Facebook erfindet das Apperating System – ein ungebetener Gast auf der Party [Kommentar]
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Wenn man sich aktuelle Statistiken im Mobile Sektor ansieht, zeichnen sich zwei große Player ab: Google und Apple teilen sich mit ihren  Betriebssystemen Android und iOS das Fell des Bären. Mitbewerber müssen mit dem Rest vorlieb nehmen, es sei denn, sie lassen sich etwas ganz neues einfallen, um bei der großen Mobile-Party mitzufeiern und ordentlich zu verdienen.

Facebook Home ist nun wenige Tage alt und präsentiert sich weder als App noch als Betriebssystem, sondern als eine Art Zwischenlösung. Ist das die Eintrittskarte ins Big Mobile Business?

Apperating System – der Stein der Weisen?

In die Party der Mobile-Giganten platzte Facebook wie ein ungebetener Gast, der mitfeiern will und seine eigene Musik mitgebracht hat. Entgegen vieler Erwartungen handelte es sich bei dieser Musik aber nicht um ein Facebook Phone mit eigenem Facebook-Betriebssystem, sondern um Facebook Home, das sich wie eine Schlingpflanze um Android-Smartphones legt und sie sich damit zueigen macht.

Viele Beobachter schmunzeln über Facebook Home: Facebook gehe mit einer App statt einem mobilen Betriebssystem auf Nummer sicher, hieß es in vielen Berichten über das Facebook Event. Andere Beobachter wie beispielsweise Wired haben hingegen den Blick fürs „Big Picture“ bewiesen und erkannt, dass Facebook etwas ganz anderes im Sinn haben könnte und vielleicht sogar den Stein der Weisen entdeckt hat: das Apperating Sytem.

 

Diese neue Wortschöpfung ergibt sich aus den Begriffen Applikation und Operating System. Tatsächlich ist Facebook Home weitaus mehr als eine App. Genau genommen nistet sich die Software zwischen dem mobilen Betriebssystem Android und den Applikationen auf dem Smartphone ein.

Der ungebetene Partygast Facebook hat also nicht nur seine eigene Musik mitgebracht, er dreht sie auch voll auf und übertönt damit alles.

Alte Idee – neuer Ansatz

Natürlich hat Facebook diese Technologie nicht erfunden, im Grunde genommen funktioniert Facebook Home wie ein klassischer Android Launcher, also eine Software, die die herkömmliche Android-Benutzeroberfläche des Geräts durch eine eigene Oberfläche ersetzt und einen erweiterten Funktionsumfang sowie Anpassungsmöglichkeiten für die Homescreens und den App Drawer bietet.

Doch Facebook geht mit Facebook Home noch einen Schritt über das bekannte Launcher-Konzept hinaus. Als Apperating System verpasst Facebook dem Smartphone nicht nur ein anderes Design und User Interface – das machen Launcher auch. Mit Facebook Home ist das soziale Netzwerk auf dem Smartphone omnipräsent. Dazu gesellen sich „social features“, die ganz gezielt die Anforderungen eines Facebook-Users im Fokus haben: Der Titel-Feed hebt von Freunden geteilte Inhalte hervor, laufende Aktionen des Smartphones werden durch Benachrichtigungen über Anrufe, Veranstaltungen oder Facebook-Aktualisierungen unterbrochen und sogenannte „Chat Heads“, sprich Facebook-Profilfotos, legen sich als Overlay über den Bildschirminhalt und informieren über Nachrichten von Freuden.

Angesichts dieser tiefen Integration geht das Facebook-Home-Konzept auch über die angepassten Android-Oberflächen von Samsung (TouchWiz) oder HTC (Sense) hinaus. Denn die verbannen die installierten Apps nicht in die zweite Reihe. Facebook Home tut genau das und will als zentrale Schaltstelle das Smartphones alle Aktionen kontrollieren.

Dabei agiert Facebook Home so elegant wie eine zweite Haut, die man dem Android-Betriebssystem übergestülpt hat: Das Gerät bleibt leistungsstark, erweiterbar und kompatibel zu gängigen Android-Apps.

 

 

apperating system

Quelle aller Bilder: Facebook Home

Beim Amazon agbeschaut?

Werfen wir einen Blick auf Amazons Kindle-Fire-Geräte, hier findet sich ebenfalls eine Art Apperating System. Amazon hat kein eigenes Betriebssystem entwickelt, sondern Android als Basis für seine Software verwendet – immer gepaart mit speziell dafür vorgesehener Amazon-Hardware versteht sich. Auch hier geht der Home-Ansatz einen Schritt weiter, denn Facebook hat es tatsächlich als erstes Unternehmen gewagt, nur eine Software anzubieten, die man auf bereits existierende Gerät herunterladen kann.

Was ist mit iOS? 

Mark Zuckerberg beteuert, dass Facebook keine eigenen Geräte bauen, sondern mit Facebook Home bereits bestehende Android-Smartphones erreichen will, um damit mehr, der immerhin eine Milliarde Nutzer weltweit, erreichen zu können. Klingt irgendwie logisch.

Wenn wir uns die Liste der Geräte, auf denen Facebook Home tatsächlich installiert werden kann, einmal genauer ansehen, merken wir aber schnell, dass nur ein erlesener Kreis der Android-Nutzer die Software installieren kann. Von den unzähligen Facebook-affinen iPhone-Usern ganz zu schweigen.

Entsprechend gilt es für Facebook Home sich zunächst auf dem Android-Markt durchzusetzen. Und sicher werden wir bald hören, ob Facebook Home auch auf iOS Geräten ein Zuhause finden kann. Das darf jedoch stark bezweifelt werden, denn es gibt keine Anzeichen, dass Apple von seiner geschlossenen Softwarearchitektur, die solch tiefgreifende Veränderungen durch eine fremde Software nicht erlaubt, abrückt. Ähnliches gilt für die Betriebssysteme Windows Phone oder BlackBerry, die ebenfalls nicht so viele Änderungen im System zulassen wie Android.

Fest steht: Apperating Systems werden uns in Zukunft weiter begleiten. Das Konzept wird Überarbeitungen erfahren. Und richtig implementiert ist es für viele Player auf dem Markt eine überaus attraktive Möglichkeit, sich ins mobile Rampenlicht zu setzen. 

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