mit den Frühbucherpreisen bis zu 700 Euro.

Im Rahmen unseres Extra-Specials gibt es individuelle Sonderkonditionen für Freelancer, Startups und Non-Profit-Organisationen. Bitte schreibt eine E-Mail an: contact@mobiletechcon.de

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