Fairfax bietet 4,7 Milliarden Dollar – Bye, bye BlackBerry?
Kommentare

Lange schon wird über die Zukunft BlackBerrys spekuliert, dabei konnte auch die Vorstellung des neuen Smartphones Z30 und die Einführung des neuen Betriebssystems BlackBerry 10.2 kaum über die deutliche Schräglage des Unternehmens hinwegtäuschen. Jetzt hat sich mit Fairfax Financial ein erster Übernahmekandidat aus der Deckung gewagt. Wie BGR berichtet, bietet das kanadische Unternehmen 4,7 Milliarden Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) für den Smartphone-Pionier.

Aktuell hält Fairfax bereits etwa 10 Prozent der BlackBerry-Aktien und bietet nun einen Aufkaufpreis von 9 Dollar je Aktie, was leicht über dem derzeitigen Kurs liegt. Allerdings hat sich Fairfax eine Frist bis zum 04. November erbeten, um zunächst die Unterlagen BlackBerrys zu überprüfen. Damit ist der Deal längst nicht in trockenen Tüchern, doch müsste BlackBerry eine Gebühr von 30 US-Cent pro Aktie an Fairfax zahlen, sollte sich das Unternehmen in diesem Zeitraum für ein höheres Angebot eines anderen Kandidaten entscheiden, da bereits ein sogenannter Letter of Intent Agreement, eine Absichtserklärung, unterzeichnet wurde. Der Aktienkurs BlackBerrys stieg nach Bekanntwerden der Nachricht leicht an. Auch Fairfax-Chef Prem Watsa – der kanadische Warren Buffet – sprach von einem aufregenden, neuen Kapitel für BlackBerry, seine Kunden, Netzanbieter und Angestellte.

Ein Problem dürfte allerdings sein, dass niemand derzeit den genauen Wert BlackBerrys abschätzen kann, da das Unternehmen bereits seit Jahren der Entwicklung im Mobilfunkgeschäft hinterherläuft, kaum wettbewerbsfähige Erfolge erzielen konnte, vor kurzem einen Verlust von einer Milliarde US-Dollar offenbaren musste und kürzlich massiv Mitarbeiter entlassen musste. Sicherlich ist es fraglich, ob BlackBerry tatsächlich noch einmal auf die große Bühne zurückkehren wird. Ein Blick in die Vergangenheit jedenfalls offenbart noch einmal mehr die Schwierigkeit eines solchen Unterfanges. So konnte auch Sony nach der Fusion mit Ericsson bisher nur leichte Erfolge feiern. Ähnliches gilt für LG, die 2011 große Schwierigkeiten überkamen und seit 2013 erneut versuchen, auf dem mobilen Markt Fuß zu fassen. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass BlackBerry neben der Hardware auch die Software entwickeln und ein App-Ökosystem aufrecht erhalten muss. Mit Hinblick auf die derzeitige finanzielle Situation könnte sich dies als zu kostenaufwendig herausstellen und folglich die Möglichkeiten der Kanadier übersteigen. Einzige Chance, so die Meinung einzelner Experten, könnte ein überzeugendes Budget Smartphone sein, mit dem BlackBerry auf den kleineren und aufstrebenden Märkten Marktanteile gewinnen könnte.

Allerdings ließ Watsa bereits verlauten, langfristig und strategisch zu planen und als privates Unternehmen hochklassige und sichere Lösungen für Unternehmen und BlackBerry-Kunden liefern zu wollen.

Es könnte sich also um die letze Chance BlackBerrys handeln, doch wolle man nicht vorschnell handeln. Wie das WSJ berichtet, sagte Barbara Stymiest, Vorsitzende des Blackberry-Vorstandes, dass man derzeit in einem Sonderausschuss nach den besten Lösungen für alle Beteiligten, zu denen auch die Anteilseigner gehören, suche.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -