Facebook Home – das sagen die Experten
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Seit Freitag ist Facebook Home im Google Play Store erhältlich – und wird von negativen Bewertungen überhäuft. In Deutschland zunächst mit erst einiger Verzögerung verfügbar, kommt Facebook Home in 3.950 Bewertungen derzeit lediglich auf einen Durchschnittswert von 2,4 bei 5 möglichen Sternen. Fast 50 Prozent der User vergaben nur einen Stern. Zum Vergleich: Die normale Facebook-App für Android erzielt einen Durchschnittswert von 3,6. Der Fairness halber muss man anmerken, dass Facebook Home bisher nur mit wenigen Android-Geräten kompatibel ist – dem HTC One, One X(+) sowie dem Samsung Galaxy S3, S4 und Note II. 

Kein guter Start also für das Apperating System, wie Facebook Home zuweilen im Web genannt wird. Wir haben zwei ausgewiesene Facebook-Experten nach ihrer Meinung zur Android-Offensive des sozialen Netzwerks gefragt.

„Ich will nicht mein Phone anschalten und als erstes ein Partyfoto sehen!“

Stefanie Hoffmann, GabiFür Stefanie Hoffmann (im Foto links), Gründerin von loui Apps, die mit der Facebook-Aggregator-App Gabi in diesem Jahr den Special Jury Award bei den MobileTech Awards gewannen, steht Facebook Home eher skeptisch gegenüber. Die Dominanz von Facebook auf dem Startbildschirm ist für sie nur etwas für richtige Facebook-Addicts. Ein schnelles Browsen sei hingegen nicht möglich. „Ich sehe keinen Mehrwert, der mir geboten wird,“ erklärt Stefanie gegenüber WebMagazin. Sie kann sich sogar vorstellen, dass gerade Berufstätige eher abgeschreckt werden. „Man will ja nicht das Phone anschalten und als erstes ein Partyfoto sehen.“ 

Ihrer Meinung nach hat sich Facebook die Übernahme der Homescreen-Vorherrschaft ein bisschen zu einfach vorgestellt: „Das Smartphone ist für viele zu einem vielseitigen Tool geworden, einem Werkzeug, das sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse durch Apps und Widgets zuschneiden lässt.“
Social, so Hoffmann, sei nur einer dieser Use Cases und im Fall von Facebook Home blockiert Social erst einmal alle anderen Use Cases. „Facebook verstellt mir also erst einmal den Weg, bevor ich das mit meinem Phone machen kann, was ich will. Beispielsweise Google Maps, die zweitmeistbenutzte App: Wenn ich nach dem Weg suche, will ich nicht erst ein Foto von einer Katze sehen.“

Die Facebook-Philosophie ist „People – not Pages“

Martin Szugat, SnipclipFür Martin Szugat (im Foto links), Facebook-Experte und Geschäftsführer der Social-Media-Agentur SnipClip, ist Facbook Home der nächste logische Schritt für das Unternehmen Facebook. Dabei hat er mehr Vertrauen in den Use Case Social: „Auf dem Desktop ist Facebook.com bereits die Startseite ins Internet. Mit Facebook Home wird Facebook zum Startscreen auf mobilen Endgeräten. Die Freunde statt Apps ins Zentrum von Facebook Home zu stellen, folgt dabei der Facebook-Philosophie ‚People – not Pages’.“

Was die Erfolgschancen betrifft, sieht er diese bei einer Umsetzung mit guter Usability als sehr positiv. „Vorbild ist hier das Windows Phone, welches mit seinen Live-Kacheln auf dem Startscreen ebenfalls die Freundesaktivitäten stärker ins Zentrum der Nutzeraufmerksamkeit gesetzt hat.“

Das „Apperating System“ empfindet Martin als tolle Wortschöpfung, „aber personalisierte Startscreens für (mobile) Betriebssysteme gibt es nicht erst seit Facebook Home. Android ist (und bleibt hoffentlich) ein offenes Betriebssystem. Facebook hat diese Offenheit konsequent genutzt und bietet dem Nutzer eine neue, eine personalisierte User Experience an, bei dem die Freunde und deren Posts, Fotos etc. in den Mittelpunkt rücken.“ 

Auch sein Daily Business sieht Martin durch neue Facebook-Dimension vor Veränderungen gestellt, denn als konsequente Weiterentwicklung von Facebook wird Facebook Home – sofern die Rechnung von Facebook aufgeht – die Verweildauer auf Facebook erhöhen. „In den USA verbringen die Nutzer bereits 23 Prozent ihrer Zeit mit dem Smartphone auf Facebook“, erklärt Martin. „Diese Zahl wird steigen und dadurch die Notwendigkeit für Unternehmen auf Facebook nicht nur präsent, sondern auch aktiv zu sein, also auf ihrer Facebook Page ein starkes Engagement der Fans zu erzielen und über Facebook Apps und insbesondere Facebook Connect-Lösungen die Nutzer anzuregen, miteinander über Unternehmen und Produkte zu kommunizieren.“

Der springende Punkt liegt laut Martin darin, „den Newsfeed als C2C-Kanal zu verstehen und für die eigene Marke zu nutzen. Facebook Home wird diese Entwicklung beschleunigen und verstärken.“

Dann hat Facebook Home sicher auch direkte Auswirkungen darauf, wie er seine Kunden berät? „Ja, wobei wir nicht erst seit Facebook Home unseren Kunden empfehlen, in Richtung Mobile First, Responsive Design sowie langfristigen Social Commerce oder Utility-Lösungen zu denken. Kampagnen sind sicherlich weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Social Media Marketings, langfristig geht es aber darum das eigene Geschäft in Social (Online) Business zu transformieren und Facebook als Plattform und nicht nur als reinen (Marketing-)Kanal zu betrachten.“

Fazit 

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Mitglieder die Mobile-Weiterentwicklung von Facebook angenommen haben und die Fokussierung auf den Use Case Social mitmachen.

 

 

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