Familonet – universelles Familiennetzwerk mit Notruffunktion
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Seit gestern gibt es mit Familonet eine Smartphone-App für iOS und Android, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine sichere Kommunikation für die  gesamte Familie anzubieten. Allerdings ist Familonet keine einfache Messenger-App für Familien und will auch nicht die x-te App sein, die irgendein beliebiges soziales Netzwerk etablieren will. Stattdessen liegt der Fokus von Familonet auf dem intimsten und stärksten sozialen Netzwerk, das wir haben: der Familie.

Dazu gehört natürlich, dass Features wie der Nachrichten- und Foto-Austausch ebenfalls an Bord sind. Schließlich soll Familonet auch die „bestmögliche Familienkommunikation im Alltag bedienen“, erklärt uns Hauke Windmüller, Mitgründer von Familonet.

Hilferuf im Notfall

Doch im Zentrum der App, die für iOS und Android verfügbar ist, stehen die Funktionen Check-Ins und Hilferufe per Tastendruck in Notsituationen. Was bedeutet das in der Praxis? Hauke erklärt: „Durch eigens entwickelte Algorithmen werden Mutter oder Vater automatisch benachrichtigt, wenn die Tochter sicher in der Schule angekommen ist oder der Sohn den Fußballplatz gut erreicht hat.“

Die eigentliche Idee, ein Familiennetzwerk zu bauen, das auf Sicherheitsbedürfnisse von Familien ausgelegt ist, hatte Haukes Mitgründer Michael Asshauer. Nach der Idee entwickelten beide gemeinsam das erste Konzept zu Familonet in einem Entrepreneurship-Seminar an der Universität Hamburg entwickelt. Ziel des Seminars war es, tragfähige Geschäftsmodelle im Bereich E-Business zu entwickeln. Hauke erinnert sich: „Die damalige Jury des Seminars, bestehend aus den Universitätsprofessoren Michel Clement und Kay Peters sowie von den langjährigen Unternehmern Jarg Temme und Tobias Caldeweyher, wählte Familonet zum Sieger und motivierte uns, die Idee umzusetzen.“

Das Gründerteam wurde schnell ergänzt, und zwar durch den Mathematiker David Nellessen, der technologische Entwicklungskompetenz ins Team brachte und vorher  sieben Jahre lang als Programmierer seine eigene Agentur geführt hatte.

Mit der finanziellen Unterstützung eines japanischen Privatinvestors konnte das Trio die Firma im Oktober 2012 als Ausgründung der Universität Hamburg an den Start bringen und den ersten Prototyp der iOS-Version der App entwickeln. Im Juli 2013 folgte die Seed-Finanzierung mit den Investoren Venista Ventures, WestTech Ventures sowie HR Alpha Venture Partners. Zusätzlich fördert die Stadt Hamburg Familonet im Rahmen ihres neuen Programms InnoRampUp. Das derzeitige Gesamtinvestment liegt laut Hauke im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich.

FamilonetMit der Familonet-App können beispielsweise Kinder an vorbestimmten Orten einchecken und so besorgte Eltern beruhigen (© Familonet).

Auf Familienwünsche eingehen

Die Zielgruppe ist klar: die ganze Familie. Doch es galt möglichst schnell herauszufinden, welche Bedürfnisse und Wünsche bei Familonet im Vordergrund stehen sollten. Dafür setzten die Gründer sich sowohl qualitativ in Fokusgruppen und Tiefeninterviews, aber auch quantitativ mit Hilfe von Online-Umfragen intensiv mit der Zielgruppe auseinander. Einzelne Funktionen der App wurden in Form von Use-Cases abgefragt und nur dann umgesetzt, wenn sie auch von den Befragten gewünscht wurden. Und natürlich galt es, das gewonnen Wissen und die daraus entstandenen Features auch in der Praxis auf Herz und Nieren zu prüfen. „Nach Implementierung einzelner Funktionen wurden diese von Familien auf Nutzen und Alltagstauglichkeit sowie einfachste Bedienbarkeit getestet. Die Entwicklung von Familonet erfolgte iterativ entsprechend dem Feedback der Tester“, erklärt Hauke.  Über 50 Familien haben Familonet so über einen Zeitraum von sechs Monaten getestet und zur Gestaltung des Produkts beigetragen.

Keine Live-Ortung

Befragt nach den wichtigsten Erkenntnisse aus dem Testing der ersten App-Version, antwortet Hauke mit dem Aspekt, der jetzt auch in der finalen Version von Familonet im Fokus steht: dem Mehrwert, der durch die Funktionen des mobilen Familiennetzwerks entsteht. Doch so sehr die Testfamilien auch die Vorteile des Familonet-Konzepts begrüßten, eins wurde den Machern laut Hauke schnell klar: „Dass Familienmitglieder eine permanente gegenseitige Live-Ortung mehrheitlich ablehnen.“

Es war deshalb unabdingbar – insbesondere aufgrund der hierzulande stark ausgeprägten Sensibilität in puncto Datenschutz – dass Familonet auf gegenseitigem Einvernehmen und Freiwilligkeit basieren muss. „Eine Ortung geschieht nur, wenn Familienmitglieder ihren aktuellen Ort mit den anderen teilen möchten oder wenn es sinnvoll ist – zum Beispiel in einem Notfall“, erklärt uns Hauke.

Eigene Tracking-Technologie

Spannend ist, wie Familonet in seiner „Unsere Orte“-Funktion die Standortbestimmung seiner User vornimmt. Das Feature, das Familienmitglieder automatisch an vorher definierten familienrelevanten Orten eincheckt, basiert auf Geofencing-Technologien. Allerdings musste das Team bereits nach wenigen Testläufen feststellen, „dass die von Google und Apple bereitgestellten nativen Gefencing-APIs den besonderen Anforderungen von Familonet nicht genügen.“

Also entwickelte Mathematiker David gemeinsam mit dem Entwicklerteam eigene Algorithmen zur präzisen Standortbestimmung. Laut Heiko zeichnet sich diese Familonet-eigene Technologie, welche die Logik auf Client und Server verteilt und sich intelligent den Ortsgegebenheiten anpassen soll, durch eine sehr hohe Ortungsgenauigkeit bei gleichzeitig geringem Energieverbrauch „sowie extrem großer Zuverlässigkeit“ aus. „Wir können mit Stolz behaupten, dass wir eine der besten Geolocation-Technologien am Markt besitzen“, erklärt Hauke mit breiter Brust. 

Nach dem Start gestern, ist das Selbstbewusstsein gerechtfertigt. Laut Hauke lief Tag eins großartig, was sicherlich auch der Unterstützung durch einen Beitrag in RTLs Hauptnachrichtensendung RTL aktuell und anderen TV-Beiträgen geschuldet ist. Offensichtlich hat man mit der Ausrichtung der App einen Nerv in der Bevölkerung getroffen. Konkrete Downloadzahlen will uns Hauke nicht verraten, nur so viel: Sie liegen „gut im fünfstelligen Bereich.“

FamilonetMit einer selbstentwickelten Tracking-Technologie bestimmt Familonet den Aufenthaltsort. Auch eine Alarmfunktion für Notfälle ist enthalten (© Familonet).

Smartwatches mit Familonet

Und wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Zunächst sollen bestehende Funktionen optimiert und weiter ausgebaut werden, vor allem im Bereich der Familiensicherheit. Hauke erläutert: „Wir wollen eine Akkustandsanzeige in die Familienübersicht integrieren und die Hilferuf-Funktion erweitern.“ So sollen neben Familienmitgliedern in Zukunft auch externe Personen, die der Familie nahe stehen, z. B. der Nachbar oder der Babysitter, per SMS benachrichtigt werden können. Des Weiteren wird an einer parallelen Unterstützung von mehreren Familien gleichzeitig gearbeitet.

Auch eines der Top-Technologien-Themen der nächsten Monate haben die Familonet-Macher auf dem Radar: „Demnächst wollen wir auch Smartwatches sowie Schlüsselanhänger mit GPS-Funktion und einer Verbindung zum mobilen Internet in Familonet einbinden. So kann auch von diesen Geräten jederzeit die aktuelle Position und ein Hilfesignal an alle anderen verschickt werden.“

Das Ziel ist klar: Familonet soll zum universellen Familiennetzwerk werden. Doch die Macher wissen, dass sie in Zeiten von täglichen Berichten über Überwachungsprogramme á la Prism, sensibel mit ihrem Angebot umgehen müssen. Hauke versichert uns, dass das permanente miteinander in Verbindung sein nur eine Chance auf Erfolg hat, wenn man einander nicht einschränkt. Deswegen traf man die Entscheidung, kein permanentes Tracking der User anzubieten – obwohl die hauseigene Technologie das möglich gemacht hätte. Ausnahme sind lediglich die erwähnten, vorher definierten Orte. Hier geschieht das Einchecken automatisch.

Wir sind gespannt, wie es mit dem Hamburger Startup weitergeht und halten Euch natürlich auf dem Laufenden.

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