Google Sprechstunde: Diagnose per Video-Chat
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Health goes Digital, diesen Trend greift Google jetzt auf und will in den Suchergebnissen die Option Live-Chat mit einem Arzt anbieten, wenn man Krankheitssymptome googelt. Die Funkton wird zunächst in den USA getestet.

Selbstdiagnose im Internet

Man fühlt sich unwohl, der Hals kratzt oder der Bauch schmerzt? In so einem Fall werden die meisten Digital Natives erst einmal Symptome googeln. Auf zahlreichen Gesundheitsportalen im Netz findet man ausführliche Krankheitsbeschreibungen und Tipps zur Therapie und Bekämpfung der Symptome. Über den Sinn dieser Selbstdiagnosen lässt sich streiten, zeigen sie aber doch, dass der Bedarf nach ärztlichem Rat groß ist – am besten bequem vom heimischen Sofa aus.

Ferndiagnose per Video-Chat

Auch Google erkennt dies und testet jetzt einen Video-Chat mit Ärzten. Darauf war ein Reddit User aufmerksam geworden, der nach Linderung für seine Knieschmerzen gesucht hatte. Nachdem er seine Symptome in die Google-Suche eingegeben hatte, schlug ihm die Suchmaschine neben den klassischen Suchergebnissen auch eine Video-Chat-Option vor. Ein kleines Kamera-Symbol mit dem Hinweis „Talk with a doctor“ verbinde direkt mit einem Arzt. Den Live-Video-Chat mit den Ärzten testet Google momentan in den USA.

Online-Diagnose wird zunächst von Google übernommen

Based on your search query, we think you are trying to understand a medical condition. Here you can find health care providers who you can visit with over video chat. All visit costs are covered by Google during this limited trial.

Die Sprechstunde muss natürlich vom Google-Patienten bezahlt werden. Während der Testphase übernimmt Google aber die Kosten für die Beratung. Später wird über Google Wallet abgerechnet. Interessant ist auch, wie die Krankenkassen mit der neuen Diagnoseform umgehen würden.

Google Helpout für Gesundheitsfragen

Der Diagnose-Chat soll in Googles Experten-Tool Helpouts eingebettet werden. Dieser Dienst wurde in 2013 gestartet und bietet ratlosen Google Usern die Möglichkeit, sich Hilfe bei Experten zu suchen. Neben Tipps zu Bereichen wie IT, Heimwerken oder Kochen werden wohl demnächst auch die Ferndiagnosen in Google Helpouts zu finden sein. Momentan sind noch keine Ärzte im Verzeichnis zu finden, was sich aber in der nächsten Zeit ändern dürfte. In Deutschland ist es noch fraglich, ob die Internet-Diagnose überhaupt kommen wird, denn die hiesige Rechtslage verbietet diesen Service. Laut der Berufsordnung ist es Ärzten verboten, eine Behandlung über Print- und Kommunikationsmedien durchzuführen:

Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt.

Digitalisierung der gesundheitlichen Versorgung

Es scheint also, als würde die gesundheitliche Versorgung weiter digitalisiert. Auch Apple hat mit seiner Health App, die mit dem aktuellen iOS 8 ausgerollt wurde, diesen Trend erkannt. Diese Anwendung ist eher auf Prävention ausgelegt, die Internet-Diagnose dagegen bietet eine Therapie im Krankheitsfall und geht damit einen Schritt weiter. Spannend wird dieses Thema, wenn man die verschiedenen Dienste kombiniert. Der Arzt hat zwar über die Ferndiagnose keine Möglichkeit, die Werte des Patienten zu testen, dieser kann aber über mobile Devices und Gesundheitsanwendungen selbst Puls, Blutdruck und Co. messenund könnte die Ergebnisse an den Arzt übermitteln. Die Ferndiagnose lässt sich natürlich nur in einem eingeschränkten Rahmen realisieren, verdeutlicht aber einen generellen Trend zur Digitalisierung verschiedenster Lebensbereiche.

 

Aufmacherbild: Close-up of stethoscope and paper on background of doctors and patient communicating via Shutterstock / Urheberrecht: Pressmaster

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