E-Mail-Verschlüsselung mit Mynigma [Startup-Interview]
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Wie sicher bewegen wir uns im Netz? Diese Frage stellen sich immer mehr Nutzer, die von den zahlreichen Enthüllungen von Edward Snowden verunsichert sind. Das Internet ist schon längst ein unabdingbarer Teil unseres privaten und beruflichen Alltags geworden – neue Dienste müssen her, die uns vor etwaigen Abhöraktionen schützen und uns wieder einen arglosen Umgang mit den Internetdiensten ermöglichen.

Lukas Neumann und Roman Priebe haben einen Dienst namens Mynigma entwickelt, der den E-Mail-Verkehr verschlüsselt und somit gegen unbefugte Dritte abschirmt. In einem Startup-Imterview erläutert Lukas das Konzept von Mynigma.

WebMagazin: Erkläre uns doch bitte das Prinzip von Mynigma, wie funktioniert Eure Idee?

Lukas Neumann: Unser Ziel mit Mynigma ist, sichere E-Mail-Verschlüsselung so einfach zu machen, dass sie wirklich jeder benutzen kann. Deshalb haben wir ein E-Mail-Programm mit eingebauter Verschlüsselung entwickelt, die komplett automatisiert im Hintergrund stattfindet.

Dabei folgen wir einem ganz einfachen Prinzip: Nachrichten, die zwischen Mynigma-Nutzern ausgetauscht werden, sind automatisch sicher und werden grün markiert. Normale, offene E-Mails können natürlich auch gesendet werden.

WebMagazin: Wo steht Ihr bei der Entwicklung von Mynigma gerade und wie finanziert Ihr Euch?

Lukas: Die erste Version für Mac haben wir letzte Woche auf dem Mac App Store veröffentlicht. Im Moment arbeiten wir an weiteren Updates und der iOS-Version. Sobald wir etwas Luft haben, möchten wir mit der Entwicklung eines Outlook-Plugins beginnen.

Im Moment haben wir beide auch noch Teilzeitjobs. Ich bei einem IT-Netzwerk-Dienstleister und Roman als freiberuflicher iOS-Entwickler.

WebMagazin: Was macht Mynigma besonders, wer sind Eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Lukas: Es gibt viele Wettbewerber im Bereich Verschlüsselung, aber die wirklich sicheren Lösungen sind leider von Experten für Experten geschrieben und können von Laien kaum benutzt werden. PGP und S/MIME sind bekannte Beispiele. Ganz abgesehen von der mangelnden Benutzerfreundlichkeit beruhen Sie außerdem auf veralteten Algorithmen und verschlüsseln keine Betreffzeilen.

Gerade im Firmenbereich werden E-Mails auch oft mit Passwörtern verschlüsselt, die dann in einer separaten Mail verschickt werden. Das ist so unsicher, dass man sich den Aufwand auch gleich sparen kann.

Mynigma bietet echte Gerät-zu-Gerät Verschlüsselung. Das heißt, dass der zum Entschlüsseln notwendige private Schlüssel zu jeder Zeit auf dem eigenen Gerät bleibt. Nur Absender und Empfänger können die Nachricht öffnen. Außerdem benutzen wir keine veralteten Algorithmen und verschlüsseln auch die Betreffzeile einer E-Mail.

Bei der Entwicklung dezentraler Verfahren zum Schlüsselaustausch hilft uns die Zusammenarbeit mit Professor Dr. Volker Roth der FU Berlin, dessen Forschung sich mit genau diesem Thema schon sehr detailliert beschäftigt hat.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Eures Monetarisierungskonzepts, wie verdient Ihr Geld?

Lukas: Mynigma soll für Privatnutzer kostenlos werden. Im Vertrieb fokussieren wir uns auf kleine und mittlere Unternehmen, für die wir Mynigma mit einem monatlichen Abo-Modell anbieten. Für kleine Firmen, Anwaltskanzleien oder Steuerberater sind maßgeschneiderte IT-Produkte meistens zu teuer und Lösungen wie PGP zu kompliziert. Mynigma bietet sich in diesem Bereich besonders an. Man lädt einfach eine App herunter und kann schon sicher kommunizieren.

WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von Mynigma gekommen, und was habt Ihr vorher gemacht?

Lukas: Roman hat schon vor zwei Jahren mit der Entwicklung angefangen. Damals – vor dem NSA-Skandal – war das Thema noch nicht so im Brennpunkt wie heute, aber das Problem bestand trotzdem. Das Einrichten und Nutzen sicherer Verschlüsselung wie PGP ist viel zu umständlich. Man muss zunächst einmal die Prinzipien asymmetrischer Verschlüsselung verstehen. Da die meisten Leute auf Mathestunden ziemlich allergisch reagieren, wird sich E-Mail-Verschlüsselung erst dann durchsetzen können, wenn sie so einfach wird wie Internet-Banking. Automatisch und im Hintergrund. Das ist das Prinzip von Mynigma.

Wir haben beide einen mathematischen Hintergrund. Roman hat seinen Bachelor und Master in Cambridge abgeschlossen und danach einen Doktor in Informatik in Oxford gemacht. Ich beende meinen Mathematik-Bachelor hier in Berlin nebenher.

WebMagazin: Was sind Eure nächsten Meilensteine, und was wollt Ihr in den kommenden sechs Monaten erreichen?

Lukas: Unser nächster Meilenstein ist eine iOS-Version von Mynigma. Die Möglichkeiten verschlüsselte E-Mails auf dem Handy zu empfangen und zu senden sind noch sehr überschaubar. Mynigma für iOS wird damit eine ziemlich große Lücke füllen.

Besonders wichtig ist für uns auch ein Outlook-Plugin, das wir mithilfe der Einnahmen im App-Store hoffentlich auch bald herausbringen können.

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