Google vermittelt zwischen Publisher und Verbraucher

Google testet neues Bezahlsystem für Seitenbetreiber
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Suchen wir im Web nach Neuigkeiten und allgemeinen Informationen, bekommen wir diese innerhalb von Sekunden kostenlos zur Verfügung gestellt. Selbst renommierte Zeitungen bieten im Netz online aufbereitete Artikel aus ihrer Print-Redaktion an und führen nebenher reine Online-Redaktionen, die sich vornehmlich über Werbeanzeigen finanzieren. Während sich nun zusehends die Leserschaft mit AdBlock, NoScript und Co. gegen nervige Werbung, Pop-Ups und Tracking-Methoden zur Wehr setzt, schaden sie damit zugleich indirekt den Content-Anbietern, News-Portalen und anderen journalistischen Seiten. Um diesem Dilemma zu entgehen, will nun Google mit seinem Contributor-Projekt als Vermittler zwischen Publisher und Verbraucher auftreten.

Durch Contributor gewinnen Leser und Seitenbetreiber

Das momentan in den USA in der Testphase befindliche Projekt „Contributor“ will eine Art Bezahlsystem für mitunter journalistische Inhalte etablieren. Nach dem Motto: Wer einen kleinen Kostenbeitrag leistet, bekommt keine Google-Werbung mehr zu sehen. Mit minimalen Kostenpauschalen von einem bis drei Dollar pro Monat sollen so redaktionell aufbereitete Inhalte für zahlende Kunden ohne Werbung zugänglich werden – statt dessen werde ein Kasten mit der Inschrift: „Dankeschön!“ eingeblendet , wenn sie die Seite aufrufen. Google wolle das über Contributor eingenommene Geld an die teilnehmenden Webseiten ausschütten, erklärt das Unternehmen gegenüber Wired. Der Anteil der Ausschüttung hängt auch davon ab, wie die jeweilige Seite besucht wird.

Google hilft anderen – und sich selbst

So bekommt jeder etwas ab: Der Verlag oder das Online-Magazin wird vergleichbar wie bei Spotify mit einer Art Frequenz-Pauschale belohnt und der Leser kann werbefrei mit gutem Gewissen auch weiterhin mehr oder minder qualitative Beiträge lesen – so die Idee. Dass die Wirklichkeit ein wenig anders aussehen dürfte, wenn sich das Projekt durchsetzt, weiß Google wohl am besten. Denn der eigentlich Gewinner an dem Dilemma wäre langfristig Google selbst. Der einflussreichste Werbevermittler der Netzwelt entzieht sich so zugleich dem Problem, dass Internet-User sich zusehends gegen Werbeinhalte und Tracking wehren und die Anzeigenpreise sinken, und kann trotzdem zugleich Geld durch die Vermittlung zwischen Verlag und Leser einnehmen – auch dann, wenn er keine Provision für die Vermittlung selbst erhebt. Es reicht schließlich aus, wenn Google weiterhin seine User tracken kann. Werbeanzeigen lassen sich so auch gezielt abseits der redaktionellen Seiten verkaufen.

Content-Anbieter und Publisher können sich noch am Testlauf beteiligen

So schwarzmalerisch dieses fiktive Szenario auch wirken mag, so hilfreich und notwendig scheint momentan das Entgegenkommen Googles. Von dem Problem der Werbeblockierung sind auch andere Wissens- und Content-Anbieter im Netz betroffen. The Onion, Science Daily, Urban Dictionary, Wikihow, Mashable und Imgur nehmen bereits an der Testphase des neuen Finanzierungsmodells teil. Weitere Seitenbetreiber sind eingeladen, sich ebenfalls am Testlauf zu beteiligen. Wer früh einsteigt, könnte womöglich auf Dauer mehr vom Kuchen abbekommen, den Google stückchenweise zuteilen wird.

Erfolgreiche und aussichtslose Projekte

Die New York Times hat erfolgreich vorgemacht, wie sich qualitativ hochwertiger Content durch kostenpflichtigen Zugang sichern lässt. Bild.de zeigt zudem mit Bild +, dass Leser auch bereit sind, für banale Inhalte Geld zu bezahlen. Ob es also unbedingt notwendig ist, sich auf Google zu verlassen, ist zweifelhaft. Insbesondere am Beispiel Spotify zeigt sich, dass das Modell der Ausschüttung unter den Musikern nicht recht aufgehen will und sich vor allem bereits etablierte Künstler wieder abwenden, da der Ertrag zu gering ist.

Die Wertschätzung der Leser könnte den Markt retten

Zudem sollte nicht übersehen werden, dass zwar Werbeinhalte von Google durch das Projekt Contributor verschwinden würden, nicht aber diejenigen Werbeinhalte, die von der jeweiligen Anzeigenabteilung für das Online-Magazine untergebracht werden. Gänzlich auf Werbung zu verzichten, ist realistisch gesehen unmöglich und auch nicht notwendig. Wichtiger scheint es, dass sich das Leserverhalten auf lange Sicht dahingehend verändert, dass die Bereitschaft wächst, redaktionell aufbereitete Inhalte zu honorieren – und gegebenenfalls auch ein erträgliches Maß an Werbung hinzunehmen. Dafür bräuchte es keine Hilfestellung von Google.

Aufmacherbild: Newspaper or magazine from tablet pc. 3d via Shutterstock / Urheberrecht: Maxx-Studio

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