Google löscht Suchergebnisse
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Das Internet vergisst nie. Oder?

Sich selbst googlen ist wenig salonfähig. Stars und Sternchen behaupten in den meisten Fällen steif und fest, sie würden es nicht tun, Personen ohne VIP Status haben ohnehin nicht so viel zu befürchten, nicht wahr? Doch viele Menschen haben Leichen im Netz, die vielleicht vor ein paar Jahren noch okay waren, sich aber nun als halbe Katastrophe, sehr unangenehm oder einfach nicht mehr netztauglich herausstellen.

Das Wissen um die Spähvorgänge der Geheimdienste tut sein übriges und im Mai beugte sich Google dem Urteil des Europäischen Gerichtshof zu Löschungen in Suchmaschinenergebnissen. Google stellte ein Formular bereit, mit dem zumindest die Menschen in Europa die Löschung von Daten beatragen können. Zur Sicherheit muss jedem Link eine Begründung und eine Kopie des Personalausweises beiliegen.

Allein am ersten Tag gingen 12 000 Anträge ein, mittlerweile sind es hunderttausende. Google begann diese Anträge nun zu bearbeiten und Suchergebnisse zu löschen. Nun sind auch Artikel des Spiegel Online betroffen. Das Magazin berichtete gestern Nachmittag, dass bestimmte Artikel nicht mehr auffindbar sind und es stattdessen folgender Hinweis gezeigt wird: “Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt”.

Allerdings geht dieser Vorgang nicht ganz problemlos von Statten, denn das Interesse der Aufklärung der Öffentlichkeit und dem Datenschutzrecht des Einzelnen kollidiert in bestimmten Fällen. So besagt das Urteil gleichfalls, dass Personen des öffentlichen Lebens kein “Recht auf Vergessen” hätten.

Nicht nur der Spiegel erhielt Informationen über die Löschung von Suchergebnissen, sondern auch der Guardian, sowie die BBC und die Daily Mail. Diese britischen Medien protestierten bereits gegen Löschungen mitder Begründung, dass der Löschwunsch und dessen Berechtigung nicht gut genug geprüft wurde. Daraufhin wurden Löschungen von Ergebnissen des Guardian bereits wieder rückgängig gemacht. 

Es wird sicherlich noch viele Probleme bei den Löschungen geben. Allein die Frage, was als Person des öffentlichen Lebens genau definiert ist und ob die Verweigerung des Rechtes auf Löschung von Daten nicht gegen das Selbstbestimmungsrecht und den persönlichen Datenschutz steht, ist nicht geklärt. Dieses holprige Vorgehen zeigt deutlich, dass der Datenschutz viele Jahre lang nicht ernst genug genommen wurde und als Resultat dessen nun keineindeutiger juristischer Umgang damit möglich ist.

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