Garantie abgelaufen, Gerät kaputt – die Tricks der Hersteller
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Fast jeder hat es schon einmal erlebt: Kaum ist die Garantie abgelaufen, schon macht der Laptop schlapp, der bisher einwandfrei funktioniert hat. Nicht selten kommt da der Verdacht auf, dass Hersteller bei der Produktion ihrer Geräte bereits ein Mindesthaltbarkeitsdatum einkalkulieren, das die Gerätegarantie nur graduell überschreitet. Unbegründet ist diese Sorge nicht immer.

In Fachkreisen nennt man diese planmäßige Praxis seitens der Hersteller „Planned Obsolence“. Auch Hyewon Seo vom Verbraucherzentralen-Bundesverband zweifelt nicht daran, dass Firmen beim Design und der Entwicklung nicht die Langlebigkeit des Produkts in den Vordergrund stellen. Dabei verfahren allerdings nicht alle Produzenten nach der gleichen Strategie und manche wissen ihr Vorgehen besser zu verschleiern als andere. Wir haben für Euch die Machenschaften etablierter Unternehmen unter die Lupe genommen:

Nokia

Ein Beispiel aus jüngster Zukunft lieferte der finnische Elektrokonzern Nokia mit dem Lumia 900. Mitte letzten Jahres kam das vielbeworbene Smartphone auf den Markt, für das Kunden ohne Vertrag 570 Euro bezahlten. Nur kurze Zeit später veröffentlichte Microsoft dann mit Windows Phone 8 ein neues Betriebssystem. Das als Flaggschiff angedachte Lumia 900 wurde noch mit Windows Phone 7.5 ausgeliefert und ließ kein Update auf Windows Phone 8 zu. Dementsprechend sanken die Preise in den Keller. Die Kunden waren verärgert.

Toshiba

Eine beliebte Möglichkeit, Kunden zum Neukauf von Geräten zu überzeugen (oder zu zwingen) zeigt sich anhand der Vorgehensweise bei Schäden am Produkt. Toshiba beispielsweise ging aktiv gegen den australischen IT-Spezialisten Tim Hicks vor, der auf seiner Website kostenlose Reperaturanleitungen für entsprechende Laptops und Tablets zum Download bereit stellte. Nachdem das Unternehmen mit gerichtlichen Schritten drohte, löschte Hicks die Dateien.

Apple

Einen Schritt weiter geht Apple, die eine spezielle Schraube entwarfen, sodass freie Werkstätten passende Schraubenzieher über den Konzern erstehen mussten. Als diese nachgezogen waren, brachte Apple mit dem iPhone 4 eine Mini-Version der Schraube auf den Markt. Komplizierter wird die Sache allerdings bei den iPads. Hier werden die einzelnen Bestandteile des Endgeräts nicht mehr verschraubt, sondern verklebt, sodass ein Austausch einzelner Komponenten kaum möglich ist. Nach dem gleichen Prinzip verfährt Apple bei Laptops, um Gewicht einzusparen. Im Schadensfall bedeutet diese Bauweise dabei nicht nur ein Ärgernis für den eigenen Geldbeutel, sondern auch für die Umwelt. Zwar behauptet Apple, die Akkus der Endgeräte ließen sich nicht austauschen, um zu gewährleisten, dass giftige Chemikalien sachgemäß entsorgt werden, doch bedeutet ein lahmer Akku im Umkehrschluss nicht selten, dass das gesamte Gerät auf dem Sondermüll landet.

Samsung

Samsungs Vorgehensweise ist der des größten Konkurrenten nicht unähnlich, denn auch hier wird zwecks Platz- und Gewichtseinsparnissen fleißig verklebt. Auch bei den Koreanern werden im Schadensfall Pauschalpreise für Reparaturen angeboten, die häufig derart hoch liegen, dass sich im Zweifel sogar der Umstieg auf das Nachfolgemodell lohnt.

Alles Sondermüll oder gibt es Alternativen?

Wie sich schon anhand des Nokia Lumia 900 zeigt, sind häufige Ursachen für die Veraltung von Elektro-Geräten die immer kürzeren Update-Zyklen der Betriebssysteme, was natürlich insbesondere für mobile Geräte gilt. So kann man beispielsweise mit dem iPad 2 oder dem iPhone 4 nicht den Sprachassistenten Siri nutzen, obwohl Updates auf neue iOS-Versionen möglich sind. Mit dem iPad 1 ist ein Update auf iOS 6 ausgeschlossen. Noch schneller dreht sich das Update-Karussell bei Android, sodass viele Apps auf älteren Modellen nicht mehr genutzt werden können.

Inzwischen kritisieren immer mehr Experten und Nutzer den Massenkonsum von mobilen Geräten und den Zwang, nahezu alle zwei Jahre auf neue Geräte umzusteigen. Dass es auch anders geht, zeigt eine Firma aus den Niederlanden. Mit dem FairPhone entwickelten sie ein Öko-Smartphone, dessen Einzelteile so miteinander verbaut wurden, dass ein Austausch jederzeit möglich ist. Auch eine faire und umweltschonende Produktion der Smartphones gehört zum Kernkonzept der Firma. Das Fairphone kann ab sofort vorbestellt werden.

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