US-Tech-Firmen in China und Indien

Facebook und Twitter investieren in Emerging Markets
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Während Facebook in Verhandlungen mit Chinas Smartphone-Hersteller Xiaomi steht, ist Twitter offenbar an dem Kauf der indischen Erfolgs-App ZipDial interessiert. Beide Unternehmen versuchen ihre Reichweite auf den asiatischen Markt auszuweiten, – ohne dabei ihren eigentlichen Dienst zu etablieren.

 

Chinesen interessieren sich kaum für Facebook

So viel Einfluss und Zugriffe Facebook in Europa und vor allem in den USA zu verzeichnen hat, so uninteressant ist die Social-Network-Plattform für den durchschnittlichen Chinesen im bevölkerungsreichsten Land der Welt. Nicht zuletzt durch die staatliche Verbannung im Jahr 2009 bewirkt, hat Zuckerbergs Unternehmen in Fernost keine Chancen, in den Markt einzusteigen. Der chinesische Markt bietet zudem längst ausreichend Alternativen zu Facebook, die das amerikanische Vorbild schlichtweg überflüssig machen. Mit Qzone oder Sina Weibo hat Facebook bereits milliardenschwere Konkurrenz in Sachen User-Aktivität. Aus eben diesem Grund versucht Facebook nun auf Umwegen in China einzusteigen.

In Indien hat noch das Prepaid-Handy Hochkonjunktur

Ähnlich ergeht es dem Microblogging-Anbieter Twitter. Auch dieser Dienst ist in China wegen der Internet-Zensur und staatlicher Vorgaben nur auf inoffiziellem Weg zu erreichen und deshalb für Chinesen weitestgehend unbedeutend. Anstelle von Tweets halten sich die Chinesen unter anderem mit Tencent Weibo auf dem Laufenden. Statt also den bereits gut bedienten chinesischen Markt zu erobern, scheint Twitter nun eher ein Auge auf Indien geworfen zu haben. Auch wenn hier der Großteil der Bevölkerung noch ohne Smartphone unterwegs ist und somit unterwegs keinen Bedarf an Twitter hat, bietet der Subkontinent mit einem anderen Geschäftsmodell schon heute Potenzial für das US-Unternehmen – abgebrochene Anrufe.

ZipDial verdient mit Prepaid-Kunden – Twitter macht mit

Die Antwort auf einen abgebrochenen Anruf in Indien heißt: ZipDial. Was zunächst aus unternehmerischer Sicht wie ein Fiasko klingen mag, wenn der Kunde nicht zum Support der Firma durchdringt und vorher auflegt, hat sich in Indien mit etwa 900 Millionen abgebrochenen Anrufen und über 7000 namhaften Kampagnen als vielversprechendes Geschäftsmodell etabliert. Ruft etwa in Indien jemand von seinem Prepaid-Handy bei Pepsi an, aber legt rechtzeitig auf, bekommt er kostenlos per SMS ein Service-Feedback. Dabei kann es sich um Werbung handeln, einen Coupon oder anderweitige Tracking-Information. Selbst Twitter bietet hierüber bereits einen Service an, mit dem sich per Abbruch-Anruf ein Tweet Stream aktivieren oder deaktivieren lässt.

Facebook setzt lieber auf Hardware Made in China

Auch Facebook hat bereits über ZipDial Werbekampagnen für Unternehmen eingeleitet, heißt es auf TechCrunch. Leider bisher weniger erfolgreich als etwa Twitter mit seinem Follow-Service. Womöglich auch dadurch bedingt sucht Zuckerberg laut ZDNet momentan vermehrt den Kontakt zu Xiaomi CEO Lei Jun und versucht zunächst in China Fuß zu fassen. Bereits seit Mitte letzten Jahres gäbe es Verhandlungen mit dem Smartphone-Hersteller. Ein Deal würde wahrscheinlich beiden Seiten den Markt des Geschäftspartners eröffnen. Facebook könnte damit etwa auch in Wettbewerb zu Apple und Samsung treten, würde es Anteile von Xiaomi übernehmen und den Markt in den USA dafür bahnen. Facebook könnte zudem mit speziell für den chinesischen Markt aufbereiteten Apps an User-Daten aus dem Reich der Mitte gelangen und diese wiederum für Werbezwecke vermarkten.

Investment mit Ausblick: Twitter könnte ZipDial übernehmen

Während die Verhandlungen zwischen Facebook und Xiaomi offenbar schon recht weit gediehen sind, lässt Twitter noch nichts offiziell über einen möglichen Kauf von ZipDial verlauten. Würde der amerikanische Microblogger in Indien einsteigen, könnte er nicht nur von dem momentanen Geschäftsmodell des Abbruch-Anrufs profitieren, sondern hätte sogleich auch die notwendige Datenbank indischer Mobilfunk-User zur Verfügung, sobald diese in naher Zukunft aufs Smartphone umsteigen. Dass also Facebook und Twitter ein reges Interesse an Emerging Markets haben, ohne ihren eigentlichen Dienst, für den sie bekannt sind, anzubieten, ist nicht verwunderlich.

 

Aufmacherbild: KANCHIPURAM, INDIA – JANUARY 15: Traffic jam at the time of harvest festival Pongal on January 15, 2012 in the ancient indian city Kanchipuram, Tamil Nadu, India. via Shutterstock / Urheberrecht: Radiokafka

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