Startups sagen der Bankenwelt den Kampf an

FinTech 2015 – ein Trend hebt ab
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Der digitale Trend des Jahres lautet FinTech. Neue Geschäftskonzepte bringen frischen Wind in den Finanzdienstleistungssektor und lehren dem klassischen Bankenwesen das Fürchten. Wie reagieren große etablierte Finanzdienstleister auf den digitalen Trend und welche FinTech Startups haben das Potenzial ganz groß rauszukommen?

Das Internet steht kurz vor einem neuen digitalen Strukturwandel, der die konservative Bankenwelt auf den Kopf stellen wird. Die Rede ist von FinTech. Der Begriff verbindet Financial Services und Technology. FinTech-Dienstleistungen berühren damit meist flächenübergreifend Aspekte von E-Commerce, Mobile-Payment oder Crowdlending.

Commerzbank: FinTech-Startup-Inkubator

Kein anderer Markt entwickelt sich derzeit so schnell wie der Finanzsektor. Große Banken haben die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen sich in Position zu bringen. So hat etwa 2014 die Commerzbank mit „Main Incubator GmbH“, den ersten Inkubator für FinTech-Startups mit einem altehrwürdigen Finanzinstitut als Anker-Investor gegründet. Das hundertprozentige Tochterunternehmen fördert und investiert in Startups mit innovativen Lösungen und Schwerpunkt auf dem Firmenkundengeschäft. Die Startups sollen neue Ideen in die traditionellen Konzepte der Commerzbank bringen.

Die ausgewählten Unternehmen werden ab ihrer Gründung unterstützt und die Entwicklung ihrer Produkte und Lösungen bis zur Marktreife begleitet. Die Startups sollen dabei vom Netzwerk der Bank profitieren. Damit reagiert die Commerzbank auf sich wandelnde Kundenbedürfnisse.

Die so entstehenden Innovationen sollen alle Bereiche des Bankgeschäftes abdecken: „Dies kann sich von Mobile Payments und Banking, Peer-to-Peer-Financing und Crowdsourcing, neuen Kommunikationsinstrumenten und -wegen, Kundenbindungs- und Anwenderprogrammen, Prozessinnovation auf Kunden- und Bankseite bis hin zu Informationsgewinnung und -verarbeitung erstrecken“ sagt Christian Hoppe, Gründer und Mitglied der Geschäftsführungvon Main Incubator GmbH.

main incubator

Screenshot: https://www.main-incubator.com/

FinTech-Alternative zur Hausbank

Eine BITKOM-Studie hat ergeben, dass ein Großteil der Verbraucher künftig zu Gunsten von Finanzdienstleistern im Web auf ihre Hausbank verzichten würden. Demnach kann sich jeder fünfte deutsche Internetnutzer (22 Prozent) ab 14 Jahren vorstellen, Darlehen oder die Vermögensverwaltung über Finanzdienste von Technologieunternehmen abzuwickeln.

Das entspricht 12 Millionen Bundesbürgern. Klassische Filial- und Direktbanken blieben dabei außen vor. So lautet das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM. „Eine wachsende Zahl von Internet-Unternehmen drängt in das Kerngeschäft klassischer Banken“, sagt BITKOM-Experte Steffen von Blumröder.

Verbraucher würden dabei für unterschiedliche Bankgeschäfte auf alternative Anbieter, sogenannte FinTechs, zurückgreifen. Als FinTechs werden Technologieunternehmen bezeichnet, die im Finanzgeschäft tätig sind. Jeder siebte Internetnutzer (14 Prozent) kann sich vorstellen, einen Kredit über solch einen Anbieter aufzunehmen. Statt von einer Bank würde sich jeder Neunte (11 Prozent) von alternativen Anbietern über seine persönlichen Finanzen beraten lassen. 7 Prozent würden sogar Teile ihres Privatvermögens von Internetdienstleistern verwalten lassen. Von Blumröder: „FinTechs bieten häufig intuitivere Anwendungen, um Bankgeschäfte zu erledigen.“ Schon heute können etwa Kontotransaktionen zwischen Privatpersonen direkt über Bezahl-Apps auf dem Smartphone abgewickelt werden oder über Chatfunktionen in Sozialen Netzwerken.

Aktuell kann sich allerdings die Mehrheit der Internetnutzer noch nicht vorstellen, auf Banken zu verzichten. Zwei Drittel (64 Prozent) bestätigen dies. Dennoch könnten sich die Banken nicht zurücklehnen, sagt von Blumröder. „Die gesamte Finanzbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel.“

German Startup Group investiert in neue FinTech Startups

Auch die German Startup Group investiert fleißig in FinTech Startups und hat gestern die Beteiligung an weiteren FinTech Startups bekanntgegeben. Damit kann die German Startups Group schon fast 40 aktive Beteiligungen vorweisen und gilt somit als einer der aktivsten Venture-Capital-Investoren in Deutschland.

Zu den neuen FinTech Startup-Beteiligungen der German Startup Group zählen unter anderem die Supply-Chain-Finance-Handelsplattform „CRX Markets“.

German Startups Group

Screenshot: http://gsg.vc/index.php/ueber-uns/

Mobile Payment – Skype für Geldtransfer

Vor wenigen Monaten hat uns Taavet Hinrikus von Transferwise, einem FinTech- Stratup, das derzeit viel Beachtung findet, in der WebMagazin-Redaktion besucht. Die Peer-to-Peer-Geldtransfer-Plattform funktioniert wie eine Art Skype für Geldtransfer. Geldflüsse werden zwischen Nutzern in verschiedenen Währungszonen umgelenkt. Ein Beispiel: Ein Kunde möchte Geld von London nach Berlin überweisen. Gleichzeitig überweist ein Kunde einen Betrag von Berlin nach London – die Geldströme werden in diesem Fall von Transferwise umgeschaltet, sodass keine Wechselkurse anfallen.

Die Idee für Transferwise kam dem Gründern Taavet Hinrikus vor einiger Zeit, als er noch bei Skype gearbeitet hat. Transferwise ist für Taavet eine logische Fortsetzung von dem, was er mit Skype angefangen hat: Dank Skype sei die Welt kleiner geworden, bisher teuere Telefongespräche in ferne Länder können nun kostenlos erledigt werden. Transferwise wendet dieses Skype-Prinzip bei internationalen Geldüberweisungen an, beschleunigt Bearbeitungsprozesse von Transfers und ist zudem deutlich günstiger.

Keine teuren Filialen vor Ort

Die Peer-to-Peer-Plattform wurde von vornherein für das Internet konzipiert. Es müssen also im Gegensatz zu großen Banken keine teuren Filialen vor Ort unterhalten oder Mitarbeiter beschäftigt werden. Dadurch können immense Kosten gespart und gleichzeitig günstiger kalkuliert werden. Überweisungen können bis zu zehn Mal günstiger abgewickelt werden. Das komplette Interview mit Taavet Hinrikus könnt ihr euch hier ansehen:

Aufmacherbild: hand holding business world via Shutterstock / Urheberrecht: nopporn

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