Google Glass – trägt bald jeder eine Überwachungsbrille?
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Als Google die Datenbrille Glass im vergangenen Jahr auf der Google I/O vorstellte, erwarteten viele nicht weniger als eine Revolution der digitalen Vernetzung. Seither bringen uns App-Entwickler wie Srihari Nelakuditi und Romy Choudhury mit InSight zum Staunen und überschreiten die Grenzen unserer Vorstellung. Google, so scheint man nun einig, hält mit Glass die wohl interessanteste Erfindung seit Jahren in den Händen. Doch über unser Staunen übersehen wir leicht die negativen Seiten des technischen Fortschritts für unsere Privatsphäre und Sicherheit. Die Vorstellung, dass bald jeder seine Mitmenschen unbemerkt fotografieren und filmen kann, dürfte allein bei Menschen mit kriminellen Intentionen für Euphorie sorgen.

Inzwischen diskutieren Datenschützer weltweit über die Gefahren für Privatsphäre und Datensicherheit. Sie warnen davor, dass man sich zukünftig bei einem vertraulichen Gespräch unter vier Augen nicht mehr sicher sein wird, ob der Gesprächspartner die Unterhaltung möglicherweise gerade aufzeichnet. Letztlich entwickelt sich so ein Horrorszenario der ständigen Überwachung, bei der alle Daten bei Google landen oder bei dem militärische Dronen die Kameras von Google Glass zur Überwachung der Menschen anzapfen könnten.

Apps wie InSight ermöglichen es schon jetzt, Menschen anhand ihrer Kleidung und Körperhaltung zu erkennen und geben so einen Vorgeschmack auf das, was uns in naher Zukunft erwarten wird. Auch für die Werbung ergeben sich neue Möglichkeiten, da Nachrichten direkt ins Blickfeld der Glass-Nutzer gespielt werden könnten.

Ganz abgesehen von den Datensicherheits- und Privatsphäre-Aspekten gibt es noch andere relevante Gesichtspunkte. Wie wirkt es sich zum Beispiel auf die Gesundheit aus, wenn man ständig nach oben schielt, um den Text, der natürlich nicht das ganze Blickfeld versperrt, zu lesen? Wie sicher ist die Brille beim Autofahren, vor allem dann, wenn sie nicht nur ein Accessoire mit Fensterglas, sondern eine Sehhilfe mit Sehstärke ist? Ein Restaurantbesitzer in Seattle hat Google Glass bereits in seinem Lokal verboten, wenn auch nur als Werbegag. Doch klar ist, dass es eindeutige Regeln, Gesetze und auch technische Einschränkungen geben muss, damit wir nicht wie in der Orwellschen Dystopie 1984 einer ständigen Überwachung und Kontrolle ausgeliefert sind. Bereits Ende des Jahres sollen die ersten Modelle der Datenbrille für 400 Dollar über den Ladentisch gehen. Zu den Gefahren der Brille wollte Google keine Stellung beziehen.

Aufmacherbild via YouTube

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