Facebook geht gegen „unsichtbare“ Nutzer vor und überarbeitet Privatsphäre-Einstellungen
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Gerade in Deutschland ist die Privatsphäre im Netz ein heikles Thema. Datenschützer gehen hierzulande schneller auf die Barrikaden als in anderen Ländern. Und die längst noch nicht in Vergessenheit geratene NSA-Affäre bestärkt die Angst der User vor dem gläsernen Bürger. Facebooks jetzt bekannt gemachter Entschluss, die Privatsphäre-Einstellung “Wer-kann-deine-Chronik-über-den-Namen-finden” zu entfernen, wird mit Sicherheit auch wieder für Gesprächsstoff sorgen.

Eigentlich dürfte aber jedem klar sein, das Facebook kein Subunternehmen der Heilsarmee ist. Der Social-Media-Riese will – und wollte auch schon immer – Geld verdienen. Die Milliarden an Umsatz generiert das Unternehmen größtenteils durch Anzeigenmarketing auf hohem Niveau. Ähnlich wie auch Google analysiert Facebook Nutzerpräferenzen ganz genau, um stark personalisierte Werbung zu schalten. Und daran ändert sich auch nichts, wenn man als User noch so viele “Privatsphäre-Schalter” umlegt.

Tatsächlich unsichtbar war man noch nie!

Die “Wer-kann-deine-Chronik-über-den-Namen-finden-Option” ist nur eine vermeintliche Privatsphäre-Funktionen. Zwar stellt sie sicher, dass man – wie der Name schon sagt – nicht über die Suchleiste gefunden werden kann, wenn Fremde Euren Namen eingeben. Allerdings, und das war nicht jedem klar, können Fremde trotzdem Eure öffentliche Timeline über zahlreiche Umwege durchstöbern. Zum Beispiel dann, wenn sie Euren Namen in der Freundesliste eines Freundes oder über einen Eurer Likes gefunden haben. Tatsächlich unsichtbar war man also nie, das würde dem Prinzip eines sozialen Netzwerks aber auch widersprechen.

Screenshot: Facebook Privatsphäre-Einstellungen

Um diese Option geht es / Screenshot: Facebook Privatsphäre-Einstellungen

Screenshot: Facebook Privatsphäre-Einstellungen

Hat man die Funktion seit Dezember nicht beutzt, ist sie schon nicht mehr sichtbar / Screenshot: Facebook Privatsphäre-Einstellungen

Privatsphäre-Optionen gibt es auch weiterhin

Facebook hat sich nun entschieden, dieser aus seiner Sicht “alten Funktion” in den nächsten Wochen den Garaus zu machen. Grund dafür ist die neue Graph Search, die einige vielleicht sogar schon verwenden (wenn Ihr sie noch nicht habt, stellt in den Kontoeinstellungen die Sprache auf „Englisch US“). Diese soll es den Mitgliedern des Netzwerks erleichtern, bestimmte Personen, Firmen oder Marken zu finden. Ein verstecktes Profil würde die neue Suche dabei behindern.

Wenn Ihr die Option “Wer-kann-deine-Chronik-über-den-Namen-finden” schon jetzt nicht mehr in Euren Privatsphäre-Einstellungen findet, kann das folgenden Grund haben: Facebook hat die Option im vergangenen Dezember bei allen Nutzern, die sie damals de facto nicht nutzten – soll heißen dort „Alle“ eingestellt hatten – bereits entfernt. Sie wird also in diesen Fällen schon jetzt nicht mehr unter dem „Wer kann nach mir suchen?“-Abschnitt angezeigt.

Völlig auf Privatsphäre verzichten, muss aber keiner. Die schon seit längerer Zeit eingeführten Privacy-Buttons, erlauben es, jeden einzelnen Post auf Facebook in seiner Sichtbarkeit zu beschränken. Zum Beispiel können Status-Posts nur für Freunde, nur für eine Gruppe oder nur für einen selbst (only me) sichtbar sein.

Aufmacherbild: Hot key for friends von Shutterstock / Urheberrecht: arka38

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