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Freelancer-Studie: Zahlen und Fakten 2014
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In der ITK-Branche gibt es immer mehr Freelancer. Die Tendenz ist weiter steigend. Sowohl für die Freiberufler als auch für Unternehmen hat das projektbasierte Arbeiten viele Vorteile.

10 Prozent der Deutschen sind Freelancer

In Deutschland gibt es aktuell rund 4,9 Millionen Erwerbstätige, die als Freelancer eine unabhängige Beschäftigung ausüben. Das entspricht rund 10 Prozent aller Beschäftigten hierzulande. Sie erwirtschaften schätzungsweise 57 Milliarden Euro jährlich. Das hat eine Studie des Marktforschungsunternehmen Edelmann Berland in Zusammenarbeit mit dem Vermittler von Online-Arbeitsplätzen Elance-oDesk ergeben.

Gründe für ein freiberufliches Arbeitsverhältnis

Dabei haben sich rund zwei Drittel der Freelancer nicht aus wirtschaftlichen Zwängen für eine Tätigkeit außerhalb klassischer Angestelltenverhältnisse entschieden. Die Unabhängigkeit und Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und Arbeitsort, bessere Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung und die persönliche Auswahl bei Auftraggebern und Projekten sind oft wichtiger.

Für 41 Prozent der Befragten sind der Zusatzverdienst und für 52 Prozent die zeitliche Flexibilität die Hauptgründe für eine Freelancer Tätigkeit. Mehr als die Hälfte der Freelancer haben ganz bewusst mit dem Freelancing angefangen (63 Prozent) und nicht aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Über 30 Prozent der Freelancer konnten in den vergangenen Jahren eine ansteigende Nachfrage verzeichnen. 72 Prozent der Nicht-Freelancer sagen, sie wären bereit, zusätzlich zu ihrem Hauptberuf einer Freelancer Tätigkeit nachzugehen, um mehr Geld zur Verfügung zu haben.

Faire Bezahlung ist allen Befragten wichtig, allerdings legen Freelancer größeren Wert auf die Gestaltungsfreiheit ihres Lebens, das Finden von anspruchsvollen, interessanten und erfüllenden beruflichen Aufgaben und die Flexibilität zu arbeiten, wann und wo sie wollen. Genügend Aufträge zu akquirieren und zu wissen, welche Qualifikationen entsprechend gefragt sind, stellen die größten Barrieren dar für mehr Freelancer Tätigkeiten.

Generation Y führt den Freelancing Trend an

Die Generation Y übt mehr Freelancer Tätigkeiten aus als jede andere Altersgruppe. Knapp ein Drittel (29 Prozent) der Generation Y sind Freelancer. Im Gegensatz zu den älteren Altersgruppen achtet die Generation Y besonders auf herausfordernde und aufregende Arbeit und eine hohe Vergütung. Sie sind optimistisch, was die Zukunft des Freelancing betrifft: 54 Prozent der Befragten aus der Generation Y sind der Meinung, dass die besten Zeiten für Freelancer noch bevorstehen.

Spezialisten verdienen mehr

„Gerade für innovative Unternehmen gewinnen Flexibilität und Know-How der Mitarbeiter immer stärker an Bedeutung. Freelancer sind mit ihrem häufig hoch spezialisierten Fachwissen eine wichtige Ergänzung zur Stammbelegschaft. Je spezialisierter das Wissen der Freelancer, desto stärker ist ihre eigene Verhandlungsposition.“ sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

Verschiedene Arten von Freelancern

Durch Screening-Fragen zum Beschäftigungsstatus und Einkommen zu Beginn der Studie stellte sich heraus, das verschiedenste Arten von Freelancern existieren, die aber nicht alle in der Auswertung der Studie berücksichtigt wurden. Die folgenden fünf möglichen Segmente, in die die Freelancer je nach Anteil oder Intensität ihrer Tätigkeit eingeordnet wurden, sollen die Vielfalt der Freelancer Landschaft in Deutschland veranschaulichen.

Unabhängige Erwerbstätige (33 Prozent)  Diese „traditionellen“ Freelancer haben keinen Arbeitgeber, sondern üben zeitlich begrenzte Tätigkeiten auf Projekt-Basis aus.

Projektmitarbeiter (17 Prozent)  Personen mit einem einzigen Arbeitgeber, Auftraggeber, Job oder Projektvertrag, dessen Beschäftigungsstatus temporär ist. Zum Beispiel ein Business-Strategie-Berater, der für einen Kunden auf Vertragsbasis ein mehrmonatiges Projekt betreut.

Moonlighters (28 Prozent)  Fachkräfte mit einem primären, traditionellen Beschäftigungsverhältnis, die nebenberuflich Freelancer Tätigkeiten ausüben: Zum Beispiel ein angestellter Web-Entwickler, der abends an Non-Profit Projekten arbeitet.

Diversifizierter Arbeiter (16 Prozent Menschen mit mehreren Einkommensquellen, bestehend aus einer Mischung von traditionellen Arbeitgebern und Freelancer Tätigkeiten. Zum Beispiel jemand, der in einer Zahnarztpraxis 20 Stunden pro Woche an der Rezeption arbeitet und den Rest seines Einkommens als Übersetzer aufbessert.

Kleinunternehmer (6 Prozent)  Diese Freelancer haben zwischen einem und fünf Mitarbeitern und betrachten sich selbst sowohl als Freelancer als auch Unternehmer. Zum Beispiel, ein Social-Marketing-Guru, der ein Team von anderen sozialen Vermarktern beauftragt, eine kleine Agentur zu entwickeln, sich aber immer noch als Freelancer identifiziert.

Freelancer in der ITK-Branche

Für die ITK-Branche schätzt BITKOM die Zahl der aktiven Freelancer in Deutschland auf rund 100.000. Diese Zahl hat sich in den zurück liegenden Jahren trotz der Zahl von rund 40.000 offenen Stellen für ITK-Spezialisten kontinuierlich erhöht. „Ein Zusammenhang mit konjunkturellen Schwankungen ist nicht erkennbar“, so Kempf.

Tendenz weiter steigend

Die Zahl der Freelancer wird künftig weiter steigen. Rund zwei Drittel (63 Prozent) der freiberuflich Tätigen gibt an, dass neue Technologien die Akquise von Aufträgen erleichtert haben. So würden häufig Aufträge wie zum Beispiel Softwareprojekte, aber auch Übersetzungen weltweit online vergeben. Eine besondere Rolle kommt dabei den Sozialen Netzwerken zu. Sechs von zehn Freelancern (58 Prozent) geben an, dass die Online-Kontakte den Markt für Freelancer deutlich verändern. So sei es unter anderem einfacher geworden, direkt mit Entscheidern in Unternehmen in Kontakt zu treten, zugleich könnten Bekannte und zufriedene Auftragnehmer leichter auf die Angebote des Freelancers hinweisen.

In einer BITKOM-Umfrage aus dem vergangenen Jahr hat rund jeder dritte Personalverantwortliche (30 Prozent) von Unternehmen ab 3 Mitarbeitern angegeben, dass das eigene Unternehmen künftig häufiger Freelancer einsetzen wird.

Die Mehrheit der Freelancer (56 Prozent) sagt, dass dem Freelancing als Berufswahl mehr Respekt entgegen gebracht wird als noch vor drei Jahren. Einer von vier Freelancern nimmt an, nächstes Jahr mehr Zeit mit Freelancing-Tätigkeiten zu verbringen. Außerdem erwartet fast ein Drittel, dass deren Freelancer Einkommen im nächsten Jahr noch weiter steigt.

 

Aufmacherbild: Young man at home using a computer, freelance developer or designer working at home via Shutterstock / Urheberrecht: Kostenko Maxim

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