Google Web Designer: kostenloses Design-Tool für animierte HTML5-Werbebanner
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Den Kampf gegen Flash hatte einst Steve Jobs begonnen. Jetzt unternimmt auch Google ernsthafte Anstrengungen, um die Technologie endgültig aus dem Web zu befördern. Mit dem Google Web Designer hat der Konzern aus Mountain View ein funktionsreiches Design-Tool vorgestellt, das Digital Professionals und Anfänger in die Lage versetzten soll, anspruchsvolle Animationen in HTML5 zu erstellen. 

Die Beta-Version des Google Web Designer kann seit gestern auf der Google Web Designer Produktseite für Windows und Mac OS X heruntergeladen werden und hat vor allem eine Zielgruppe im Visier: Leute, die Flash-Werbebanner erstellen. Denn während HTML5 schon von vielen Webdesignern beim Bauen von Websites benutzt wird, hinkt die Werbeindustrie zurück und setzt weiter auf Flash. Auch die Auswahl der Website, die den Google Web Designer vorstellt – Google DoubleClick Advertiser Blog – erlaubt ferner keine Spekulationen darüber, wer das Tool bitteschön vor allem nutzen soll.

HTML5 im Aufwind

Eines der größten Argumente für eine stärkere Verbreitung von HTML5 und die Abkehr von Flash ist die weiter steigende Verbreitung von mobilen Devices wie Smartphones und Tablets. Gerade für die Werbeindustrie wird es deshalb immer wichtiger, dass die ausgespielten Banner über alle Plattformen hinweg korrekt funktionieren – und wir alle wissen, wie es beispielsweise um die Kompatibilität zwischen Flash und iOS-Geräten bestellt ist. Laut dem Post auf dem DoubleClick Advertiser Blog gibt es schon jetzt mehr Nutzer in HTML5-kompatiblen Umgebungen als in Flash-kompatiblen Umgebungen. Und um die Dringlichkeit eines Wechsels weiter zu unterstreichen, wird folgende Prognose nachgeschoben: Die Ausgaben für HTML5 –basierte Werbung sollen die Ausgaben für Flash-basierte Werbung in den nächsten zwei Jahren überholen.

Eines der größten Probleme, das Google mit dem Web Designer lösen möchte, ist die Tatsache, dass sich die Entwicklung von Werbebannern, die „cross-screen“, sprich auf verschiedenen Gerätegattungen funktionieren, bisher sehr schwierig gestaltete: man muss zu viele Plattformen, Browser und Geräte berücksichtigen und besitzt keine Tools, die den Prozess vereinfachen.

Eine weitere, unserer Ansicht nach sehr plausible Vermutung zur Strategie hinter Google Web Desinger, äußerte Falk Ebert, Digital Strategy Consultant bei Scholz & Friends, via Tweet:

Intuitives Tool-Set

Laut Google soll der Web Designer Werbetreibenden folgendes bieten:

  1. Das Erstellen von kreativen HTML5 Werbemitteln mit einem soliden und intuitiven Tool-Set
  2. Der Code, auf dem die Werbemittel basieren, soll einfach editierbar sein, Änderungen sollen sofort sichtbar werden.
  3. Ein flüssiger Workflow für das Bauen von Werbeanzeigen für DoubleClick und AdMob oder für das Publizieren auf einer generischen Plattform der Wahl.
  4. Automatische Updates des Tools, ein neuer Download ist nicht erforderlich.
  5. Das Tool ist komplett kostenlos.

 

Sieht aus wie Adobe

Wir haben uns das Tool angeschaut und als erstes fiel auf: Sieht ein bisschen aus wie ein Adobe-Produkt. An den Rändern des Zeichenbereichs findet man die Werkzeuge, Farb- und Layer-Auswahl sowie weitere Gestaltungs-Tools.

Google Web DesignerErinnert an Adobe User Interfaces – der Google Web Designer (Quelle: http://www.google.com/webdesigner/).

Google wird also mit dem Web Designer in direkte Konkurrenz zu den Adobe-Produkten Muse, Reflow und Animate treten. Wobei Konkurrenz relativ ist, denn schließlich wird der Web Designer ja kostenlos angeboten. Sven Wolfermann, Frontend Developer bei MadDesigns und Speaker auf der webinale hands-on, nimmt’s mit Humor (obwohl er kein Geld für Adobe-Produkte ausgegeben hat):

Bedienung

Los legt man, indem einfach ein neues Dokument erstellt wird. Hier hat man dann direkt die Auswahl der Anzeigenumgebung – ob es sich um eine generische html-Datei oder um DoubleClick Studio Rich Media oder eine AdMob html-Datei handeln soll. Ferner legt man die Anzeigengröße fest (gängige Größen sind in einem Drop-down wählbar), wählt einen Namen und den Speicherort und – ganz wichtig – den gewünschten Animationsmodus. Im Schnellmodus lässt sich die Anzeige Szene für Szene animieren, im erweiterten Modus animiert man einzelne Elemente mit eigenen Zeitachsen. Neben Anzeigen lassen sich auch HTML, CSS, JavaScript oder XML Projekte anlegen.

Google Web DesignerAuswahl der gewünschten Anzeigenumgebung (Quelle: Screenshot Google Web Designer für Mac OS X).

Auch der restliche Ablauf erinnert an bekannte Tools zur Erstellung von Animationen: Man richtet Umgebungen ein, wählt Elemente aus und verschiebt sie und fügt Komponenten hinzu. Ein Wechsel zur Code-Ansicht ist jederzeit möglich.

Natürlich kann man einfache Linien, Formen oder komplexere Gebilde zeichnen. Eine Einstellung von Linien- und Füllfarben, das Bestimmen der Füllstruktur, Transparanz und weiterer Optionen versteht sich von selbst. Auch das Arbeiten mit Ebenen ist natürlich an Bord. Die erstellten Designs können frei verschoben, gedreht oder um eine Ebene nach oben oder unten versetzt werden. Darüber hinaus hat man Zugriff auf relativ simple 3D-Features, um Objekte frei im Raum zu drehen. Auch eine Änderung der Objektgröße sowie andere Transformationen sind möglich.

Kontrolle über erstellte Animationen bietet die am unteren Bildschirmrand platzierte Zeitleiste, die sich ein- und ausblenden lässt. Für eine spätere Nutzung kann man ferner erstellte Templates und Objekte speichern.

Folgendes Video gibt einen guten Überblick der Features:

 

Weitere Videos zu einzelnen Funktionen bekommt man auf der Seite mit der deutschen Produktanleitung.

 

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