Facebook, Slingshot und der Kampf um die User
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Ideen mit Potenzial, die Facebook nicht kaufen kann, werden kurzerhand von der Social-Media-Plattform nachgemacht. Wie es mit Zuckerbergs Kauflust aussieht, hat die Welt bei der spektakulären Übernahme von WhatsApp gesehen. 19 Milliarden US-Dollar waren Facebooks CEO nicht zu viel, um sich ein erfolgreiches Geschäftsmodel einzuverleiben, das nicht von ihm stammt. Es hagelte Kritik von allen Seiten, doch kurze Zeit später folgte schon der nächste Kauf und Facebook übernahm die Oculus VR, um den Virtual-Reality-Bereich dank des schon vorhandenen Know-hows der Oculus-Rift-Entwickler auszubauen. 

Facebooks Geschäftsmodell: Wenn die Übernahme nicht klappt, wird kopiert

Jetzt zeigt Facebook, dass das Unternehmen auch kopieren kann. Denn all die lukrativen Angebote, die Zuckerberg den Snapchat-Entwicklern machte, brachten nichts. Trotz Übernahme-Summen in Milliarden-Höhe blieb das Startup aus Los Angeles standhaft und behielt seine Idee selbstzerstörender Bilder für sich – zum Ärger der Social-Media-Plattform, die, so scheint es, all die Kreativität – eigene und fremde – unter dem riesigen Facebook-Dach vereinen möchte. Deswegen steckten die Entwickler des Creative Labs die Köpfe zusammen und brachten Slingshot auf den Markt

1,2 Milliarden Nutzer sind nicht genug

Denn trotz der 1,2 Milliarden User gilt es für Zuckerberg scheinbar, die restlichen sechs Milliarden Menschen, die die Erdkugel zu bieten hat, auch noch für sich zu gewinnen. Gleichzeitig springen die bereits angemeldeten User teilweise ab. Fast 11 Millionen junge Nutzer kehrten seit 2011 dem sozialen Netzwerk den Rücken. Statistiken zufolge wechseln jüngere User verstärkt zu der Konkurrenz à la WhatsApp, die von Anfang an auf den Mobile-Trend setzte und zwar mit einer auf das Wesentlichste reduzierten Anwendung – nämlich auf mobile und schnelle Kommunikation

Virtuelle Währung, Satelliten-Internet, Virtual Reality – alles für die Zielgruppe

WhatsApp-Problematik hat Facebook mittlerweile wenig elegant gelöst – gekauft. Nun gilt es, die User weiterhin für sich zu begeistern, mit verstärktem Fokus auf junge Zielgruppe. Ob mit der eigenen virtuellen Währung, mit Satelliten-Internet in abgelegensten Regionen der Erde, mit noch nie da gewesenen Virtual-Reality-Erfahrungen (Oculus-VR-Deal lässt grüßen) oder eben mit der letzte Woche erschienenen Slingshot-Anwendung für den flüchtigen Bilder- und Videoaustausch unter den Usern.

Slingshot und Snapchat – ein kleiner, aber feiner Unterschied

Anders als Snapchat, können User die über Slingshot verschickten Bilder und Videos nur dann sehen, wenn sie dem Absender im Gegenzug auch etwas zurückschicken. Die Neugier der User wird also von der Anwendung dazu genutzt, mehr Interaktion zu provozieren. Denn wer Bilder seiner Facebook-Freunde über Slingshot sehen will, muss seine Mini-Datenmenge in das unaufhaltsam wachsende Big-Data-Universum entsenden.

Slingshot, Plagiat oder doch nicht?

Es stellt sich die Frage, ob Facebook unbestraft jede erfolgreiche App kopieren kann und warum Snapchat den Social-Media-Giganten noch nicht in einen Rechtsstreit verwickelt hat. Denn Slingshot verletzt in seiner Grundfunktion offensichtlich das von Snapchat angemeldete PatentSingle mode visual media capture“. Die Vertreter von Facebook und Snapchat haben sich bislang nicht offiziell zum Thema äußern wollen, wie TechCrunch berichtet. Doch Snapchats Patent beschreibt eindeutig die Vorgehensweise, die beide Anwendungen für Datenaufnahme nutzen:

“An electronic device includes digital image sensors to capture visual media, a display to present the visual media from the digital image sensors and a touch controller to identify haptic contact engagement, haptic contact persistence and haptic contact release on the display. A visual media capture controller alternately records the visual media as a photograph or a video based upon an evaluation of the time period between the haptic contact engagement and the haptic contact release.”

In einem Interview mit Business Insider reagiert Joe Flynn, der Chef-Designer von Slingshot, gelassen auf den Vorwurf, Facebooks Anwendung wäre reine Kopie von Snapchat und TapTalk, denn es sei keine Mesagging-App:

It becomes really apparent when you’re using Slingshot how different it actually is [from those apps]. Like we were saying internally, we don’t think of it as a messaging app. Messaging is a really interesting space, but this is not a messaging product. So the comparison struck us as really strange.

Genauso wenig stimme die Einnahme, Facebook würde bloß seine Konkurrenten übernehmen oder ihre Ideen kopieren, so Flynn. Mit Creative Labs hätte die Social-Media-Plattform ganz neue Möglichkeiten, innovative Produkte zu entwickeln. 

„Stories“ – Snapchats beliebteste Funktion

Wie dem auch sein, hinkt Facebook mit Slingshot dem Snapchat-Vorbild schon wieder hinterher. Denn die Funktion mit verschwindenden Bildern und Videos ist nicht mehr das beliebteste Snapchat-Feature. „Stories“ – eine 2013 eingeführte Snapchat-Funktion, die Bilder und Videos zu Geschichten zusammenfügt, die 24 Stunden lang verfügbar sind, stößt mittlerweile auf größere Begeisterung bei den App-Usern. Mal abwarten, ob bald auch Facebook nachrüstet – dank eigener Kreativität, versteht sich von alleine. 

 

Aufmacherbild: DEAUVILLE, FRANCE – MAY 26, 2011 : Facebook CEO Mark Zuckerberg Press conference at the summit G8/G20 about new technologies von Shutterstock/ Urheberrecht Frederic Legrand

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