Crowdfunding-Plattform Indiegogo

Erfolgreich auf Indiegogo: Konrad Lauten im Interview
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Bereits 275.000 Kampagnen wurden auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo gestartet, 30 Prozent davon außerhalb der USA. Doch nicht jede Crowdfunding-Kampagne wird von Erfolg gekrönt.

Konrad Lauten ist Marketing und Community Manager Germany bei Indiegogo. Wir haben uns mit Konrad über die geheimen Waffen erfolgreich finanzierter Indiegogo-Kampagnen unterhalten.

WebMagazin: Wie funktioniert Indiegogo?

Konrad Lauten: Bei Indiegogo werden die Ideen Einzelner mit der Hilfe vieler Menschen in die Tat umgesetzt. Auf Indiegogo kann jeder, überall auf der Welt, eine Kampagne innerhalb weniger Minuten starten oder unterstützen. Es gibt unsererseits keinerlei Vorauswahl der Kampagnen. Somit machen wir Crowdfunding ein Stück weit demokratischer und können noch mehr Menschen die Möglichkeit geben, ihre Projekte zu finanzieren. Als Dankeschön für die Unterstützung bieten die Initiatoren dann sogenannte „Perks“, also Gegenleistungen, an. Das ist oft das Produkt selbst, das man sich so vor allen anderen und zu einem günstigen Preis sichern kann. Menschen aus der ganzen Welt steuern jede Woche Millionen von US-Dollar auf Indiegogo zur Realisierung der Ideen anderer bei.

WebMagazin: An wen richtet sich die Plattform?

Konrad Lauten: Wie bereits erwähnt, ist Indiegogo eine Plattform für Jedermann. Und wir sind vor allem eins: global. Bislang haben Menschen aus über 200 Ländern bei uns Kampagnen gestartet oder unterstützt. Die Projekte selbst kommen aus den verschiedensten Bereichen wie Kunst & Kultur, Technologie oder auch soziale Anliegen. Die Bandbreite reicht von innovativer Technologie bis zu Filmen und Theaterproduktionen, von global ausgerichteten Kampagnen bis zu lokalen Projekten, die Initiatoren sind etablierte Unternehmen oder Privatpersonen, viele nutzen Indiegogo auch immer wieder, wenn sie neue Produkte entwickeln oder Projekte aufsetzen wie die Macher der teilweise über Indiegogo finanzierten Science-Fiction-Parodie “Iron Sky”, die gerade auf Indiegogo Geld für die Fortsetzung sammeln. Indiegogo ist die Plattform für Menschen, die Ideen verwirklichen und solche, die sie unterstützen wollen.

WebMagazin: Was zeichnet erfolgreiche Indiegogo-Kampagnen aus?

Konrad Lauten: Zunächst einmal ist die sorgfältige Planung und Aufbereitung der Kampagne ganz wichtig. Am besten die einzelnen Aufgaben gut im Team verteilen. Nach unserer Erfahrung schneiden Kampagnen mit zwei oder mehreren Teammitgliedern weit besser ab als Kampagnen, die von einer Person gestartet werden. Um die Menschen zu erreichen und von der eigenen Idee zu begeistern, ist das Story-Telling enorm wichtig. Hier bietet sich ein kurzes Video an. Auch attraktive Gegenleistungen für die Unterstützung, sogenannte Perks, in unterschiedlichen Preiskategorien spielen eine große Rolle. Das Tolle an Indiegogo ist natürlich auch die globale Reichweite. Doch um diese zu erschließen, sollte jeder erstmal sein eigenes Netzwerk mobilisieren. Dort muss die Initialzündung gesetzt werden. Das waren nur ein paar Aspekte. Ausführliche Infos und Tipps gibt es in unserem Playbook und auf YouTube.

WebMagazin: Wie kalkuliert man die Projekt-Kosten? Welche zusätzlichen Ausgaben müssen berücksichtigt werden? Verlangt Indiegogo eine Provision? 

Konrad Lauten: Wesentlich für die Kalkulation ist, dass neben dem Projekt selbst auch die Kampagne inklusive ihrer Vorbereitung bedacht werden. Das heißt, dass auch die Zeit vor der Kampagne und der Aufwand für Kampagnenbetreuung gut geplant und in das Budget einberechnet werden. Ohne die Einbeziehung dieser Kosten ins Budget kann oft viel Arbeit liegenbleiben. Da sich diese Kosten aber oft auch aus den Bereichen Marketing und Sales budgetieren lassen, kann auch darüber innerhalb des Projektes klargestellt werden, dass es sich beim Crowdfunding nicht nur um eine gute Methode zur Finanzierung handelt, sondern dieses auch einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau einer Community und dem Vorverkauf leistet.

Bei uns gibt es zwei Gebührenmodelle: „Fixed“ und „Flexible Funding“. Das „Flexible Funding“ ist dabei eine Besonderheit von Indiegogo: Damit haben wir das Alles-oder-nichts-Prinzip abgeschafft. Bei anderen Plattformen erhält der Betreiber das Geld nur, wenn das Ziel erreicht wurde. Diese Option besteht auch bei Indiegogo mit dem “Fixed Funding”. Dies ist sinnvoll, wenn es eine feste Schwelle gibt, unterhalb derer es nicht erfolgreich fortgeführt werden kann. Oftmals ist aber auch eine Summe unterhalb des Funding-Ziels sinnvoll zur Fortsetzung des Projekts, womöglich in kleinerem Rahmen, sinnvoll. So geht es beim Crowdfunding nicht nur darum, eine gewisse Summe einzunehmen, sondern es ist ein wichtiges Instrument für Marktvalidierung, Kundenakquise und Marketing. Hierfür gibt es das “Flexible Funding”, bei dem der Betreiber die erzielte Summe in jedem Fall für ihr Projekt verwenden können. „Flexible Funding“ ist bei uns die bei weitem beliebteste Form. Wird die Zielsumme erreicht, sind vier Prozent Gebühren fällig, wenn nicht, neun Prozent. Beim „Fixed Funding“ sind es ebenfalls vier Prozent.

WebMagzin: Was sind die häufigsten Stolpersteine auf dem Weg zu einer erfolgreichen Indiegogo-Kampagne?

Konrad Lauten: Der erste Stolperstein ist, Zurückhaltung bei der Verwirklichung eigener Ideen zu zeigen und erst gar keine Kampagne zu starten. Ein zweiter zu meinen, dass alles schon von allein läuft. Eine Crowdfunding-Kampagne zu konzipieren und durchzuführen, ist richtig Arbeit und lässt sich am besten im Team erledigen. Wie schon erwähnt, sind eine erfolgreiche Planung und Vorarbeit enorm wichtig für den Erfolg der Kampagne.

WebMagazin: Welches ist das bis jetzt erfolgreichste Indiegogo-Projekt? 

Konrad Lauten: Beim Crowdfunding ist Erfolg eine Definitionsfrage. Für den einen sind es ein paar hundert Dollar, um ein Flüchtlingsheim zu verschönern, für den anderen Millionenbeträge um eine 360 Grad-Kamera auf den Markt zu bringen. Für viele ist es wiederum gar nicht so wichtig, das Finanzierungsziel zu erreichen. Ihnen geht es eher darum, den Markt für ein Produkt zu testen und Interessenten zu gewinnen.

Die bislang erfolgreichste Indiegogo-Kampagne ist “An Hour of Code for Every Student”, die den Informatikunterricht an Schulen weltweit fordert und von Unternehmen wie Microsoft und Google sowie Persönlichkeiten wie Bill Gates und Mark Zuckerberg unterstützt wird – indem sie jeden über Indiegogo gespendeten Beitrag verdoppeln. Die Kampagne, die derzeit noch läuft, hat bislang über 4 Millionen US-Dollar eingebracht. Unser größtes deutsches Projekt war mit 1,25 Mio. US-Dollar die Panono-Kamera.

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