Evasion, Jailbreakme 3.0 und Cydia: erst Jailbreak, dann Gefängnis?
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Jailbreak bedeutet wörtlich übersetzt nichts anderes als Gefängnissausbruch. Ein passender Name also, denn für viele Apple-Nutzer stellt ein Jailbreak, also das Entsperren des iOS-Betriebssystems, die einzige Möglichkeit dar, den von Apple auferlegten Fesseln zu entkommen. Bei einem Jailbreak werden Nutzungsbeschränkungen von Geräten wie dem iPhone, dem iPad, dem iPadTouch und dem AppleTV umgangen, um gesperrte Funktionen freizuschalten oder in den Genuss gänzlich neue Features zu kommen. Darüber hinaus sind die Nutzer nach einem Jailbreak nicht mehr an den App Store gebunden, sondern können zum Beispiel auch Apps über den Cydia Paket Manager herunterladen.

Welche Jailbreaks gibt es, wie funktionieren sie und wie sieht die rechtliche Lage in Deutschland aus? In folgendem Beitrag sehen wir uns die Entwicklungsgeschichte der Jailbraeaks an und blicken hinter die Kulissen, der Apple-Lizenz-Philosophie.

Closed-World-Philosophie

Apples Geschäftsmodell beruht auf dem Prinzip, dass die firmeneigene Hardware immer Hand in Hand mit der eigenen Software geht – die sogenannte „Closed World“. Die Vorteile des geschlossenen Apple-Universums liegen dabei zum einen darin, dass die Geräte weitestgehend von Malware abgeschirmt werden. Zum anderen verdient Apple neben dem Verkauf von iPhones und Co. auch bei jedem verkauftem Produkt im App Store oder bei iTunes kräftig mit.

Evasion, Jailbreakme, Limera und Co.

Die Geschichte des Apple-Jailbreaks ist so alt wie das iPhone selbst. Der erste Jailbreak wurde bereits 2007 vom iPhone Dev Team. In einem Video demonstrierten die Entwickler einen personalisierten Klingelton auf dem iPhone der ersten Generation. Seitdem liefern sich Apple und Jailbreaker mit jedem Update des iOS-Betriebssystems ein Katz und Maus Spiel.

In den vergangenen sieben Jahren gab es immer wieder neue Jailbreaks, mit denen iOS-Nutzer ihre Geräte aufgemöbelten haben, hier ist ein kleiner Abriss der verschiedenen Entsperrungs-Softwares. Neben dem Evasion Jailbreak, gibt es auch folgende Jailbreaks: Absinthe, Redsn0w, Jailbreakme, GreenPois0n, Limera1n, Spirit, Blackra1n, Puplera1n, PwnageTool und Seas0nPass. Diese Übersicht zeigt die verschiedenen Jailbreaks, die jeweilige iOS-Version und auf welchen Apple-Geräten sie angewendet werden können.

Folgendes Video zeigt einen der ersten Jailbreaks aus dem Jahr 2007:

Downgrade

Apple versucht mit jedem neuen iOS-Update mögliche Systemlücken in den Vorgängerversionen zu schließen, unter anderem auch, um Jailbreaks zu verhindern. Doch die Jailbreak-Community hat auch hier einen Weg gefunden diese Maßnahme zu umgehen. Bereits 2010 wurde die erste Downgrade-Anleitung veröffentlicht, mit der auch ältere iOS-Betriebssystemversionen auf iPhones und iPods installiert werden konnten. Ältere Jailbreaks waren damit wieder anwendbar.

Evasion, der beliebteste Jailbreak aller Zeiten

Wie Forbes berichtet, wurden nur sechs Wochen nach der Veröffentlichung von Evasion rund 18 Millionen iOS-Geräte gejailbreaket. Das behauptet Jay Freeman, der Administrator des Cydia App Stores. Seine Angaben basieren auf den Download-Zugriffen von gejailbreakten Geräten, auf denen iOS 6 installiert war. Von den insgesamt 18 Millionen Apple-Geräten machten dabei iPhones mit 13,8 Millionen Stück den größten Anteil aus, gefolgt von iPads mit 3,4 Millionen Einheiten und 1,1 iPodTouches.

Damit ist Evasion der beliebteste Jailbreak aller Zeiten und verweist Jailbreakme 3.0 auf den zweiten Platz, der 2011 in den ersten neun Tagen nach seinem Erscheinen rund 2 Millionen Mal auf Apple-Geräten angewendet wurde. Während Apple jedoch bei Jailbreakme 3.0 in kürzester Zeit mit einem iOS-Update regiert hatte, ließ sich Apple nun beim Evasion Jailbreak deutlich mehr Zeit. So verstrichen mehrere Monate bis mit dem Update iOS 6.1.3 die Sicherheitslücke geschlossen wurde, über die sich Evasion Zugang zum System verschaffte.

Risiko eines Jailbreaks

Apple warnt vor Jailbreaks und droht, dass durch derartige Eingriffe in das System die Herstellergarantie erlischt und sieht durch Jailbreaks seine Rechte als Lizenzgeber verletzt. Darüber hinaus behauptet das Unternehmen, dass es durch das Entsperren der Software zu Sicherheitslücken, einer verkürzte Batterielaufzeit, einer unzuverlässige Sprach- und Datenübertragung, Dienststörungen sowie zu einer allgemeinen Instabilität des Geräts kommen könnte, die sogar den Verlust von Daten zur Folge haben könnte.

In einem Apple-eigenen Artikel, der technische Probleme von Kunden, behandelt, die nicht autorisierte Veränderungen an iOS vorgenommen haben, also einen Jailbreak, heißt es:

Bei nicht autorisierten Änderungen an iOS („Jailbreak“) werden Sicherheitsfunktionen umgangen. Dies kann zu zahlreichen Problemen am gehackten iPhone, iPad oder iPod touch führen.

Jailbreak legal oder illegal?

Schon zwei Jahre nach dem Erscheinen des ersten Jailbreaks hatte Apple Klage in den USA eingereicht und stützte sich dabei auf den sogenannten Digital Millenium Copyright Act, welcher die Rechte von Copyright-Inhabern erweitert. Das Gericht wies die Klage mit der Begründung ab, dass es sich beim Entsperren des iOS-Betriebssystems um „fair use“ handele.

Hierzulande kann grundsätzlich jeder mit seinem Eigentum tun was er will. Im Fall von Betriebssystemen gestaltet sich der Sachverhalt jedoch etwas anders. Denn ein Jailbreak verändert eine Software, die Apple in diesem Fall lediglich lizenziert. Ein iPhone-Nutzer erwirbt zwar das Eigentum an dem Gerät, nicht aber an dem Betriebssystem. Genau genommen überlässt Apple dem User das Programm, damit er damit das Endgerät nutzen kann.

Demnach startet genau genommen bereits mit der Inbetriebnahme des iPhones oder iPads ein Lizenzvertrag zwischen dem Unternehmen und dem Nutzer, der durch Allgemeine Geschäftsbedingungen geregelt ist. Hierin macht Apple klar, dass die Lizenz nur eingeschränkt und auf einem einzigen iOS-Gerät gestattet ist. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der iOS-Software heißt es:

Es ist Ihnen nicht gestattet und Sie verpflichten sich, es zu unterlassen und Dritten nicht zu gestatten, die iOS Software oder jegliche Dienste, die von der iOS Software bereitgestellt werden, oder Teile davon zu kopieren (sofern dies nicht ausdrücklich im Rahmen dieses Lizenzvertrags gestattet ist), zu dekompilieren, zurückzuentwickeln, zu disassemblieren, zu modifizieren, Versuche zur Ableitung des Quellcodes zu unternehmen oder abgeleitete Werke der iOS Software oder jeglicher in der iOS Software enthaltener Dienste oder Teilen davon zu erstellen (sofern dies nicht und nur in dem Ausmaß, in dem jegliche vorgenannte Beschränkung durch gesetzliche Vorschriften untersagt ist oder durch die Lizenzbestimmungen, die die Nutzung von möglicherweise in der Apple Software enthaltenen Open-Source-Komponenten regeln, gestattet ist).

Deutsche Rechtslage unklar

Dennoch ist in Deutschland die Rechtslage nicht eindeutig. So streiten sich Juristen, ob Apples allgemeine Geschäftsbedingungen überhaupt klar und verständlich formuliert sind. Denn nach deutschem Recht sind die Bestimmungen in AGB unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Solch eine unangemessene Benachteiligung kann sich beispielsweise daraus ergeben, dass die Bestimmung nicht klar und verständlich ist. Auch der Zeitpunkt des Inkrafttretens der Lizenzbedingungen ist streitig. Bereits beim Kauf der Geräte oder erst bei deren Aktivierung?

Solange also die Frage nach der rechtlichen Wirksamkeit dieser AGB nicht endgültig geklärt ist, bewegen sich Apple-Nutzer, die Ihre Geräte jailbreaken, in einer rechtlichen Grauzone.

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