Facebook Graph Search: großer Hype, aber nichts dahinter?
Kommentare

Mit der Vorstellung seiner überarbeiteten Suchfunktion Graph Search hat Facebook letzte Woche die Schlagzeilen beherrscht. Die Billionen von Likes und Shares auf dem Social Network könnten durch die neue Suche eine Bedeutung erhalten, die man kaum hoch genug einschätzen kann, schrieben auch wir. Denn durch die Personalisierung der Suchergebnisse müssten doch, so die vorherrschende Meinung, bei bestimmten Suchanfragen extrem nützliche Suchergebnisse ausgespuckt werden.

Schließlich ist man ja in der Regel mit Leuten befreundet, deren Geschmack, Vorlieben oder Meinungen man schätzt oder zumindest respektiert. Also darf man auch hochgesteckte Erwartungen haben, sucht man beispielsweise ein Restaurant in Wiesbaden, dass meine Freunde auch mögen.

Doch Steve Cheney hat in seinem Blog eine ganz andere Meinung: die Korrelation zwischen dem, was ich beabsichtige zu suchen, und meinen sozialen Interaktionen mit anderen im Bezug auf Interessen oder Orte ist deutlich schwächer als uns Facebook glauben machen will.

Cheneys Meinung zufolge handelt es sich bei dem Großteil der Daten, auf die sich Graph Search stützt, um schmutzige und irrelevante Daten („dirty and irrelevant“).

Warum? Zum einen, weil es nicht notwendigerweise einen Zusammenhang zwischen einem Like und dem tatsächlicher Mögen eines Ortes, einer Marke oder einer TV-Serie gibt. Ein Grund sind beispielsweise die hundertausenden Likes, die große Marken im Rahmen von Gewinnspielen einstreichen. Unzählige User klicken bei solchen Aktionen lediglich auf „Gefällt mir“, um teilzunehmen.

Ähnlich verhält es sich bei Likes für Restaurants. Bekommt man Pizza Hut ausgespuckt, weil man nach populären Pizzerien in der Nähe gesucht hat, war dieses Suchergebniss womöglich nicht im Interesse des Suchenden. Soll heißen: Ein Like ist nun mal kein Qualitätsmerkmal.

Auch wir haben beim Testen der Graph Search eine ähnliche Erfahrung gemacht. Bei der Suchanfrage „Restaurants, die meine Freunde besucht haben“ landet der Hot Dog Imbiss im Ikea an zweiter Stelle auf. Ok, zwar ziehe ich mir traditionell einen Hot Dog rein, wenn mich meine bessere Hälfte zum Ikea geschleppt hat, als Restaurant-Tipp bringt mich dieses Suchergebnis jedoch nicht weiter.

Graph Search Restaurant
Die Suche nach „Restaurants, die meine Freunde besucht haben“ fördert erhellendes zutage: Offensichtlich isst mein Freundeskreis gerne bei Ikea…

Steve Cheney hat auch eine mathematisch einleuchtende Erklärung. Zwar hat Facebook erklärt, die Graph Search bediene sich einer Billion Verknüpfungen. Schaut man sich diese Zahl jedoch genauer an, ist das ganze nicht mehr so eindrucksvoll. Denn bei einer Milliarde Mitglieder bedeuten die eine Billion Verknüpfungen lediglich, dass jedes Mitlied durchschnittlich nicht mehr als eintausend Events, Fotos, Orte oder andere Dinge in seinem Profil geliked, geteilt oder sonst wie verknüpft hat. Übrigens sind die meisten dieser Dateneinheiten Fotos. Keine wirklich verlässliche Grundlage, um mir hilfreiche Anregungen zu geben, wenn ich ein Restaurant suche.

Quelle alle Bilder: Facebook.com

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -