Google Business: manipulierte Einträge richten Schaden ein
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Bereits Anfang des Jahres berichteten wir über Manipulationen von Google Business Einträgen im großen Stil. Nun gibt ein Restaurant aus Washington DC Google die Schuld an seinem Bankrott.

Es hört sich an wie ein schlechter Scherz, doch für den 74-jährigen Rene Bertagna aus Washington DC und sein Restaurant „Serbische Krone“ ist es bitterer Ernst. Nach 40 Jahren musste er sein kleines Restaurant schließen und beschuldigt Google, für seinen Bankrott verantwortlich zu sein.

Was ist passiert?

Die „Serbische Krone“ war stets gut besucht. Ein beliebtes kleines Restaurant in der Nachbarschaft, das sich durch aussergewöhnliche Speisen über die Jahre einen Namen gemacht hatte. „Das Gebiet, in dem sich das Restaurant befindet ist abseits der Touristenpfade“, so Bertagnas Anwalt, Christopher Rau. Besucher kamen somit explizit und auf Empfehlung, um seine exotischen Speisen zu probieren.

Doch Anfang 2012 blieben plötzlich am Wochenende die Gäste aus. Selbst Montag suchte niemand mehr das Restaurant auf. Bertagna verstand die Welt nicht mehr. Zwar gab es bei ihm schon seit einer Weile kein Bärenfleisch mehr, aber exotische Speisen wie Pferd oder Känguru konnte man nach wie vor bei ihm in einer gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre genießen. Koch oder Service hatten nicht gewechselt, es gab keinerlei nennenswerte Vorfälle. Die Gäste kamen einfach nicht mehr und Bretagna wusste nicht warum.

Bis ihn ein Gast direkt ansprach und fragte, wieso er denn Samstag, Sonntag und Montag geschlossen hätte. Der Restaurantbesitzer fiel aus allen Wolken. Stellte klar, dass er sehr wohl wie gewöhnlich geöffnet hätte und musste feststellen, dass auf Google Maps seine Öffnungszeiten geändert wurden. Samstag, Sonntag und Montag geschlossen, stand im Web. Irgend jemand hatte dies geändert, um ihm zu schaden.

Da jeder Google+ User eine Änderung von verifizierten Local-Business-Einträgen, bekannt als Google Places, veranlassen kann, ist diese Annahme nachvollziehbar. Und leider schadete derjenige, der die falschen Öffnungszeiten eintrug, mit großem Erfolg. Denn obwohl Bertagna versuchte, durch Einsparungen seine Kosten zu decken, und auch den Eintrag auf Google korrigierte, musste er letzten Endes im April 2013 schließen. Zu groß waren die Einbußen, die durch die monatelang ausbleibende Kundschaft geschaffen wurden.

Ein Gerichtsverfahren mit Aussicht auf Erfolg?

Nun verklagt Bertagna Google vor einem Bundesgericht in Virginia. Sein Anwalt vertritt die Theorie, dass ein konkurrierendes Restaurant den Google-Places-Eintrag sabotierte und argumentiert, dass Google absichtlich gegenüber solchen Manipulationen die Augen verschließt.

Denkt man an tausende manipulierte Einträge von Anfang des Jahres zurück, sollte Google mehr als bewusst sein, dass im Rahmen der Änderung und Korrektur solcher Business-Einträge, Prozesse für die Qualitätssicherung dringend implementiert werden sollten.

Eben im Sinne der Kundenfreundlchkeit, des Kundennutzens und vor allem aufgrund des Unternhemensmottos „Don’t be evil“, sollte Google auch hier einen funktionierenden Verifikationsprozess integrieren.

Denn das angestrebte Verfahren von Rene Bertagna wird wohl kaum zum gewünschten Erfolg führen. Selbst wenn Google Schadensersatz zahlen müsste, wovon kaum auszugehen ist, wäre der Betrag für den Internet-Giganten wohl im Rahmen von Peanuts abzutun. Und es sind immer wieder kleine und mittelständige Unternehmen, die von solchen Sabotagen betroffen sind.

Selbst wenn Bertagna also beweisen könnte, dass der manipulierte Eintrag und eben nicht steigende Preise, schlechte Bewertungen oder Ähnliches für seinen Bankrott verantwortlich waren, ist Google aufgrund seiner Crowdsourcing-Natur rechtlich wohl unantastbar.

Schade, dass immer mehr solcher traurigen Geschchten zu Tage kommen. Vielleicht ist „Don´t be evil“ ein eben doch zu optimistisches Motto, könnte man meinen.

 

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