Mit Fitness "die Welt verbessern"

Echt Jetzt?! Fitness-Armband von UNICEF
Kommentare

Der Trend zur Überwachung und Optimierung des eigenen Körpers nimmt immer weiter zu. Gefördert wird das Ganze durch Wearables wie Fitness-Armbänder. UNICEF geht nun einen Schritt weiter und will gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: übergewichtige Kinder sollen abnehmen, während unterernährte Kinder dafür Essen erhalten.

Gutes tun – das möchte jeder gern. Ob mit ausgedehnten Erkältungsbädern, gesundem Essen oder viel Bewegung, die Körper-Optimierung liegt im Trend. Aber nicht nur sich selbst will man Gutes tun, anderen helfen steht bei vielen ebenfalls auf der Wunschliste. Ein gutes Gewissen wirkt sich immerhin letztendlich auch positiv auf das Selbstbild aus.

Nun hat die Hilfsorganisation UNICEF gleich beides unter einen Hut gebracht, und zwar in Form eines Fitness-Armbands. Praktischerweise liegen auch diese Wearables mitten im Trend: Der Wille zur Selbstoptimierung geht heutzutage mit der externalisierten Selbstüberwachung durch Technik Hand in Hand. Beide Aspekte scheinen sich dabei selbst anzufeuern und gegenseitig aufzuschaukeln.

Aber zurück zu UNICEFs Idee: Übergewichtige Kinder in westlichen Ländern sollen zu mehr Bewegung animiert werden, während unterernährte Kinder in Krisengebieten für diese geleistete Bewegung Nahrung erhalten. Die Kampagne läuft unter dem Namen Kid Power derzeit exklusiv in US-amerikanischen Schulen und soll demnächst in andere Länder exportiert werden. Das Motto: „get active. save lives.“

Die Motivation für die teilnehmenden Kinder soll sich idealerweise dadurch erhöhen, dass sie nicht nur selbst gesünder werden, sondern gleichzeitig Kindern auf der anderen Seite der Welt helfen. Auch wird der gemeinsame Prozess der teilnehmenden Schulklassen registriert und veröffentlicht, was für zusätzlichen Ansporn sorgen dürfte.

Eine Win-Win-Situation, bei der nebenbei auch noch die Welt verbessert wird? Auf den ersten Blick mag die Aktion nett klingen: Pädagogische Effekte, bessere Gesundheit, und – am wichtigsten – Essen für hungernde Kinder. Allerdings dürfen auch die negativen Wirksamkeiten nicht außer Acht gelassen werden, in denen sich auch die Problematik von Hilfsorganisationen bemerkbar macht: Welches Bild von den betreffenden nicht-westlichen Ländern wird den Kindern vermittelt? Werden möglicherweise rassistische Denkstrukturen gefestigt? Die pädagogischen Effekte sind am Ende möglicherweise gar nicht so positiv wie es scheint. Die Position des Helfen-Könnens bleibt als Privileg unsichtbar, während Machthierarchien zwischen Ländern verfestigt werden.

Beim genaueren Hinblick offenbart sich die Absurdität der Aktion noch weiter: Wenn das Geld da ist, warum zahlen die Sponsoren die Hilfspakete nicht einfach so? Nur kurz unter der Oberfläche werden hier die Symptome einer ungleichen globalen Verteilung von arm und reich bekämpft, nicht aber die Ursachen. Bei konsequenter Verfolgung dieser Mentalität fehlt als nächste Aktion nur noch: „Pro ausgelassene Mahlzeit ein Hilfspaket in den Südsudan“.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -