Nukemap

Echt Jetzt!? Atomkrieg mit Google simulieren
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Solange es Atomwaffen gibt, bleibt das Thema aktuell: Ein Tool für Google Maps und Earth bietet seit einiger Zeit die Möglichkeit, unterschiedliche Atomwaffen auf Städte abzufeuern und die Auswirkungen zu begutachten. Aufklärungsarbeit mit makabren und detailreichen Methoden.

Weder die Gefahr ist neu, noch die Webseite selbst – doch der Abschreckungsfaktor bleibt unverändert aktuell. Auf Nukemap lässt sich der Einschlag einer Atombombe mit allen unheilvollen Details simulieren. In der gewohnten Google-Maps Übersicht bietet die Seite Auswahlkriterien wie die zu bombardierende Stadt, ein Arsenal an verschiedenen Atombomben sowie Sprengstärken und viele weitere Profi-Optionen.

Einstellen, zünden und staunen, was passiert

Über den Button „Detonate“ kann der User die Bombe zünden und die verheerenden Ausmaße begutachten. Zu sehen ist der Schadenumkreis. Unterschiedlich farbige Kreise zeigen an, wie weit der Feuerball oder die Druckwelle sowie die radioaktive Kontamination reichen. Bisher wurden über 42 Millionen Sprengsätze weltweit auf diese Weise getestet. Wer die Simulation mit einer spektakuläreren Animation begutachten möchte, kann auch mit einem entsprechenden Google Earth Plugin die Detonation in 3D verfolgen und sogar noch die Windrichtung mit einkalkulieren. Was nach einem perfiden Spiel klingt ist letztlich ein wissenschaftliches Projekt, dass zur Aufklärung über Atomwaffen beitragen soll.

Einstellungen für die Sprengoptionen in der Sidebar Screenshot: http://nuclearsecrecy.com/nukemap/

Einstellungen für die Schadensoptionen in der Sidebar
Screenshot: http://nuclearsecrecy.com/nukemap/

Wissenschaftliches Projekt zum Spielen

Von historischen Atombomben, die über Japan abgelassen wurden, bis hin zur tödlichsten aller Waffen, der russischen Wasserstoffbombe Tsar Bomba, sowie kleineren Sprengsätzen für terroristische Zwecke stehen dem User die Bandbreite der Massenvernichtungswaffen zur Verfügung. Das Projekt wird seit 2012 von dem US-amerikanischen Wissenschaftshistoriker Alex Wellerstein geführt und erweitert. Der Sinn des Tools bestehe darin, die unterschätzen Auswirkungen eines atomaren Konflikts jedem Einzelnen vor Augen zu führen. Des Weiteren soll der Hergang einer Detonation wissenschaftlich besser erfrischt werden. Das Projekt wird vom Stevens Institut of Technology (College for Arts and Letters) in den USA finanziert.

Im Dienste der Aufklärung?

Während Nukemap sich als eine Form der Aufklärungsarbeit versteht, sind die Sprengeinstellungen und anderen Vernichtungsoptionen hinsichtlich ihres Detailreichtums durchaus fragwürdig – oder vielleicht anders gesagt: zu viel des Schlechten und des Schreckens. In Anbetracht der momentanen politischen Zuspitzung zwischen den westlichen Staaten und Russland ist es dennoch nicht verkehrt, auf die Problematik eines zweiten kalten Krieges mit Atomwaffenwettrüsten aufmerksam zu machen. Auch dann, wenn Mittel wie diese eine drastische Anschaulichkeit bieten.

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