Eine digitale Zeitreise durch Bayern mit der kostenlosen App: Bayern in Historischen Karten
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Eine Zeitreise durch Bayerns geografische Geschichte bietet die neue iOS-App „Bayern in Historischen Karten“, die die Bayerische Staatsbibliothek in Zusammenarbeit mit der Münchner Agentur Bokowsy + Laymann entwickelt hat. Für die kostenlose iOS-App wurden historische Kartenwerke aus insgesamt fünf Jahrhunderten digitalisiert und georeferenziert. Das bedeutet, der Nutzer der App kann, sofern er sich in Bayern befindet, seinen aktuellen Standort auf den Karten visualisieren und durch die Geschichte seiner unmittelbaren Umgebung reisen.

Darüberhinaus finden sich in der Applikation passend zum jeweiligen Ort 800 digitalisierte historische Ortsansichten von Michael Wening, Matthäus Merian und Hartmann Schedel sowie 2.500 bayerische Sehenswürdigkeiten, sogenannte „Points-of-Interest“. Diese bestehen unter anderem in Burgen, Klöstern und Schlössern. Damit wird die App zu einem historischen Reiseführer durch den Freistaat.

Wir haben mit dem Stellvertretenden Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek Dr. Klaus Ceynowa und mit Markus Bokowsky, Unternehmensinhaber Bokowsky + Laymann GmbH, über die Entwicklung der App „Bayern in Historischen Karten“ gesprochen:

WebMagazin: Markus, die historischen Karten und Stiche sind vollständig georeferenziert, wie muss man sich das vorstellen?

Markus Bokowsky: Die historischen Karten lagern in digitaler Form auf einem Kartenserver. Wenn eine Position abgerufen wird, lädt diese, ähnlich wie bei Google Maps, Kacheln nach, je nachdem wo man sich gerade befindet.

Die Genauigkeit der der Georeferenzierung bringt den schönen Effekt, dass man auch digital rückwärts durch die Zeit reisen kann. Dabei werden die Karten immer ungenauer. So lässt sich nicht nur die Entwicklung des Landes im Laufe der Jahrhunderte sondern, auch der technische Fortschritt der Landvermessung nachvollziehen.

Die älteste Karte der App von Philip Apian aus dem 16. Jahrhundert war in ihrer Zeit ein fortschrittliches Kartenwerk. Heute ist sie mit seinen reichhaltigen Details eher als Kunstwerk anzusehen. Ab der dritten Karte aus dem Jahr 1782 von Franz Ludwig Güssefeld erkennt man als Nutzer seinen Standort genauer, denn die Landvermessung war damals bereits weiter entwickelt.

Eine vergleichbare App gibt es meines Wissens nicht. „Bayern in Historischen Karten“ ist damit die erste App, die Georeferenzierung mit historischem Kartenmaterial anbietet.

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WebMagazin: Wurden die Karten eigens für die App digitalisiert? Wie geht eine solche Archivierung vonstatten? Schließlich handelt es sich bei den fünf Karten, die den Ausgangspunkt der App bilden, um wertvolle Kulturgüter.

Dr. Klaus Ceynowa: Unter allen Kultureinrichtungen Deutschlands verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten digitalen Datenbestand, der mittlerweile an der Petabyte-Grenze kratz. Wir reden hier von sehr großen Datenmengen.

Wir haben bereits 1997 damit angefangen, unsere Karten zu digitalisieren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat uns dabei unterstützt. Hier kommen spezielle Kartenscanner zum Einsatz, wir besitzen davon eine Flotte bestehend aus 26 Geräten.

Bei manchen Karten mussten die Einfalzungen mit einer speziellen Software digital geglättet werden. Andere Werke waren hingegen in Büchern gebunden und wurden vorsichtig entbunden, um sie scannen zu können. Das verlangt eine konservatorische und restauratorische Vorbehandlung. Diese Arbeiten waren aber bereits abgeschlossen. Was für die App gemacht werden musste, war die Georeferenzierung der historischen Kartenwerke, damit sie wie ein historisches Google Maps genutzt werden können.

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WebMagazin: An den verschiedenen Points of Interest der App finden sich historische Stiche, unter anderem von Wening, Merian oder Schedel. Hierbei handelt es sich um Retina-optimierte Bilder – von welchen Auflösungen sprechen wir hier?

Markus Bokowsky: Zunächst wird ausgelesen, um welches Display es sich bei dem mobilen Endgerät handelt und mit welcher Übertragungsart die Daten geschickt werden, also ob über 3G oder dem WLAN. Abhängig davon werden die Daten runtergerechnet – grundsätzlich ist das Bild doppelt so groß wie das jeweilige Display des Gerätes.

WebMagazin: Welche Rolle spielt bei der Entwicklung der App die Erkennung des Device?

Markus Bokowsky: Die App gibt es derzeit nur für iOS-Geräte, da ist die Erkennung des Device unproblematisch. Schwieriger wird es jedoch bei Android-Smartphones und Tablets, weil es hier größere Schwankungen bei den Auflösungen gibt.

Deshalb nehmen wir uns für die Android-Version mehr Zeit. Schließlich wollen wir, dass die App auf allen Geräten optimal funktioniert. Das heißt, dass an manchen Details noch gefeilt werden muss. Die Android-Variante von „Bayern in Historischen Karten“ wird aber bereits diesen Sommer verfügbar sein.

WebMagazin: Vielen Dank für das Interview.

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