Gmail-Nutzer verzichten freiwillig auf Privatsphäre
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Redet man öffentlich von Googles E-Mail-Dienst Gmail, kann es schon mal passieren, dass Datenschützer aufstehen und wutentbrannt den Raum verlassen. Grund dafür ist die lasche Einstellung zum Thema Privatsphäre, die der Konzern vertritt. Laut Google verzichten seine Nutzer nämlich freiwillig darauf.

Seit der NSA-Affäre rücken die persönlichen Freiheiten des Menschen wieder stärker ins Licht. Man hat Angst davor, ausgespäht zu werden und fühlt sich online so unsicher wie nie zuvor. Horrorgeschichten von Razzien, nachdem man Google angeblich nach “Wie baue ich ein Bombe” befragt hat und verwehrte Einreisen in die USA von Studenten, die eigentlich nur aus Spaß via Facebook verbreitet haben, dass sie ein Attentat auf Obama planen, verbreiten sich sowohl online als auch offline wie ein Lauffeuer.

Durchlässig wie ein Nudelsieb

Dieses Gefühl, im Internet ein offenes Buch und so durchlässig wie ein Nudelsieb zu sein, wird noch bestärkt durch Unternehmen, die gar keinen Hehl daraus machen, die E-Mails der User zu durchsuchen – Unternehmen wie Google. Im Rahmen eines noch laufenden Gerichtsprozesses wegen einer Sammelklage gegen das Scannen von E-Mails gibt Google standfest zu Protokoll, dass Gmail-Nutzer keinerlei Recht auf Privatsphäre hätten. Dazu zitiert man einen Gerichtsbeschluss aus dem Jahre 1979, in dem es ursprünglich um die Weitergabe von Anrufdaten ging:

a person has no legitimate expectation of privacy in information he voluntarily turns over to third parties.

Außerdem haben Nutzer diesem Verfahren von Anfang an zugestimmt und schleusen ihre E-Mails freiwillig über Google-Server. Deshalb habe man das Recht, die ermittelten Daten in die Geschäftsprozesse mit einfließen zu lassen. Dazu wird aus dem selbigen Urteil folgende Passage zitiert:

Persons communicating through a service provided by an intermediary […] must necessarily expect that the communication will be subject to the intermediary’s systems.

Doch sind E-Mails mit gewählten Telefonnummern vergleichbar? Schließlich stecken in solchen keine privaten Daten wie etwa in E-Mails, die man an Freuden versendet oder seinen Chef.

Nur ein Algorithmus

Google versucht seit jeher, die Gemüter damit zu beruhigen, dass E-Mails in erster Linie nur zum Virencheck und zum Filtern von Spam gescannt werden. Die personalisierte Werbung, die anhand des Textes durch einen eigenen Algorithmus erstellt wird, sei ein vollautomatischer Prozess. In seinem hauseigenen Blog schreibt Google:

– es lesen also keine fremden Personen eure E-Mails, um dazu passende Anzeigen oder Infos auszuwählen.

Eine genaue Erklärung liefern sie auch in diesem Video:

Für Google ist das Scannen der E-Mails seiner Nutzer im Grunde also nur ein Teil des Geschäftsprozesses und natürlich auch ein Mittel, um Geld zu verdienen. Das ist sogar verständlich. Was jedoch völlig inakzeptal ist, ist dass Nutzer, die sich bewusst ein “sicheres” E-Mail-Konto zulegen, auch dem Algorithmus zum Opfer fallen. Und zwar sobald sie eine Mail an einen Gmail-Nutzer schreiben. Durch Weiterleitungen und Firmenadressen, die unbemerkt über Google-Server laufen können, kann sich also jeder noch so vorsichtige Nutzer in Wirklichkeit nie ganz sicher sein, wer ein Blick auf seine Nachrichten wirft.

Aufmacherbild: Close up of male eye scanned for recognition von Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Nivens

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