Erotik-Startup Amorelie: Mit Pop-Up Shop vom Internet auf die Straße
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Kein Neonlicht, keine Plakate von lasziv-posierenden Frauen oder dunkle Vorhänge, die die Tür verhüllen: Über dem Eingang zur Torstraße 161 in Berlin prangt ein Schild, auf dem in großen Lettern THE ART OF SEX steht. Wir befinden uns vor dem Pop-Up Shop des Erotik-eCommerce-Startups Amorelie.

„Wir wollen diesem ganzen Bereich ein anderes Image geben,“ sagt Amorelie-Mitgründer Sebastian Pollok. „Wir wollen Sex aus dem Schmuddelbereich herausholen, weil wir glauben, da gehört er nicht hin. Sex ist was ganz natürliches.“

Durch große Fenster fällt viel Tageslicht – auf den Sex Shop und auf das Image von Amorelie – kein Rotlicht sondern Tageslicht. Sebastian steht selbstbewusst inmitten des edlen Ausstellungsbereichs: Zeitgenössische Kunst rundet optisch das Konzept ab, das eher an eine Galerie oder an einen edlen Apple-Store für Sexspielzeug erinnert:

„Warum soll es nicht legitim sein, wenn sich Pärchen oder Frauen damit beschäftigen, wie sie ihr Liebesleben verbessern können?“. Sein Blick schweift über die edel verpackten Vibratoren, Kitzelfedern und andere Sex Toys. Hardcore Pornos oder Lack und Leder-Utensilien findet man hier nicht.

„In meiner Heimatstadt könnte ich das nie machen!“

Bald sollen auch Stores in München oder Hamburg folgen. Nur nicht in Bremen, der Heimatstadt des Mitgründers von Amorelie und das hat zwei Gründe: Zum einen sei dort die Sex Toy Industrie bereits gut repräsentiert und „Da wohnen meine Eltern – da könnte ich so was doch nicht machen“, gibt der Gründer mit einem Lachen zu.

Vor dem Geschäft hetzen auf der Torstraße wie gewöhnlich die Leute vorbei – ein gewöhnlicher Mittwochnachmittag in Berlin Mitte. Manche Passanten schauen im Vorbeigehen rein und wundern sich vielleicht, um was für einen Laden es sich hier handelt. Vielleicht ist das der erste Sex Shop in Deutschland, in dem man gerne gesehen werden will, denke ich mir.

Dennoch erledigen die meisten von uns so persönliche Einkäufe im Schutz des anonymen Internets – warum eröffnet also ein Online-Shop ausgerechnet eine Filiale in der nicht-digitalen Welt?

 „Wir wollen diesem ganzen Bereich ein anderes Image geben“, führt Sebastian weiter aus.

„Nicht jeder Sex Shop muss wie ein Beate-Uhse- oder wie ein Orion-Laden aussehen. Man kann das auch mit Kunst verbinden, man kann das hochwertig gestalten“, sagt der Gründer. Mit so etablierten Marken wie Beate Uhse könnte Amorelie wohl auch kaum konkurrieren. Vielmehr hat das Berliner Startup eine Nische gefunden, die es nun besetzen will. Sebastian wirkt auch nicht wie der neue sexuelle Aufklärer der Nation, sondern eher wie ein typischer Geschäftsmann, der genau weiß, was er tut.

Amorelie

© Software & Support Media

Vor allem digitale Brands können davon profitieren

Amorelie spricht Frauen an, die vor dunklen Sex Shops und harten pornografische Darstellungen das Weite suchen und dennoch Interesse an erotischen Hilfsmitteln haben.

Sowohl die Webseite als auch der Pop Up Shop strahlen keine aggressive Sexualität aus, sondern laden zum Verweilen ein. Amorelie soll aber nach wie vor ein Online-Shop bleiben. Handelt es sich bei dem Sexladen also nur eine reine PR-Kampgne oder geht es auch um den Verkauf?

„Beides“, sagt Sebastian. „Beide Aspekte haben für uns eine Rolle gespielt. Wir wollen unsere Kunden gut kennenlernen und wir wollen auch, dass neue Leute uns gut kennenlernen.“ Schließlich ist Amorelie nicht der erste Firma aus dem E-Commerce Bereich, die von dieser Art PR profitiert. Einige Berliner Start-Ups wie Zalando, Stylemarks und Urbanara haben schon erfolgreich gezeigt, wie viel ein Pop-Up Shop zur Webpräsenz beitragen kann.

Berlin als Startup-Hauptstadt

„Vor allem digitale Brands können davon profitieren“, meint Sebastian. „Du kriegst unglaublich Aufmerksamkeit von der Presse, gerade wenn du es dann mit verschiedenen Veranstaltungen verbindest. Aber was online auch oft fehlt, ist der Kontakt zu den Kunden. Gerade Offline kannst du sehen, wer kommt denn hier eigentlich rein. Was für Fragen haben Sie? Was für Sorgen, welche Wünsche? Du hast also einen direkten Draht zu den Kunden.“

„Und in der Startup Hauptstadt Berlin hat man das alles – zusammen mit zahlreichen Investoren, Internet und E-Commerce Experten, dem Kapital von Investoren sowie internationale Muttersprachler für die zukünftige Entwicklung im Ausland“, erläutert Sebastian und blickt aus dem Pop Up Shop auf die Torstraße, dem Epizentrum der Berliner Startup-Szene.

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