Google Glass – Mirror API vorgestellt, erste Brillen vor Auslieferung
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Google Glass – es wird ernst! Einen Tag nachdem bekannt wurde, dass die ersten Exemplare der Augmented Reality Brille fertig gestellt und in den kommenden Wochen an Entwickler ausgeliefert werden, hat Google nun sowohl konkrete technische Spezifikationen zu Google Glass rausgerückt als auch das sogenannte Mirror API vorgestellt.

Gestern hatte Techcrunch einen Brief des Google Glass Teams an Entwickler veröffentlicht. Laut dem Schreiben verlassen derzeit die ersten Google Glass Modelle die Fertigungsbänder und werden in mehreren Wellen an die 2.000 Entwickler ausgeliefert, die erfolgreich in das Developer Programm aufgenommen worden waren.

Technische Spezifikationen

Auch in puncto technische Spezifikationen herrscht nun mehr Klarheit. Etwas versteckt in den „User Interface Guidelines“ von Google findet sich der Punkt „Quick Reference“, unter dem eine kurze Liste von Specs zu den von Foxconn in den USA hergestellten Brillen (Bloomberg berichtete) auftaucht. So erfährt man unter anderem, dass das eingebaute Display ein Seitenverhältnis von 16:9 und eine Auflösung von 640 x 360 Pixeln besitzt, die laut Google dem Bildeindruck eines 25-Zoll-HD-Bildschirms aus einer Entfernung von knapp zweieinhalb Metern entsprechen soll. Unterstützte Medienformate sind MP4, H.364 baseline und H.263 baseline sowie ACC und MP3 auf Audioseite. Noch mehr Ausstattungsfeatures finden sich hier: http://support.google.com/glass/answer/3064128?hl=en&ref_topic=3063354

Demnach ist eine 5MP-Kamera an Bord, die Video mit einer 720p Auflösung aufzeichnet. Für einen guten Sitz auf der Nase gibt es einstellbare Nasenpads (inkl. Einem Extra-Paar) und ein flexibles Gestell. Goggle Glass unterstützt Wifi 802.11b/g sowie Bluetooth, hat 16 GB internen Speicher, 12 davon für den User nutzbar (inkl. Synchronisation mit dem Google Cloud Speicher). Bei der Akkuleistung wird eine Laufzeit von einem Tag bei „typical use“ angegeben.

Audio gibt es auch: Über einen „bone conduction transducer“, sprich einen Signalumwandler, der auf das Prinzip des Knochenschalls (auch Knochenleitung genannt) setzt. Hier werden Schallschwingungen beziehungsweise Vibrationen durch den das Gehörorgan umgebenden Schädelknochen wahrgenommen.

Im Lieferumfang enthalten sind ferner eine micro USB-Kabel und Ladegerät.

Google Glass soll zu jedem Bluetooth-fähigem Telefon kompatibel sein. Die MyGlass Begleit-App, mit der GPS und SMS-Versand ermöglicht werden, läuft nur ab Android 4.0.3.

Mirror API

Apropos App. Google hat auf seinem Developers Blog ebenfalls Details und Guidelines zur Mirror API veröffentlicht. Ein Quickstart für Java und Python beschreibt, wie man sogenannte Glasware entwickeln kann.

The starter project demonstrates the major functionality of the Google Mirror API and gives you a good foundation in understanding how a simple piece of Glassware works.

Ebenfalls verfügbar sind Developer Guides, Best Practices, eine API Referenz. 

Erfreuliches haben die Terms of Service zu bieten. In Section 2 legt Google klar fest, dass es im Rahmen des API Clients keine Werbung geben darf.

Im Zentrum steht jedoch die Mirror API. Sie soll Entwickler in die Lage versetzen, web-basierte Dienste zu entwickeln – die Glassware – um mit der Brille interagieren zu können. Diese Funktionalität wird über eine cloudbasiertes API bereitgestellt, so dass auf der eigentlichen Brille kein Code laufen muss. Dienste werden auf der Brille installiert, indem man sie autorisiert, mithilfe von OAuth 2.0 Content und Benachrichtigungen auf die Glass Timeline des Geräts zu posten. Die Glassware oder Apps können dann mit JSON Objecst und HTTP requests Texte, Bilder oder andere Daten auf dem Display posten.

Den vier Haupt-Features hat Google gleich mal ein kurzes Einführungsvideo spendiert:

Management von Timeline Cards

Die sogenannten Timeline Cards sind der Kern der Google Glass User Experience. Simple gesagt: Timeline Cards zeigen Content an. Dabei kann es sich um text, richt HTML, Bilder oder Videos handeln. Für eine bessere übersicht können Timeline Cards gebündelt werden. 

Interaktion mit Menü-Items

Wenn man eine Timeline Card anzeigen lässt, können auch Menü-Punkte angezeigt werden, beispielsweise Aktionen wie „laut vorlesen“, „per Spracheingabe antworten“ oder „navigieren zu“. Aber auch personalisierte Aktionen sind möglich:

Timeline Benachrichtigungen abonnieren

Um darüber benachrichtigt zu werden, wann Nutzer bestimmte Menü Items auswählen oder wann sie etwas mit einem Kontakt teilen, kann man die sogenannten Timeline Benachrichtigungen abonnieren. Kurz gesagt: Der User löst eine Aktion aus, diese wird an Google gesendet und Google benachrichtigt den Entwickler darüber.

Kontakte teilen

Wenn ein User z.B ein Bild mit Kontakten teilen möchte, kann er dies mit einer realen Person, aber auch mit einem anderen Google Glass Gerät tun. Der Entwickler legt die MIME Typen fest, die man teilen darf und behält so die Kontrolle darüber, welchen Content die jeweilige Glassware verbreiten kann.

Ortsdaten von Nutzern

Gewährt ein Nutzer der jeweiligen Glassware Applikation Zugriff auf seine Location, kann diese abgerufen werden und beispielsweise mit bestimmtem ortsspezifischen Timeline Items oder Timeline Cards verknüpft werden (kein Video zu diesem Punkt vorhanden).

Fazit

Der verfügbaren Informationen für Entwickler geben einen kleinen Vorgeschmack auf die Vielzahl von Möglichkeiten, die Google Glass bietet. Es spannend zu sehen, welch innovative Glassware uns in den nächsten Jahren erwartet. Jetzt heißt es für Entwickler zunächst einmal, die gebotenen Optionen zu begreifen. Aber es wird sicher nicht lange dauern, bis eine neue Art von Apps –  die Glassware – für Furore sorgen wird. Ob Google Glass an sich aber Einzug in unseres tägliches Leben halten wird, hängt neben interessanter Glassware auch von der Alltagstauglichkeit der Brille selbst ab.

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