Logistiklösungen im deutschen E-Commerce

E-Commerce: Wie die Logistikbranche vom Online-Handel profitiert
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Die Logistikbranche hat dem E-Commerce vieles zu verdanken. Während die Anzahl online bestellter Waren steigt, schnellen auch die Umsätze der Logistik-Unternehmen in die Höhe.

Mit einem jährlichen Umsatz von 230 Milliarden Euro ist die Logistikbranche die drittstärkste Branche in Deutschland. Versanddienstleister wie DHL, Hermes und DPD sind zu Innovatoren des E-Commerce avanciert, indem sie Lösungen entwickeln, die auf den Bedürfnissen der Händler beziehungsweise deren Kunden aufbauen. So treiben sich beide Branchen gegenseitig an. Verbraucher freuen sich über kürzere Versandlaufzeiten, individuelle Zustellarten und neue Services. Sie machen das Online-Shopping immer komfortabler und fördern das Wachstum vergleichsweiser junger E-Commerce-Bereiche wie den Möbel- oder Lebensmittelversand.

Logistik und Online-Handel sind untrennbar

Gleichzeitig ist die Logistik aber auch zur Achillesferse des Online-Handels geworden. Kaum ein Negativfaktor wiegt so schwer wie eine verspätete oder falsche Lieferung oder ein missglückter Zustellversuch. Außerdem ist der kostenlose Versand für viele Verbraucher ein Hauptgrund, sich für oder gegen einen Online-Shop zu entscheiden.

idealo hat die deutsche E-Commerce-Landschaft und dessen Versandangebote untersucht, um festzustellen, auf welche Versand-Dienstleister die Top 100-Partnershops setzen, welche zusätzlichen Services sie anbieten und ob sie sich auf Kundenbedürfnisse wie die Selbstabholung als Alternative zum klassischen Versand sowie ökologische Aspekte eingestellt haben.

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DHL ist der Versandpartner Nummer eins

Bei der Wahl des Versandpartners ist ein Anbieter der klare Favorit: DHL70 der untersuchten 100 Online-Shops setzen auf den Paketdienst der Deutschen Post. Die Otto-Gruppe, zu der unter anderem schwabe, myToys und baur gehören, setzt komplett auf das eigene Tochterunternehmen Hermes. Insgesamt arbeiten elf der geprüften Online-Shops mit diesem Dienstleister zusammen. Ähnlich häufig setzen die Online-Shops auf DPD und UPS.

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Nur zehn von 100 Online-Shops erlauben ihren Kunden, aus den angebotenen Versand-Dienstleistern frei zu wählen. Dass Kunden offenbar bereit sind, für die Wahl ihres favorisierten Paketzustellers zu bezahlen, zeigen aufpreispflichtige Angebote einiger Anbieter: Für eine Gebühr von bis zu zwei Euro versenden sie auf Wunsch per DHL. Der Nachteil, wenn Shops nicht auf DHL setzen: Verbraucher können ihre Sendung nicht an eine Pack-Station zustellen lassen.

Ein Drittel bietet Expressversand

Verbraucher, die ihre Ware schneller benötigen, sind in der Regel auf den Expressversand angewiesen. Dieser kostenpflichtige Service garantiert eine Zustellung am Folgetag. Nur 31 Shops bieten einen solchen Expressversand an. Ein Grund könnte sein, dass Online-Bestellungen heutzutage oft schon am Bestelltag versendet werden und meist am nächsten oder übernächsten Tag den Käufer erreichen. Deshalb verzichten Online-Shops auf den für beide Seiten kostenintensiven Service.

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Same Day Delivery (noch) Nischenprodukt

Heute bestellt, noch am selben Tag geliefert. Die Same Day Delivery soll den E-Commerce endgültig auf eine Stufe mit der Warenverfügbarkeit des lokalen Handels stellen. Sie ist eine Sonderform des Expressversands, die je nach Sitz des Online-Shops nur bestimmte PLZ-Regionen abdeckt. Auch wenn das Thema die Branche seit einiger Zeit beschäftigt, so bieten bislang nur fünf der 100 untersuchten Onlineshops diese Versandart an. Der Aufpreis für die Lieferung am selben Tag schlägt mit sechs bis 15 Euro zu Buche. Die bundesweite Zustellung am Bestelltag ist bei keinem der Online-Shops möglich.

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Weniger Alternativen bei der Zustellung

Wer bereits zum Zeitpunkt der Bestellung weiß, dass er die Ware nicht zu Hause in Empfang nehmen wird, ist auf alternative Zustelloptionen angewiesen. Eine davon bieten alle Onlinehändler an: die alternative Lieferadresse – zum Beispiel die des Büros oder eines Familienmitglieds.

Wird die Sendung von DHL transportiert, ist generell auch eine Zustellung an eine Packstation möglich. Hierfür müssen die Angaben der gewünschten Packstation im Adressformular eingetragen werden. Nur 36 der Online-Shops helfen ihren Kunden dabei und passen die Eingabemaske entsprechend an oder ermöglichen sogar eine direkte Auswahl der favorisierten Packstation. Immerhin entscheiden sich laut einer statista Umfrage rund 18 Prozent für den Versand direkt an eine solche Station. Mit dem Ausbau der Packstationen ergibt sich hier ein großes Potential für Onlineshops.

Lediglich neun der 100 Online-Shops erlauben einen Versand direkt an einen Paket-Shop oder an eine Postfiliale. Auch hier könnten mehr Online-Händler ihren Kunden mehr entgegenkommen, um ihnen zum Beispiel eine flexible Abholung auf ihrem Arbeitsweg zu ermöglichen.

Nur wenige Händler mit Mehrwerten beim Versand

Wenige der Online-Shops bieten über die Standardleistungen hinaus zusätzliche Lieferservices. Bei zwei der Shops können Verbraucher den Versandzeitpunkt selbst wählen beziehungsweise eine Versandsperre verhängen. Ist der Besteller zum Beispiel gerade im Urlaub oder auf Geschäftsreise, kann er sicherstellen, dass die Ware erst versandt wird, wenn er wieder zu Hause ist.

Eine weitere Möglichkeit, den Lieferzeitpunkt zu bestimmen, ist die Auswahl eines Stundenfensters. Diesen Service bieten aber ausschließlich Online-Shops mit einer Same Day Delivery. Vergleichbare Leistungen gibt es nur bei den Versandpartnern selbst, nachdem die Ware verschickt wurde. So können Verbraucher beispielsweise bei DPD bis kurz vor Zustellung den Lieferort beeinflussen oder den Zustelltag ändern. DHL informiert hingegen je nach Paketart über das ungefähre Zeitfenster, in dem die Sendung voraussichtlich zugestellt wird, sodass sich der Empfänger gegebenenfalls auf die Zustellung einstellen kann.

Einige Händler bieten ihren Kunden darüber hinaus einen sogenannten „Premiumversand“ an. Dieser Begriff wird von den Shops allerdings unterschiedlich definiert. Während der aufpreispflichtige Service einerseits eine schnellere Bearbeitung und somit auch Versand meint, bedeutet er andererseits, dass Dienstleistungen wie etwa das Anschließen einer Waschmaschine direkt mitgebucht werden können.

Groß im Kommen: die Selbstabholung

Der Trend geht hin zu stationären Niederlassungen von Online-Shops. So können Händler die Vorzüge des E-Commerce mit dem direkten Kundenkontakt des klassischen Einzelhandels verbinden. Ein maßgeblicher Treiber für diese Entwicklung ist die Click & Collect-Strategie – die Online-Bestellung kombiniert mit einer Selbstabholung durch den Käufer. Je nach Geschäftsmodell wird die Ware aus dem Bestand vor Ort zur Abholung vorbereitet oder mittels Versandpartner an die Filiale vor Ort geschickt – entweder separat oder im Zuge der ohnehin stattfindenden Warenlieferung.

selbstabholung

 

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41 Prozent der untersuchten Onlineshops bieten die Selbstabholung an. Und zwar als alternative Zustellart innerhalb des Bestellprozesses. Zwei Shops sprechen auf ihrer Webseite zwar von einer Abholung im Ladengeschäft, lassen aber eine entsprechende Auswahloption vermissen. Der Vorteil für den Käufer ist die in der Regel kurze Bearbeitungszeit sowie die eingesparten Versandkosten. Bei zwei anderen Shops ist die Selbstabholung aber keine attraktive Option: Sie berechnen eine Gebühr. Einer verlangt sogar zehn Euro als „Handlings-Pauschale“, was den Sinn dieser Lieferoption infrage stellt.

E-Commerce trotz dem steigenden Umweltbewusstsein

Längst haben die großen Logistiker Umweltinitiativen gestartet. Die bekannteste stammt von DHL und heißt GoGreen. Mit „We Do!“ hat Hermes ein vergleichbares Projekt gestartet. Das Ziel: Die CO2-Emissionen innerhalb der Lieferkette reduzieren. Möglichst auf null. Kaum einer der geprüften Online-Shops nutzt das Umweltthema für sich: Nur fünf Prozent setzen auf DHLs GoGreen, einer davon verlangt hierfür einen geringen Aufpreis von fünf Cent. Der Rest macht keinerlei Angaben über umweltfreundliche Versandoptionen und welchen Stellenwert diese im Unternehmen haben.

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Logistik morgen: mehr Flexibilität bei Zeit und Ort

Die Zukunft in der Logistik liegt bei den individuellen Anforderungen der Verbraucher. Definierbare Zeitfenster, noch kürzere Versandlaufzeiten und alternative Zustellmöglichkeiten werden an Bedeutung gewinnen. Hierfür müssen Online-Händler und Versandpartner immer enger zusammenarbeiten, um Verbraucher möglichst früh auf komfortable Versandoptionen aufmerksam zu machen.

Momentan bietet das Gros des E-Commerce noch zu wenig Innovationen bei der Lieferung. Dabei haben die Logistiker bereits neue Produkte im Portfolio, die den Versand beziehungsweise den Empfang von Online-Bestellungen für die Verbraucher einfacher und flexibler gestalten. Wer künftig konkurrenzfähig bleiben und neue Zielgruppen erschließen will, sollte offen für neue Trends wie individuelle Zustellzeiten oder die Same Day Delivery sein. Außerdem sollte der Verbraucher mehr Entscheidungsgewalt bei der Wahl des von ihm favorisierten Paketzustellers erhalten.

 

 

Aufmacherbild: Container Cargo freight ship with working crane bridge in shipyard at dusk for Logistic Import Export background von Shutterstock/ Urheberrecht

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