Ebay, verkaufst Du meine Daten?
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Unternehmen wie Amazon, Google und Facebook sitzen auf einer Nutzerdaten-Goldmine und versuchen, diese gewinnbringend auszuschöpfen. In Marketingunternehmen finden sie dabei interessierte Abnehmer, die bereit sind, viel Geld für Informationen zu bezahlen, die Milliarden von User beim Kauf von CDs und Bücher, bei Suchanfragen und auf ihren Profilseiten bereitwillig preisgeben. Wie AdWeek berichtet, gab ebays Digital-Display-Verantwortlicher Stephen Howard-Sarin auf der Programmatic I/O-Konferenz von AdExchnager jetzt bekannt, dass auch das Online-Aktionshaus in Zukunft Daten über die Kaufgewohnheiten seiner Kunden an Dritte verkaufen wird.

Werden Nutzerdaten für kommerzielle Zwecke eingesetzt?

Bisher hatte eBay die gesammelten Daten für eigene Zwecke genutzt, um Kunden Produkte anzubieten, die zum Kaufprofil des Users passen. Nun will das weltgrößte Internetauktionshaus diese Daten kommerzialisieren. Unternehemen können damit in Zukunft erfahren, welcher Käufer wann und wie oft welche Produkte bestellt. Personenbezogenen Daten, wie Name und E-Mail-Adresse sollen dabei nicht weitergegeben werden, sodass Nutzer keine Spam-Nachrichten befürchten sollten. Vielmehr wird beabsichtigt, potenzielle Käufer auf ebay mit passender Werbung auf weitere Produkte hinzuweisen. Vorstellbar wäre eine ähnliche Methode, wie sie auch Amazon verfolgt. Hier werden dem Nutzer ähnliche Artikel zu den bereits angesehenen Produkten vorgeschlagen. Als Beispiel für eine  Kommerzialisierungsmöglichkeit nannte Howard-Sarin, dass ein Abschleppdienst an eBay herangetreten sei, der Werbung speziell für Kunden schalten wolle, die kürzlich Dinge ersteigert hätten, die abgeschleppt oder von LKWs transportiert werden müssen. Ebay sieht hier für beide Parteien Vorteile.

Was verspricht Ebay sich selbst und den Nutzern von vom Datenverkauf?

Generell gilt, dass Kunden vom Datenverkauf an Werbetreibende nur dann profitieren können, wenn Big Data nicht nur zum Wohl der Unternehmen, sondern zur Verbesserung des Kundenservices eingesetzt wird. Eine Studie der Uni Bremen, die zusammen mit Keylens Managment Consulatants durchgeführt wurde, ergab jedoch, dass zumindest in Deutschland viele Kunden keine Verbesserung bezüglich des Service feststellen konnten. Die Mehrzahl der Befragten bewertete die Kundenorientierung der Unternehmen als schlechter als vor fünf Jahren, obwohl immer mehr Informationen gesammelt werden. Lediglich bei Onlinekäufen stellten sie Vorteile auch für den Kunden fest.

Insbesondere im Tourismus gäbe es ein regelrechtes Datenchaos, bemängelte der Ltur Vorstandsvorsitzende Markus Orth gegenüber der Financial Times Deutschland. Anstatt Angebote bereitzustellen, die auf die bekannten Wünsche der Kunden eingehen, würden hier im Gegenteil immer mehr Angebote für zum Teil gar nicht vorhandene Reisen angepriesen.

Es muss also noch einiges verbessert werden, damit sowohl die Kunden als auch die Unternehmen von Big Data profitieren können. Häufig machen es die Onlinehändler vor, wie es gehen kann, doch gerade herkömmliche Unternehmen scheinen noch mit den Datenmengen überfordert. Über allem schwebt dabei die Horrorvorstellung des gläsernen Kunden und eine Überwachung unseres Lebens à la George Orwell. 

Wer sich jetzt dennoch von der neuen Datenkralle Ebay hat abschrecken lassen, sollte einen Blick auf mögliche Alternativen im eCommerce-Bereich werfen. 

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