Facebook Home: FAQ beantwortet Privatsphärefragen nur vage
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Vergangenen Donnerstag hat Facebook die neue App Facebook Home vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Launcher, den es ab Freitag kostenlos im Google Play Store gibt. Facebook Home ersetzt die herkömmliche Android-Benutzeroberfläche und macht das soziale Netzwerk auf dem Smartphone allgegenwärtig: Der Titel-Feed hebt von Freunden geteilte Inhalte hervor, laufende Aktionen des Smartphones werden von Benachrichtigungen über Anrufe, Veranstaltungen, Messages oder Facebook-Aktualisierungen unterbrochen. So sollen sich beispielsweise sogenannte „Chat Heads“, sprich Facebook-Profilfotos, als Overlay über den gerade angezeigten Bildschirminhalt legen und über Nachrichten von Freuden informieren.

Angesichts dieser Zentrierung auf Facebook war klar, dass sich kritische Stimmen zu Wort melden, die die Privatsphäre des Nutzers in Gefahr sehen. Facebook hat umgehend darauf reagiert und eine spezielles FAQ zu Privatsphärefragen veröffentlicht.

Darin erfahren wir, dass

  • man nicht Facebook Home benutzen muss, um auf Android auf seinen FB-Account zuzugreifen.
  • man Facebook Home nach der Installation auch abschalten kann; auch die Übernahme des Lockscreens durch Home lässt sich unterbinden.
  • Facebook Home folgende Informationen sammelt: Interaktionen mit dem Dienst wie Likes, Kommentare oder das Versenden von Nachrichten sowie andere Formen des Gebrauchs. Darüber hinaus weiß Facebook über die Apps Bescheid, die man im Home app launcher eingestellt hat. All diese Infos werden für 90 Tage „in identifiable form“, also nicht anonym, gespeichert. Bei Smartphones, die Home vorinstalliert haben, werden auch Informationen zu App-Benachrichtungen gespeichert (welche App hat eine Benachrichtigung generiert, nicht der Inhalt der Benachrichtigung).
  • Facebook Home Ortsangaben genauso verarbeitet wie die herkömmliche Facebook-App. Was wie gespeichert wird, erfährt man in den Facebook-Nutzungsbedingungen und Richtlinien und im Facebook Home Help Center.
  • der User die Kontrolle über die Ortsangaben behält und sie wie bei anderen Apps auch abschalten kann.
  • Facebook Home keine Informationen darüber speichert, was der User in anderen Apps tut. So soll Home nur über das Bescheid wissen, was man in Home tut. Wie bereits erwähnt, sieht Facebook, dass man eine Kartenapp aus dem Launcher gestartet hat. Allerdings erhält Facebook keine Infos darüber, welchen Ort man beispielsweise in der Kartenapp aufgerufen oder gesucht hat.
  • man mehr über das Verhalten von Facebook Home in den bereits erwähnten Facebook-Nutzungsbedingungen und Richtlinien und im Facebook Home Help Center erfährt.

Vorgegaukelte Transparenz

Auch wenn Facebook schnell reagiert hat und auf den ersten Blick Transparenz demonstriert, bleiben Fragen offen. Was passiert beipielsweise nach den erwähnten 90 Tagen, in denen die gesammelten Daten vollständig identifizierbar gespeichert werden? Die gewählte Formulierung legt nahe, dass Facebook die gesammelten Infos dann nicht löscht, sondern lediglich in anonymisierter Form weiterverwendet.

Darüber hinaus unterscheidet sich das Prinzip der Datensammlung in Facebook Home zwar nicht vom herkömmlichen Data Mining in der App oder der Desktop-Version. Allerdings werden aufgrund der Einbindung ins System als Launcher mehr Daten gesammelt als es der herkömmlichen Facebook-App überhaupt möglich ist (beispielsweise das Loggen von gestarteten Apps).

Das Ziel hinter Facebook Home ist klar.Obwohl bei der Präsentation die Bedeutung von personenbezogenen Daten von Facebook-Usern erwartungsgemäß heruntergespielt wurde, sieht Facebook vor allem in einem Bereich eklatanten Verbesserungsbedarf: Die mobilen Anzeigen müssen relevanter werden. Und um das zu erreichen, benötigt man vom einzelnen User noch mehr Daten. Und genau das soll Facebook Home bewirken. Es soll den Nutzer dazu bringen noch mehr Daten preiszugeben – und zwar am besten ohne dass er/sie merkt, welchen Umfang die Daten haben. Es wird dem User einfacher gemacht Likes abzugeben oder einen Kommentar zu schreiben.

Dass das Unternehmen Facebook diesen Kurs einschlägt ist legitim. Genauso legitim ist es, diesen Kurs als „Mission“ zu verkaufen, als „Mission, die Menschen in die Lage zu versetzen zu teilen und die Welte offener und verbundener zu machen“ (Zitat aus Mark Zuckerbergs Facebook Home Keynote). 

Aber es ist ebenfalls völlig legitim (und nachvollziehbar), dass ich mir angesichts dieses Marketing-Blablas vorkomme, als wolle mich Herr Zuckerberg für dumm verkaufen.

Leak von Facebook Home kursiert im Netz

Wer jetzt tatsächlich noch neugierig genug ist und nicht mehr bis Freitag warten möchte, kann eine geleakte Vorversion von Facebook Home ausprobieren. Wie die Website MoDaCo meldet kursiert eine bugbehaftete und unvollständige Version im Netz. So soll beispielsweise das „Chat Heads“-Feature nicht funktionieren und Geräte mit einer Auflösung höher als 1.280 x 768 Pixel werden nicht unterstützt. Außerdem muss man in der Lage sein, bereits auf dem Gerät befindliche Facebook-Apps komplett zu entfernen (bei manchen Geräten ist die Facebook-App Teil des ROMs).

Der Leak besteht aus drei einzelnen APKs, die man alle installieren muss. Weitere Infos findet Ihr hier: http://www.modaco.com/page/news/_/android/facebook-home-pre-release-leaks-r1028

Und bitte denkt dran: Wenn Ihr den Leak ausprobiert, tut Ihr das auf eigene Gefahr!


Bildquelle: Screenshot Facebook

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