Doc 2.0: Arztbesuch oder Online-Heilung?
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Auch die Medizin ist im Laufe der Zeit im Social Web angekommen. Ärzte lesen und schreiben Blogs, Patienten suchen Diagnosen übers Internet und Online-Apotheken à la Doc Morris und Co. sind schon lange im Netz vertreten. Aber ist das wirklich gut? Sollte nicht gerade die Medizin ihren konservativen Charakter bewahren und sollten Ärzte nicht wie gehabt weiße Kittel tragen und mit unverständlichem Fach-Jargon ihre Diagnose im persönlichen Patientengespräch vermitteln?   

Jetzt, wo die Praxisgebühr wieder aufgehoben wurde, steigt der Anreiz natürlich wieder, bei medizinischen Fragen jeder Art beim Onkel Doktor aufzuschlagen. Jedoch hat vor allem die junge Generation den Drang zur Selbstdiagnose, zumindest bei kleineren Problemchen oder Tabuthemen wie etwa Geschlechtskrankheiten.

Auch Ärzte lesen Blogs und Wiki

Doris Schuppe, Gründerin der Online-Beratungsstelle DoSchu.com thematisierte in ihrer Session auf der webinale in Berlin die Digitalisierung der Ärztewelt. Dabei nannte sie interessante Fakten des derzeitigen Stands der Dinge. So vertrauen mittlerweile mehr als die Hälfte der deutschen Internet-Nutzer den Online-Inhalten von Ärzten.

Die Tatsache, dass auch die Herren und Frauen Doktoren mit ihrer Recherche zu medizinischen Diagnosen meist bei Wikipedia und Co. beginnen, wirkt allerdings etwas erschreckend. Darüber hinaus ziehen die werten Doktoren aber auch Blogs zu Rate oder bitten Ärztekollegen anonym per E-Mail um fachliche Hilfe.

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Doris Schuppe berät Ärzte bei Online-Fragen. Screenshot: http://DoSchu.com

Quacksalber im World Wide Web

Was bleibt, ist aber der Zweifel, ob die Infos der angeblichen Ärzte auch authentisch sind. Woher weiß man als Online-Patient, dass man keinem Quacksalber aufgesessen ist? Doris Schuppe beantwortete diese Frage mit einer leicht verständlichen Faustregel: Echte, ernstzunehmende Beiträge von verantwortungsvollen Medizinern raten dem Patienten, im Zweifelsfall einen Termin auszumachen. Bietet der Gegenüber jedoch billige Medizin oder andere Produkte an (Potenzmittelchen und dergleichen), sollte man vorsichtig sein.

Für Medizin im Web gilt: Unseriöse Anbieter strahlen das meist sehr offensichtlich aus. Zertifizierte Inhalte findet man zum Beispiel auf den folgenden, validierten Seiten:

http://patienten-information.de

http://washabich.de

Medizinische Themen kommen auf Facebook gut an

Auf Facebook zeichnet sich momentan eine Entwicklung ab, die klar den Trend in Richtung Fitness und Gesundheit zeigt. Nutzer posten ihre Vitaldaten auf ihrer Timeline, Arztpraxen richten sich eine Fanpage ein und wollen geliket werden.

Social-Media-Manager, die im medizinischen Bereich tätig sind, sollten darauf achten, Posts zum Thema Medizin mit Bedacht zu wählen. Fitness, Gesundheit und Ernährung kommen beispielsweise sehr gut an, Liveberichterstattung während einer Darmspiegelung sollte man allerdings vermeiden. Wie in allen Bereichen der sozialen Medien ziehen auch in der Medizin “Themen, die bewegen”, denn Emotionen sind der Hauptanlass vieler Nutzer, interaktiv mitzuwirken.

doris schuppe

WebMagazin-Redakteur André Mengel hatte die Möglichkeit, sich persönlich mit Doris Schuppe zu unterhalten. Das Interview in voller Länge findet Ihr hier.

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