Google Maps und Waze: das ultimative Map-Service-Network?
Kommentare

Es ist immer wieder spannend, was im Silicon Valley passiert. Gerade hat Google Facebook und Apple ein Schnippchen geschlagen und für die Crowdsourced-Navigation-App Waze 1,3 Milliarden Dollar hingelegt.

Solche eine Summe ist man ja aus dem Valley gewöhnt. Erinnert man sich beispielsweise an die Übernahme von Instagram durch Facebook im vergangenen Jahr, für die Mark Zuckerberg eine Milliarde Dollar locker gemacht hatte.

Doch bevor man solche Vorgänge einfach als alltäglich ansieht, sollte man das Ganze mal hinterfragen: Wieso eigentlich bezahlt Google für ein relativ unbekanntes israelisches Startup mit 110 Mitarbeitern über 1 Milliarde Dollar? Auch Apple und Facebook hatten ihre Angebote abgegeben. Ende letzten Jahres war Apple mit 500 Millionen Dollar in die Übernahmeverhandlungen getreten. Facebook hat im Mai sein anfängliches Angebot von 800 Millionen Dollar auf eine Milliarde Dollar aufgestockt.   

Hier ist der Social Network Gigant wohl etwas zu zögerlich vorgegangen, denn Google legte nach und seit dem 11. Juni ist der Waze-Deal perfekt.

Waze hatte bis dahin insgesamt 67.000.000 Dollar Venture Capital von Firmen im Silicon Valley und Israel gesammelt. Bereits in der ersten Finanzierungsrunde 2008 konnte das Startup große Investoren gewinnen. Der Israelische Map Service verwendet die GPS-Signale und Informationen von Smartphone Nutzern, um Karten- und Verkehrsdaten zu generieren und bietet damit crowdgesourcte Verkehrsinformationen in Echtzeit.

Dass sich der Service sogar gegen Apples Maps durchsetzen würde, hätte Waze CEO Noam Bardin laut Mashable nicht erwartet. Man ging allgemein davon aus, dass Apples Produkte gut funktionieren würden. Doch selbst ein Technologie-Vorreiter wie Apple musste feststellen, dass der hauseigene Kartendienst gegen die Konkurrenz keine Chance hatte. Es ging sogar soweit, dass sich Apple CEO Thomas Cook in einem Brief offiziell für den missglückten App-Launch bei den Usern entschuldigte und Alternativen empfahl. 

Die Lehre aus Mapgate? Einen guten Kartendienst zu produzieren ist komplexer als man angenommen hat. Und mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones ist die Popularität von Karten-Apps immens gestiegen. Bei Waze trifft die Weisheit der Masse auf digitale Karten. Im März lagen die Nutzerzahlen noch bei 40 Millionen, heute sind es bereits über 50 Millionen. Die kostenlose App bietet seiner Community mit Hilfe der Real-Time-GPS-Informationen sehr genaue und aktuelle Verkehrs- und Navigationsdaten inklusive Infos zu Radarfallen, Benzinpreisen, Verkehrsunfällen oder Baustellen. Auch Polizeikontrollen oder blockierte Straßen können von der Community gemeldet werden.

Google Geo Vice President Brian Mc Clendon freut sich in einem Blogpost über die zukünftigen Verbesserungen von Maps mit einigen der Waze Traffic-Update-Features. Waze soll hingegen mit Google Search Features ausgestattet werden. Peter Cohan hat die Gründe für Googles Kaufentscheidung kurz und knapp zusammengefasst: Zum einen habe die große User-Base und dereb Engagement das Interesse geweckt. Zum anderen müsse sich Google weiterhin gegen die Konkurrenz behaupten. Da ist es selbstverständlich, dass das Startup weder Apple noch Facebook in die Hände fallen durfte. Außerdem bringt Waze Features mit, an denen es Google Maps mangelt. Nach der israelischen Business Platform Globes soll Waze, ähnlich wie es Microsoft in Bezug auf Skype gemacht hat, unabhängig von Google operieren. In einem Forbes Interview mit CEO Noam Bardin aus dem Januar wird über das Businessmodell von Waze gesprochen, das auf InApp-Advertising basiert. Die App als solche ist kostenlos. Google kann folglich Waze als Alternative zu Maps anbieten und an sein eigenes Advertising-Netzwerk anbinden. 

Aufmacherbild: Map marker with icon of a retro car Foto von Shutterstock / Urheberrecht: Aleksandr Bryliaev


Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -