Google Glass verliert Zuspruch und Wert
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Wann der Otto Normalverbraucher die Zukunft durch die marktreife Google Glass sehen und festhalten wird, ist vorerst bis aufs nächste Jahr vertagt. Trifft man während einer IT-Veranstaltungen schon jetzt auf einen der wenigen Träger, zeichnet sich auf den Glass-freien Gesichtern zunächst eine Mischung aus Faszination und Misstrauen ab. Die Neugierde will den technologischen Meilenstein gleich erkunden, während der Zweifel geradewegs ins allgegenwärtige Auge eines kontrollbegierigen Unternehmens blickt.

Alle suchen nach dem richtigen Durchblick

Datenschützer fordern seit der Ankündigung des Projekts, die Gesetzeslage dahingehend anzupassen, dass die Privatsphäre trotz unberechtigter Mitschnitte von Privatpersonen in der Öffentlichkeit durch Google Glass gewahrt bleibt. Doch wo verlaufen die Grenzen zwischen öffentlichem Interesse und Privatsphäre, und wer übernimmt die Kontrolle über etwaige Google-Restriktionen, wenn selbst der Staat mit durch Google Glass blicken darf und sich selbst ein bisschen mehr Kontrolle und Prävention davon verspricht?

Gegenbewegungen und Umorientierung mancher Google-Mitarbeiter

In den USA formieren sich bereits Gegenbewegungen in der Gesellschaft, die das Tragen der Brille in manchen Bars und Etablissements ausdrücklich untersagen. Das Rumoren in der Presse und die öffentliche Meinung zu Googles ambitioniertem Projekt dürfte auch den Mitarbeitern des Unternehmens nicht entgangen sein. Seit diesem Jahre wenden sich zusehends Entwickler und Mitarbeiter vom Projekt ab. Google Glass Executive Kelly Liang verließ im Mai das Projekt und wechselte zu SmartThings, einer Connected Home Plattform. Sie hatte maßgeblich mit an den Gestellen gearbeitet. Im Juli folgte Babak Parviz, leitender Entwickler von Google Glass, und schiffte sich kurzerhand bei Amazon ein.

Ob moralische Bedenken eine Rolle für diese beiden und einige andere Unternehmenswechsel spielten, ist den Stellungnahmen nicht zu entnehmen. Vielmehr schienen die beiden erwähnten Personen ihre Zukunft in einem anderen Unternehmen zu verorten.

Mitarbeiter verlassen das Unternehmen und der Wert der Glass fällt

Die Beschränkungen des Marktes zögern den offiziellen Release des Wearables weiter hinaus. Auch wenn es von offizieller Seite des Unternehmens heißt, dass man das Projekt Google Glass weiterhin akribisch verfolge, zeigen die Abgänge der Mitarbeiter wie auch der vermeintliche Wertverlust der Brille im Netz eine andere Entwicklung. Während die Explorer-Version für Entwickler und Tech-Pioniere zunächst noch für stolze 1500 US-Dollar bei Google selbst bestellt werden musste, tauchen mittlerweile bei Ebay schon Modelle unter 1000 Euro, teils für die Hälfte des Google-Preises auf. Obschon die Vertrauenswürdigkeit dieser Angebote in Frage gestellt werden kann, zeichnet sich bereits vor der Marktreife des Projekts der Zenit ab.

Google Glass macht es bis zur Marktreife – doch was dann?

Google Glass wird kommen – das steht fest. Nur wie ist Frage, und ob sie nicht bei allen Vorzügen und prognostizierten Tracking-Horror-Szenarien langfristig die Gesellschaft spalten wird, in das Lager der absoluten Befürworter einer smarten Zukunft und in eine Gegenbewegung konservativer Verteidiger der öffentlichen Freizügigkeit.

 

Aufmacherbild: BOSTON, MA, USA – MAY 1, 2014: A photo of Google Glass. Google Glass is a wearable computer with an optical head-mounted display that is being developed by Google via Schutterstock / Urheberrecht: Hattanas Kumchai

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