Florian Müller über Scheitern und Erfolg von Startups [webinale 2014]
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Florian Müller ist ein Software-Entwickler und Co-Founder der Software-Brauerei. Gemeinsam mit seinen Partnern hat er Konzepte für Startups wie richability, miReport und jooik entwickelt. Wir haben Florian, der auf der diesjährigen webinale 2014 in seinem Vortrag Startup Insights sein Wissen rund um Erfolg und Scheitern von Startups weitergeben wird, zu dem von ihm mitentwickelten Startup speedyPAY befragt.

WebMagazin: Wie entstand die Idee zu speedyPAY?

Florian Müller: speedyPAY ist als klassische „Bierglas-Idee“ entstanden, allerdings nicht bei mir, sondern bei einem sehr guten Bekannten, der in einer Brauerei arbeitet. Er hatte jedoch nicht die Möglichkeit zur technischen Umsetzung. Deshalb hat er die Idee an Domenic und mich herangetragen, da er wusste, dass wir diese umsetzen können.

WebMagazin: Erklär uns doch bitte das Prinzip von speedyPAY, wie funktioniert der Dienst?

Florian: speedyPAY ermöglicht Besuchern eines Stadions (z.B. Fußball oder Eishockey) einen Smartphone Check-in am Sitzplatz basierend auf Block -> Reihe -> Sitz. Je nach Platz wird das Produktportfolio auf dem Smartphone angezeigt (Bier, Cola, Bratwurst etc.) und der Benutzer kann eine Bestellung absetzen. Den ganzen Payment-Teil via Kreditkarte oder Coupon handeln wir im Hintergrund und in der Catering Box spuckt ein Terminal-Drucker dann munter Bestellungen aus. Die werden abgearbeitet und an einen Food Runner übergeben, der die Waren dann an den Besteller liefert. Darüber hinaus hat der Benutzer auch die Möglichkeit, über speedyPAY zu bestellen und seine Bestellung selbst abzuholen, da greift dann eine sogenannte Fast-Lane, sodass die Bestellung ohne Wartezeit abgeholt werden kann.

WebMagazin: Wo steht Ihr bei der Entwicklung von speedyPAY gerade und wie finanziert sich der Dienst?

Florian: speedyPAY steht kurz vor dem Launch in einem der größten Schweizer Fußball Stadien, nachdem wir das System gemeinsam mit dem Stadion rund ein halbes Jahr lang getestet und verbessert haben – so gesehen befinden wir uns momentan in einer gesunden Beta-Phase, die es uns aber erlaubt, zu Launchen, da das System seit mehr als drei Monaten stabil läuft. Prozessverbesserungen werden sicherlich noch im kommenden halben Jahr in das Gesamtsystem speedyPAY einfließen. Finanziert sind wir mittels Venture Capital.

WebMagazin: Was macht speedyPAY besonders, was sind die Mitbewerber und was unterscheidet speedyPAY vom Rest?

Florian: Das Besondere an speedyPAY? Die Tatsache, dass es ein sehr einfacher Service ist, den jeder Benutzer schnell versteht. Es ist vor allen Dingen ein Service, bei dem der Benutzer schnell den Mehrwert erkennt: Schlange stehen im Stadion ist ein Problem, das jeder Fan kennt. Häufig wird nicht bestellt, da Kunden keine Lust haben, sich eine viertel Stunde lang anzustellen. Das Problem adressiert speedyPAY par excellence und sowohl Stadion als auch Kunde profitieren davon. Mitbewerber haben wir im Schweizer Raum bisher keine, Vorbilder gibt es jedoch in den USA. Das Unternehmen bypass hat den Ansatz in den USA ausgerollt und ist dort erfolgreich in diversen großen Stadien integriert.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler des Monetarisierungskonzepts von speedyPAY, wie verdient Ihr Geld?

Florian: Ohne an dieser Stelle alles bis ins kleinste Detail verraten zu wollen: Es gibt eine Lizenzgebühr in Höhe X, die vom Stadion pro Saison für den speedyPAY Service zu entrichten ist. Darüber hinaus gibt es noch eine Convenience Fee in Höhe von Y%, die vom Benutzer pro Bestellung zu entrichten ist.

WebMagazin: Welche Erfolge konntet Ihr bis jetzt verzeichnen?

Florian: Bisher haben wir in puncto Erfolge keinen berstend vollen Track Record und haben uns auch noch nicht den selbst ernannten „wir-sind-Entrepreneure-Lorbeerkranz“ aufgesetzt – dennoch ist speedyPAY unser zweites Startup, nachdem wir mit der Freizeitplattform jooik „erfolgreich gescheitert“ sind. Wir haben aber durch jooik sehr viele Learnings mitgenommen und vor allen Dingen ein gutes Kontakt-Netzwerk aufbauen können, sodass speedyPAY wesentlich besser beziehungsweise „strukturierter“ startet. Wir wissen diesmal ziemlich genau, wo wir hinwollen und vor allen Dingen wissen wir, welche Abbiegungen wir auf diesem Pfad diesmal meiden sollten. Genau das wird übrigens auch Bestandteil meines Talks an der webinale sein.

WebMagazin: Was sind Eure nächsten Meilensteine und was wollt Ihr in den kommenden sechs Monaten erreichen?

Florian: Nächster Meilenstein: Juli Go-Live in einem Stadion, Name des Stadions wird in Kürze bekannt gegeben. Parallel laufen momentan diverse Vorbereitungen mit weiteren Stadien an. Da die Schweiz einen geographisch überschaubaren Raum darstellt, bin ich optimistisch, dass wir zum Ende des Jahres in mindestens drei Stadien mit speedyPAY am Start sind.

WebMagazin: Bei der diesjährigen webinale 2014 hältst Du einen Vortrag über Startup Insingts. Worauf kann sich der Besucher da freuen?

Florian: Im Rahmen des Talks möchte ich in erster Linie über die Learnings mit unserem Startup jooik sprechen und warum es durchaus gut sein kann, mit einem Startup zu scheitern – entsprechend dürfen sich die Zuschauer auf eine lebhafte retrospektivische Aufbereitung unserer letzten Startup-Odyssee freuen. Gleichzeitig wird aber nicht nur Vergangenheitsbewältigung betrieben, sondern Perspektiven aufgezeigt, was Ihr mit Eurem Startup oder Eurer Idee besser machen könnt.

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